DZSM-MITTEILUNG

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26.02.2020

Coronavirus: aktuelle Einschätzungen des DOSB zu Wettkämpfen und Trainingslagern in China – update

Die Einschätzungen des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) werden wöchentlich aktualisiert. Die Informationen stammen von Spitzenverbänden, Olympiastützpunkten und Landessportbünden. Beachten Sie bitte auch die Infographik des Robert-Koch-Instituts zu Maßnahmen im Verdachtsfall (siehe den Link im Text).

Coronavirus: aktuelle Einschätzungen des DOSB zu Wettkämpfen und Trainingslagern in China – update
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Beachten Sie bitte auch die Informationen des Auswärtigen Amtes (PDF)

Update 26. Februar 2020

Situationsbeschreibung

Die Situation bezüglich Coronavirus zeigt in China nur noch leicht ansteigende Zahlen, was sicherlich auch mit einer veränderten Zählweise in China zu tun haben kann. Die Ausbreitungsgebiete in China sind stabil und die Quarantänemaßnahmen auch. In der Zwischenzeit rücken aber neben China noch andere Länder in den Fokus. In folgenden Län- dern gibt es Situationen, in denen die Ausbreitung der Erkrankung nicht sicher unter Kontrolle ist, d.h., es gibt Übertragungen im Land in einem nennenswerten Bereich.

  • Südkorea mit insg. ca. 850 Fällen,
  • Italien mit insg. ca. 150 Fällen
  • Japan mit insg. 150 Fälle,
  • Singapur mit insg. ca. 90 Fällen
  • Iran mit insg. ca. 40 Fällen

Besonders besorgniserregend ist dabei die Situation in Südkorea und Italien. Diese Situationen können sich sehr schnell ändern, wie das aktuelle Beispiel in Italien zeigt. Dies hat auch erhebliche Auswirkungen auf den Sport. In Italien wurden unter anderem 4 Serie-A Spiele am vergangenen Wochenende ad hoc abgesagt.

Empfehlungen

Wie bereits in den Vorbewertungen dargestellt, raten wir weiterhin von Reisen nach China, unabhängig von der Region, definitiv ab. Aufgrund der Ausbreitung in anderen Ländern wäre auch von Reisen nach Südkorea abzuraten sowie den betroffenen Provinzen in Norditalien. Es gibt eine Reihe von Gründen, aktuell Wettkämpfe und Trainingslager in diesen Gebieten auszusetzen. Nicht nur wegen der gesundheitlichen Gefahren, die teilweise noch überschaubar zu sein scheinen, sondern vor allem auch wegen zahlreicher logistischer Probleme und völlig unklarer Rückreiseoptionen bzw.  Quarantänerisiken.

Hierzu einige Erklärungen:

Die chinesische und die italienische Regierung haben eingreifende Maßnahmen umgesetzt, die die Reisefreiheit der Bevölkerung (nicht nur der einheimischen) aufhebt. Es können je- derzeit weitere Gebiete mit Reiseeinschränkungen hinzukommen. Welche dies sein könnten, ist nicht absehbar. Hinzu kommt, dass zahllose Fluglinien ihre Verbindungen zumindest nach China eingestellt haben. Es ist durchaus möglich, dass eine Reise nach China noch organisiert werden könnte, die Ausreise hingegen aber blockiert wird, sei es durch Auflagen der chinesischen Regierung oder durch das schlichte Fehlen von Flugkapazitäten. Wie sich dies in den anderen Ländern entwickelt, ist unabsehbar.

Reisende aus China oder anderen Risikogebieten müssen damit rechnen, in den Zielländern in Quarantäne genommen zu werden. In der Presse wurde schon vor längerer Zeit berichtet, dass die chinesische Frauennationalmannschaft in Australien in Quarantäne genommen wurde. Mehrere Länder, darunter auch Deutschland, setzten ähnliche Maßnahmen für Menschen, die aus Risikogebieten in China zurückkehren, um. Auch dadurch ist mit erheblichen Einschränkungen der persönlichen Freiheit und damit auch der Trainingsmöglichkeiten im Bereich des Sports zu rechnen.

