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Impfungen bei Leistungssportlern

Impfungen bei Leistungssportlern
© New Africa / AdobeStock

Seit COVID-19 die Welt in Atem hält, wird auch im Sport über Ansteckungswege, Hygienemaßnahmen und Schutzmöglichkeiten gesprochen. Nichts wird sehnlicher erwartet als ein stark immunogener, auf breiter Basis einsetzbarer Impfstoff, damit endlich wieder so etwas Ähnliches wie Prä-Corona-Normalität entstehen kann. Da sich die Aufmerksamkeit nun auf Impfungen richtet, soll diese hochwirksame Präventionsmöglichkeit einmal umfassend mit Detailblick auf Sportler betrachtet werden. Denn im Leistungssport zählt vor Wettkämpfen jede Trainingseinheit. Doch Sportärzte wie Leistungssportler sind im Hinblick auf Impfungen aus Sorge vor Nebenwirkungen und potenziell negativen Effekten auf das Training eher zurückhaltend (8). Hinzu kommt, dass Profisportler oft ein besonders starkes Gefühl der Unverwundbarkeit entwickeln. Die Konsequenz: Zu wenige Leistungssportler sind entsprechend der offiziellen Empfehlungen geimpft. Doch Prävention ist in diesem Bereich wesentlich, denn Infektionskrankheiten sind die häufigsten Leiden, die Sportler betreffen (3).

Für Leistungsathleten können auch mild verlaufende Erkrankungen die körperliche Leistungsfähigkeit bereits merklich beeinträchtigen und so zum Ausfall von Trainingszeiten oder Wettkämpfen führen. Es ergibt sich außerdem ein gefährlicher Spagat: Der zu frühe Wiedereinstieg ins Training kann – beispielsweise nach einer Influenza-Erkrankung – schwere Komplikationen wie etwa eine Herzmuskelentzündung nach sich ziehen. Wie wichtig es für den sportlichen Erfolg ist, über die gesamte Saison möglichst gesund zu bleiben, zeigte eine prospektive Kohortenstudie mit Leichtathleten über einen Zeitraum von fünf internationalen Wettkampfsaisons (6). Die Wahrscheinlichkeit, das gesteckte Leistungsziel zu erreichen, erhöhte sich um den Faktor 7, wenn mehr als 80 Prozent der geplanten Trainingswochen vollständig absolviert wurden. Jede Woche Trainingsausfall oder -reduktion verringerte die Erfolgschancen signifikant.

Erhöhtes Infektionsrisiko bei bestimmten Sportlergruppen

Athleten sind gerade im organisierten Vereinssport und bei Wettkämpfen stärker als die Allgemeinbevölkerung gefährdet. Durch engen Kontakt zu Mannschaftskameraden, Kontrahenten, gemeinsame Nutzung von Umkleideräumen, Duschen und Toiletten, Trainingsstätten, Schlaf- und Gemeinschaftsräumen in Trainingslagern, Ausrüstung, Geräten, Gewichten und Bällen ist die Ansteckungsgefahr für Infektionskrankheiten, insbesondere Atemwegserkrankungen, erhöht (3). Bei Kontaktsportarten kommt dazu noch das Risiko, mit fremden Körperflüssigkeiten (Schweiß oder sogar Blut) in Kontakt zu kommen und sich darüber zu infizieren. Diesen Tatsachen wird in der Praxis teilweise noch zu wenig Bedeutung beigemessen. Sie deuten darauf hin, dass Impfungen zur Prävention unter Sportlern wie auch unter Trainern und im weiteren Betreuerstab deutlicher empfohlen werden sollten.

Während der Olympischen und Paralympischen Spiele von London (2012) und Rio (2016) wurde vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) die Inzidenz für Erkrankungen unter den Sportlerinnen und Sportlern erhoben. Demnach unterscheiden sich die Raten stark zwischen den Geschlechtern und den Sportarten. Es scheint, dass Athletinnen (60 Prozent höhere Inzidenz als Männer), Paralympioniken, bestimmte Wassersportler und Sportler mit mehreren Wettkampfeinsätzen (z. B. über mehrere Tage verteilte Wettbewerbe) besonders häufig an Erkrankungen des Respirationstrakts leiden (1, 2). Als mögliche Gründe für die stärkere Gefährdung dieser Sportlergruppen werden etwa Geschlechterunterschiede aufgrund der Sexualhormone, erhöhte Keimzahlen an Rollstühlen, Wasserqualität bei Freiwasserathleten oder zu großer mentaler Druck genannt. (Weiter im Text: nächste Seite 2 von 3)