Knöcheldistorsionen: Physiotherapie bringt offenbar kaum etwas

Knöcheldistorsionen: Physiotherapie bringt offenbar kaum etwas
© creative commons

Werden Patienten mit verstauchtem Knöchel vorstellig, verordnen Ärzte neben den gängigen Erstmaßnahmen (Kühlen, Hochlagern, Ruhe, Kompression, Analgetika) häufig eine mehrstufige Physiotherapie. Sie soll dabei helfen, schnell die vollständige Funktionalität des Fußes wiederzuerlangen. Dass dies nur in wenigen Fällen tatsächlich zielführend ist, hat jetzt eine randomisierte Studie an der Queen’s University im kanadischen Kingston ergeben.

Untersucht wurden 503 Fälle mit Distorsionen ersten oder zweiten Grades über einen Zeitraum von drei Monaten. Der Verletzungszeitpunkt lag grundsätzlich weniger als 72 Stunden zurück. Als Maß legten die Studiengruppenleiter den „Foot and ankle outcome score“ (FAOS) an, der sich aus 42 Einzelkriterien in den Bereichen Lebensqualität, Schmerz und allgemeine Funktion zusammensetzt. In jedem Bereich können maximal 100 Punkte erreicht werden; für ein befriedigendes Heilergebnis hatten die Wissenschaftler einen FAOS von 450 Punkten (bei max. 500 Punkten) festgelegt.

Das ernüchternde Ergebnis: Nur 43 Prozent der physiotherapeutisch behandelten Patienten erreichten nach drei Monaten den angepeilten Score. Aus der Kontrollgruppe erreichten immerhin 37 Prozent ähnliche Ergebnisse. Auch der Wert für Wiederverletzungen am oft noch instabilen Knöchel war nach sechs Monaten in beiden Gruppen ähnlich. Nur die Werte für die Kraft der Plantarflexion sowie das maximale Drehmoment schlugen minimal zugunsten der Interventionsgruppe aus.

Fazit: Frühzeitig begonnene physiotherapeutische Maßnahmen bringen, am Aufwand gemessen, bei verstauchtem Knöchel kaum Vorteile gegenüber der Standardversorgung.

Kura L

Quellen:

  1. Brison RJ, Day AG, Pelland L, Pickett W, Johnson AP, Aiken A, Pichora DR, Brouwer B. Effect of early supervised physio­therapy on recovery from acute ankle sprain: randomised controlled trial. BMJ. 2016; 355: i5650. doi:10.1136/bmj.i5650