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The German Journal of Sports Medicine is directed to translational science and clinical practice of Sports Medicine and its adjacent fields, which investigate the influence of physical activity, exercise, training and sports, as well as a lack of exercise affecting healthy people and patients of all age-groups. It addresses implications for prevention, diagnosis, therapy, rehabilitation and physical training as well as the entire Sports Medicine and research in sports science, physiology and biomechanics.

The Journal is the leading and most widely read German journal in the field of Sports Medicine. Readers are physicians, physiologists and sports scientists as well as physiotherapists, coaches, sport managers, and athletes. The journal offers to the scientific community online open access to its scientific content and online communication platform.

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Orthopädie und Sport
ORIGINALIA
SPRUNGGELENKSVERLETZUNGEN IM NACHWUCHSBASKETBALL

Sprunggelenksverletzungen und Präventionsstrategien im deutschen Nachwuchsbasketball

Ankle Injuries and Prevention Strategies in German Youth Basketball

Institut für Bewegungswissenschaft, Universität Hamburg

ZUSAMMENFASSUNG

Problemstellung: Obwohl junge Spielsportler einem erhöhten Risiko für Sprunggelenksverletzungen unterliegen, existieren bisher keine Daten zur Inzidenz und zu umgesetzten Präventionsstrategien im Nachwuchsbasketball. Ziel der Studie war die Erfassung von Sprunggelenksverletzungen sowie der Anwendung verletzungspräventiver Maßnahmen in den höchsten deutschen Nachwuchsbasketballligen. Methoden: 151 Spieler/innen (Alter: 14-18 Jahre, 60 weiblich, 91 männlich) aus 14 Mannschaften der Nachwuchs (NBBL, WNBL) und Jugend (JBBL) Basketball Bundesliga nahmen an der Studie teil. Mittels Fragebogen wurden retrospektiv Expositionszeiten, Verletzungsrate, Ausfallzeiten und Präventionsmaßnahmen (Bandagen, Taping, Training) erfasst. Ergebnisse: 38,4% (n=58) der eingeschlossenen Spieler/innen berichten 70 Sprunggelenksverletzungen über einen Zeitraum von zwölf Monaten. Die Verletzungsrate ist zwischen den Spielklassen signifikant unterschiedlich (p=0,016). Die weiblichen Nachwuchsbasketball-Spielerinnen (WNBL) zeigen die höchste (1,30±1,73 Verletzungen) und die männlichen Nachwuchsbasketball-Spieler (NBBL) die geringste Inzidenz (0,58±0,80) pro 1000 Expositionsstunden. 43 Spieler/innen (~28%) geben an, ein Verletzungspräventionstraining mit einer Frequenz von ein- bis siebenmal wöchentlich und einer mittleren Dauer von 8,5±8 Minuten durchzuführen. Zudem berichten 26% das regelmäßige Tragen von Bandagen und 11% die Anwendung von Taping. Diskussion: Zusammenfassend zeigen die Ergebnisse, dass weibliche Nachwuchsathletinnen einem erhöhten Verletzungsrisiko unterliegen. Der geringe Anteil an Spielern, die regelmäßig Maßnahmen zur Prävention von Sprunggelenksverletzungen durchführen, unterstreicht die Notwendigkeit der gezielten Implementation effektiver Strategien in die Spiel- und Trainingspraxis.

Schlüsselwörter: Sprunggelenk, Verletzung, Prävention, Basketball, Bandagen

SUMMARY

Although adolescent athletes in game sports are at enhanced risk for ankle injuries, no data are available on the incidence and preventive strategies in youth basketball. The objective of this study was to determine the ankle sprain incidence as well as the standards of injury prevention measures in the highest German youth basketball divisions. 151 youth basketball athletes (age: 14-19 years, 60 female, 91 male) of 14 first division youth teams participated. In the retrospective study, standardized questionnaires were used to collect data of basketball exposure, ankle injury incidence, time loss and preventive measures (bandages, taping and exercise warm up programs). 38.4 percent (n=58) of all athletes had 70 ankle injuries in the previous twelve months. The injury rate was significantly (p=0.016) different between teams of different sex and age. Female athletes under age 17 showed the highest (1.30±1.73) and male athletes between age 17-19 the lowest ankle injury rate (0.58±0.80) per 1000 exposure hours. Regarding preventive measures, 43 athletes (~28%) reported to perform injury prevention warm up programs of 8.5±8 minutes duration between once and seven times per week. 26 percent regularly use bandages and 11 percent ankle taping. In conclusion, female athletes are at the highest ankle injury risk among all high-level youth basketball players. The low adherence to injury prevention measures emphasizes the need of systematical implementation of effective strategies in basketball competition and training.

