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Ecdysteron – kommt es auf die WADA-Liste verbotener Substanzen?

Ecdysteron – kommt es  auf die WADA-Liste verbotener Substanzen?
Ecdysteron (20-Hydroxyecdyson) ist ein natürlich vorkommendes Steroidhormon und findet sich in Insekten und Pflanzen (z. B. im Spinat). © dusk / Adobe Stock

Bereits seit einigen Jahren steht das in Insekten und Pflanzen natürlicherweise vorkommende Steroidhormon Ecdysteron (20-Hydroxyecdyson) im Verdacht, anabol und leistungssteigernd zu wirken. Eine von der WADA in Auftrag gegebene Studie kommt nun auch in vivo beim Menschen zu dem Ergebnis, dass Ecdysteron das Muskelwachstum fördert und die Leistung beim Bankdrücken signifikant steigert (1).

Ecdysteron gehört zur Gruppe der Ecdysteroide, für die ursprünglich wichtige Funktionen bei Insekten gezeigt wurden: Es steuert über die Aktivierung intrazellulärer Ecdysonrezeptoren die Häutung, Metamorphose und Fortpflanzung. In Pflanzen (Spinat, weiße Champignons, Spargel, Quinoa) wird das Hormon zur Abwehr von Fressfeinden gebildet. Säugetiere verfügen über keinen äquivalenten Rezeptor zum Insekten-Protein. Daher wurde lange Zeit spekuliert, auf welche Weise Ecdysteron im Menschen überhaupt wirken könnte. Inzwischen gibt es eine Reihe von Hinweisen darauf, dass die Wirkungen beim Menschen über den Estrogenrezeptor-β vermittelt werden und nicht über den Androgenrezeptor (3).

Signifikante Leistungssteigerung und Muskelzuwachs

Die Studie hat die Teilnehmer (46 Männer mit Erfahrung in Krafttraining) in vier Gruppen eingeteilt. Eine Placebo-Gruppe (PL) erhielt täglich Kapseln mit einem Placebo, die erste Interventionsgruppe (Ec1) täglich zwei Kapseln eines Nahrungsergänzungsmittels, das Ecdysteron extrahiert aus Spinat enthielt. Eine zweite Interventionsgruppe (Ec2) erhielt täglich acht Kapseln des Nahrungsergänzungsmittels und eine Kontrollgruppe (CO) nahm täglich zwei Kapseln ein, jedoch ohne während der zehnwöchigen Studiendauer zu trainieren. PL, Ec1 und Ec2 trainierten jeweils dreimal pro Woche ein festgelegtes Übungsrepertoire.

Über die Studiendauer verbesserten alle drei Trainingsgruppen ihre Leistung deutlich. Signi­fikant waren die Ergebnisse jedoch nur beim Bankdrücken. Beide Ecdysteron-Gruppen schnitten im Vergleich mit der Placebo-Gruppe signifikant besser ab. Der größte Effekt zeigte sich beim Zuwachs an Muskelmasse. Während die PL-Teilnehmer sogar geringfügig an Muskelmasse verloren, legten die Ec1- und Ec2 Teilnehmer um durchschnittlich 1,58 kg bzw. 2,03 kg zu. Nebenwirkungen wurden keine beobachtet. (Weiter im Text auf der nächsten Seite)