Vermehrt bekommen wir Anfragen, wie mit rückkehrenden Athlet*innen aus China bzw. Asien umzugehen ist. Hierzu hat das Robert-Koch-Institut (RKI) eine aktuelle Information für die Maßnahmen im Verdachtsfall veröffentlicht (Coronavirus: Massnahmen im Verdachtsfall – Infografik).

Aktuell sollte prinzipiell nur getestet werden, wenn Kontakt mit nachweislich Erkrankten plus Symptome (allg. Infektzeichen, insbesondere akute respiratorische Symptomatik) gegeben sind. Eine zweite zu berücksichtigende Konstellation sind Rückkehrende aus Risikogebieten, welche Symptome (allg. Infektzeichen, insbesondere akute respiratorische Symptomatik) aufweisen. Zu den expliziten Risikogebieten zählen aktuell die Provinz Hubei inkl. Wuhan und die Städte Wenzhoo, Hangzhou, Neningbo und Taizhou. Anders wird dies von der europäische Gesundheitsbehörde ECDC gesehen, die in der Zwischenzeit Gesamt-China zur Risikozone erklärt.

Für Organisationen, die Wettkämpfe ausrichten und Gäste aus Risikogebieten erwarten, empfehlen wir, frühzeitig mit dem zuständigen Gesundheitsamt Kontakt. Diese Kontaktaufnahme sollte im Vorfeld der Anreise der Teilnehmer geschehen. Zuständig ist das Gesundheitsamt des Landkreises, in dem die Veranstaltung stattfindet. Über diesen Link können Sie das zuständige Gesundheitsamt ermitteln. https://tools.rki.de/PLZTool/  Gegebenenfalls wird über das Gesundheitsamt eine Quarantänemaßnahme und/oder eine Testung veranlasst. Solchen Vorgaben ist dann verpflichtend Folge zu leisten.

Für Organisationen, die ihre eigenen Athlet*innen aus einem der oben genannten Risikogebieten zurück erwarten, empfehlen wir eine häusliche Quarantäne für 14 Tage. Dies er- scheint erforderlich, weil auch noch nicht symptomatische Patienten die Erreger hoch effektiv übertragen können. Die Übertragungsrate bei dieser Erkrankung scheint sehr hoch zu sein. Wenn solche Athlet*innen oder auch Athlet*innen, die aus angrenzenden Regionen kommen, auch nur unspezifisch (leichte Infektzeichen etc.) symptomatisch werden, ist eine umgehende Vorstellung bei einem Arzt mit infektiologischer Erfahrung unter Hinweis auf die Reiseanamnese angezeigt. Eine telefonische Kontaktaufnahme mit dem Arzt ist immer erforderlich, damit Schutzmaßahmen vor Betreten der Praxis ergriffen werden können.

Verschiedene Einrichtungen bieten zwar Tests auf den Erreger an, aber ein negativer Test ist kein Ausschluss einer Infektion. Dies liegt zum einen daran, dass nicht zu jedem Zeitpunkt nach Infektion der Erreger nachweisbar ist und zum anderen, dass Untersuchungsmaterial, welches bei Gesunden abgenommen werden kann (Nasen-Rachenabstriche), manchmal auch falsch negative Befunde liefert. Zuverlässigere Materialien können aber nur bei symptomatisch Erkrankten gewonnen werden. Daher verkürzt auch ein negativer Test die Quarantäne

Bis wann sich die Situation ändern wird, ist im Augenblick unklar. Wir werden weiterhin täglich die Situation analysieren und stehen diesbezüglich auch in engem Kontakt mit dem Robert-Koch-Institut. Sobald absehbar ist, dass bestimmte Gebiete sicher sind, wird dies über die Presse oder auch direkt durch uns kommuniziert. Bis dahin empfehlen wir, konsequent von jeglichen Reisen in Risikogebiete oder über Reiseknotenpunkte in Risikogebieten abzusehen.

DOSB-Logo

 

 

Prof. Dr. Bernd Wolfarth
Leitender Mannschaftsarzt des DOSB
Leiter Abtlg. für Sportmedizin
Charité Universitätsmedizin Berlin

Prof. Dr. Barbara Gärtner
Leiterin Krankenhaushygiene
Institut für Medizinische Mikrobiologie
Universitätsklinikum des Saarlandes