Key Words: ankle sprain, injury, prevention, basketball, bandages

EINLEITUNG

Basketball ist eine der beliebtesten Spiel- und Teamsportarten in Deutschland. Rund 50% aller 2012 registrierten Mitglieder in deutschen Basketballvereinen sind unter 18 Jahre und somit im Rahmen des Kinder-, Jugend- und Nachwuchsbasketballs aktiv (6). Obwohl allgemeine Statistiken aufzeigen, dass vor allem jugendliche Teamsportler einem erhöhten Risiko für Verletzungen der unteren Extremität unterliegen (12), existieren bis heute keine Daten zur Inzidenz im deutschen Nachwuchsbasketball. Bisherige Angaben schwanken pro 1000 Expositionsstunden zwischen 9,8 Verletzungen im belgischen Profi-Basketball (4) und 1,94 Verletzungen im nordamerikanischen High School Basketball (3). Auf Basis prospektiver Studien zur Epidemiologie von Basketballverletzungen ist davon auszugehen, dass ein Großteil der Verletzungen während des Wettkampfs auftritt und weibliche Basketballspielerinnen häufiger betroffen sind als männliche Spieler.
Übereinstimmend wird berichtet (3,4,11), dass Sprunggelenksdistorsionen unabhängig des Alters, der Spielklasse und des Geschlechts die häufigste Diagnose von Verletzungen darstellen. Unter Berücksichtigung der in der Folge auftretenden Funktionseinschränkungen, Schmerzzustände, reduzierten Leistungsfähigkeit (20) und des Wiederverletzungsrisikos wurden in den vergangenen Jahren vermehrt Effekte von Präventionsstrategien überprüft (1,8,21,24,25). In diesem Zusammenhang konnten randomisierte, kontrollierte Studien aufzeigen, dass spezifische (neuromuskuläre) Trainingsprogramme sowie externe gelenkstabilisierende Maßnahmen (Orthesen, Bandagen, Taping) in einer deutlich geringeren Inzidenz von Sprunggelenksverletzungen im Basketball resultieren (13,15). Offen ist, ob und in welchem Umfang entsprechende Maßnahmen, trotz der nachgewiesenen Effektivität, in der Praxis des Basketballtrainings und während des Spiels umgesetzt werden.
Ziel der Studie war die Dokumentation der Epidemiologie von Verletzungen des Sprunggelenks und der in der Trainings- und Wettkampfpraxis eingesetzten Verletzungspräventionsmaßnahmen in den höchsten deutschen Jugend- und Nachwuchsbasketballligen (NBBL, WNBL und JBBL). Entsprechende Kenntnisse sollen eine erste Grundlage für die Bewertung des Verletzungsrisikos im Nachwuchsbasketball bilden und Aufschluss über die Notwendigkeit der Implementation von Präventionsmaßnahmen geben.

MATERIAL UND METHODE

Studiendesign und Kohorte
An der retrospektiven Fall-Kontroll-Studie nahmen Spieler/innen (14-18 Jahre) aus 14 Mannschaften der deutschen Nachwuchs Basketball Bundesliga teil. Die Spielklassen im Nachwuchsbasketball unterteilen sich in die Männliche Nachwuchs Basketball Bundesliga (NBBL, 16-18 Jahre), die Weibliche Nachwuchs Basketball Bundesliga (WNBL, unter 17 Jahre) und die Jugend Basketball Bundesliga ( JBBL, 14-16 Jahre). Im November 2012 wurden 170 standardisierte Fragebögen mit Angaben zum Studienzweck, zur anonymisierten Datenerfassung und zur Freiwilligkeit der Studienteilnahme versendet. Berücksichtigt wurden alle Sprunggelenksverletzungen und Präventionsstrategien über einen Zeitraum von zwölf Monaten. Die Fragebögen wurden an die Spieler ausgeteilt und mit Unterstützung der Trainer und Physiotherapeuten ausgefüllt.

Fragebogen
Inhalte des Fragebogens orientierten sich an den Standards zur Dokumentation von Verletzungsdaten (2). Die Fragebogenkategorien umfassten (a) demografische Angaben, (b) Basketball Expositionszeiten, (c) das Vorliegen einer oder mehrerer Sprunggelenksverletzungen mit ggf. Ausfallzeiten, Umständen, Zeitpunkt und Ursachen sowie (d) den Einsatz von Bandagen, Taping und Trainingsinterventionen mit dem Ziel der Verletzungsprävention.

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Expositionszeiten
Die Schätzung der Expositionszeiten erfolgte mit Hilfe der Angaben der Stunden, die ein Spieler pro Woche im Basketballtraining oder –wettkampf innerhalb des Erhebungszeitraums aktiv war. Dabei wurden Zeiten für absolvierte Basketballspiele getrennt von den Trainingszeiten erfasst und Fehlzeiten, Spielausfälle sowie Trainingspausen berücksichtigt.

Dokumentation der Sprunggelenksverletzungen
Dokumentiert wurde jede Verletzung, die während des Basketballspiels oder -trainings im Bereich des oberen Sprunggelenks auftrat und zu einem Spiel- und Trainingsausfall von mindestens einem Tag innerhalb der letzten zwölf Monate führte (2). Relevante Diagnosen waren: Fraktur, Luxation, Bandruptur, Verstauchung und Zerrung der Gelenke und Bänder, Kapsel-Band-Verletzung und Knorpelverletzung des oberen Sprunggelenkes. Mit Hilfe der Ausfalltage wurden die Verletzungen in drei Schweregradkategorien unterteilt: leichte Verletzungen (Ausfall < 7 Tage), moderate Verletzungen (Ausfall zwischen 7 und 28 Tagen) und schwere Verletzungen (Ausfall > 28 Tage).

Erfassung von Maßnahmen zur Verletzungsprävention
Weitere Fragen erfassten Anwendung, Regelmäßigkeit und Umfang folgender Präventionsmaßnahmen: Bandagen bzw. –orthesen am Sprunggelenk, Taping und Verletzungspräventionstraining. Die Maßnahmen wurden vor dem Hintergrund der aktuellen Evidenzlage (1, 21) als effektiv zur Vermeidung von Sprunggelenksverletzungen eingestuft und daher für die Fragebogenanalyse berücksichtigt. Bezüglich verletzungspräventiver Trainingsprogramme (z.B. Stabilisierungsübungen) wurden Dauer, Frequenz und Inhalte der Übungen dokumentiert.

Datenanalyse und Statistik
Die Berechnung der Expositionszeit erfolgte über die Summe der Trainingsstunden (abzüglich der Trainingsausfallzeiten) und der Stunden für Basketballspiele pro Jahr (Anzahl der Verletzungen/Expositionszeit × 1000) (10).

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Unterschiede zwischen den Spielklassen (WNBL, JBBL und NBBL) wurden mit Hilfe der einfaktoriellen Varianzanalyse bestimmt. Zur Identifikation möglicher Einflüsse durch das Geschlecht bzw. die Altersklasse wurden post hoc Gruppenvergleiche (Bonferroni korrigiert) durchgeführt. Die statistischen Effekte wurden durch die mittlere Differenz zwischen jeweils zwei Gruppen, dem 95% Konfidenzintervall und dem pWert angegeben. Das Signifikanzlevel wurde auf p=0,05 gesetzt. Die Anwendung präventiver Maßnahmen wurde mit Hilfe des Odds Ratio‘s (95% Konfidenzintervall) angegeben.

ERGEBNISSE

Die Rücklaufquote der versendeten Fragebögen lag bei 88%. Insgesamt wurden 151 Nachwuchsbasketballathleten (60 WNBL Spielerinnen, 53 JBBL und 38 NBBL Spieler) zwischen 14 und 18 Jahren für die Datenauswertung berücksichtigt. Zwischen den Spielklassen wurden signifikante (p<0,01) Unterschiede in den demografischen Variablen sowie der Anzahl der absolvierten Spiel- und Trainingsstunden beobachtet (Tab. 1).

Expositionszeiten
Die Spieler/innen der WNBL und JBBL absolvierten deutlich weniger Ligaspiele (34,6±10,2 bzw. 36,4±21,8) als die vergleichsweise älteren Spieler der männlichen NBBL (45,2±11,0). Zudem zeigten Spieler/innen der WNBL und JBBL signifikant geringere spiel- und trainingsbezogene Expositionszeiten als Spieler der NBBL (p<0.01).

Verletzungsrate
Bei 38,4% (n=58) der eingeschlossenen Spieler/innen traten in den vorangegangen zwölf Monaten insgesamt 70 Sprunggelenksverletzungen auf (Tab. 2). Das entsprach einer Verletzungsinzidenz von 0,91±1,38 Verletzungen pro 1000 Expositionsstunden. Für die Verletzungsinzidenz wurde auf Basis der ANOVA ein signifikanter Effekt für die Spielklassen festgestellt (p=0,016). Der höchste Anteil (43,3%) an verletzten Athleten bzw. die höchste Inzidenz (1,30±1,73 Verletzungen) wurden in der WNBL beobachtet, gefolgt von den jüngeren JBBL Athleten (0,71±1,16) und den älteren NBBL Athleten (0,58±0,80). Post hoc durchgeführte Gruppenvergleiche zeigten keinen signifikanten Effekt für das Geschlecht (WNBL vs. JBBL) bzw. das Alter ( JBBL vs. NBBL) (Tab. 2). Bezüglich des Schweregrades wurde von der überwiegenden Zahl der verletzten Athleten eine Ausfallzeit zwischen 7-28 Tagen berichtet.

Präventionsmaßnahmen
43 Spieler/innen (~28%) gaben an, in den letzten zwölf Monaten regelmäßig spezifische Trainingsinterventionen mit dem Ziel der Verletzungsprävention durchgeführt zu haben. Am höchsten war dabei der prozentuale Anteil bei den NBBL Spielern (~42%), am geringsten bei den WNBL (~22%) Spielerinnen. Das Verletzungspräventionstraining wurde im Schnitt mit einer Frequenz von 2,4±1,6 Einheiten pro Woche (Spannweite: 1-7 mal) und einer Dauer von 8,5±8 Minuten pro Trainingseinheit durchgeführt. 64% dieser Spieler/innen gaben an, das Präventionstraining selbstständig (ohne Anleitung) durchzuführen.
26% (N=40) bzw. 11% (N=16) der Spieler/innen berichteten, regelmäßig Bandagen bzw. Taping mit dem Ziel der Vermeidung von Verletzungen anzuwenden. Rund 80% der entsprechenden Athleten wiesen eine vorherige Sprunggelenksverletzung auf (Tab. 3).

DISKUSSION

Ziel der Studie war die Erfassung der Inzidenz von Sprunggelenksverletzungen sowie umgesetzter Präventionsmaßnahmen in den höchsten deutschen Nachwuchsbasketballligen. Insgesamt 38,4% der Nachwuchsspieler berichteten eine Verletzung des Sprunggelenks innerhalb eines Spiel- und Trainingszeitraums von zwölf Monaten. Die in der vorliegenden Studie berechnete Verletzungsrate von 0,91 pro 1000 Expositionsstunden ist etwas geringer als die in der Literatur berichteten Inzidenzen an Sprunggelenksverletzungen im internationalen Profi-Basketball (4). Eine direkte Vergleichbarkeit der Inzidenzen ist jedoch aufgrund der verschiedenen Alters- und Spielklassen sowie methodischer Unterschiede zwischen den Studien nur bedingt zulässig. Allerdings ist die in der vorliegenden Studie aufgezeigte Verletzungsrate von 1,30 pro 1000 Expositionsstunden unter den WNBL Spielerinnen nahezu identisch mit der Inzidenz bei weiblichen Basketballliga-Spielerinnen in der Studie von Kofotolis und Kellis (11). Daher kann spekuliert werden, dass das Verletzungsrisiko weiblicher Nachwuchsbasketball-Spielerinnen vergleichbar zum Verletzungsrisiko erwachsener Profi-Basketball-Spielerinnen ist.

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Die älteren Nachwuchsspieler zwischen 16 und 18 Jahren zeigten die geringste Verletzungsrate. Epidemiologische Studien der vergangenen Jahre (12, 23) berichten übereinstimmend, dass vor allem 10- bis 19-Jährige einem erhöhten Risiko für Verletzungen des Sprunggelenks unterliegen. Als eine mögliche Erklärung wird das vielfältige Engagement von Jugendlichen in verschiedenen Leistungs- und Freizeitsportarten und die damit verbundene Summierung von Risikosituationen diskutiert (23). Zudem wird vermutet, dass die noch nicht abgeschlossene motorische Entwicklung und eine reduzierte Leistungsfähigkeit das Risikopotential für Verletzungen in dieser Altersgruppe beeinflussen (17). So gilt als gesichert, dass Einschränkungen der sensomotorischen Kontrolle und insbesondere der Balance (14, 18, 22), propriozeptive Defizite und eine veränderte Gelenkbeweglichkeit (5, 16) in einer erhöhten Sprunggelenksverletzungsrate resultieren.
Strategien zur Verletzungsprävention verfolgen daher vor allem das Ziel der Verbesserung der sensomotorischen Kontrolle und Gelenkstabilität (7, 16, 25). Nachweislich effektiv sind in diesem Zusammenhang Bandagen, Orthesen, Taping und spezifische (sensomotorische) Trainingsinterventionen (1, 21, 25). Der größte Effekt zeichnet sich für regelmäßige Trainingsinterventionen ab. In der vorliegenden Studie wird aufgezeigt, dass weniger als ein Drittel aller eingeschlossenen Basketballspieler regelmäßig ein Verletzungspräventionstraining durchführen. Den höchsten Prozentsatz (42%) verzeichnen die NBBL Athleten, die gleichzeitig auch die geringste Verletzungsrate aufweisen. Ein möglicher kausaler Zusammenhang zwischen der regelmäßigen Durchführung von entsprechenden Trainingsprogrammen und der Verletzungsinzidenz in der vorliegenden Studie bleibt jedoch aufgrund des retrospektiven Studiendesigns unklar. Es gilt allerdings als wahrscheinlich, dass das Ausbleiben bzw. eine geringere Durchführungsfrequenz präventiver Trainingsinterventionen mit einer höheren Verletzungswahrscheinlichkeit einhergehen (9, 19).
Bandagen, Orthesen und Taping wurden in der vorliegenden Studie überwiegend von Athleten mit früherer Verletzung mit dem Ziel der Rezidivprophylaxe angewandt. Allerdings zeigt sich auch hier, dass trotz der nachgewiesenen Wirksamkeit nur ein Bruchteil der Athleten mit erhöhtem Risikopotential (nach Erstverletzung) entsprechende Präventionsmaßnahmen umsetzen. Insofern kann derzeit noch von einer eher unzureichenden und unsystematischen Anwendung verletzungspräventiver Maßnahmen im deutschen Nachwuchsbasketball ausgegangen werden. Erfolgsversprechende Implementierungsstrategien sind in diesem Zusammenhang die Durchführung von einmaligen Workshops (19) bzw. die gezielte Verbreitung von Informationsmaterialien unter Trainern und Physiotherapeuten (9).
Zusammenfassend kann auf Basis der Ergebnisse davon ausgegangen werden, dass das Risiko für Sprunggelenksverletzungen im deutschen Nachwuchsbasketball vergleichbar dem Risiko im erwachsenen Profi-Basketball ist. Die selektive und meist unsystematische Anwendung von Strategien zur Verletzungsprävention unterstreicht jedoch die Notwendigkeit von gezielten Schulungsprogrammen, in denen Inhalte und Durchführungsmodalitäten effektiver Präventionsmaßnahmen im Rahmen der Trainings- und Spielpraxis im Basketball vermittelt werden. Zudem sind prospektive Studien notwendig, die zum einen mögliche basketballspezifische Risikofaktoren für Umknicktraumata identifizieren und zum anderen den kausalen Zusammenhang zwischen der Anwendung von Präventionsmaßnahmen und der Verletzungsinzidenz klären.

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