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Fortsetzung Diabetes Typ 1 und 2 – Zuckersüß und sportlich aktiv

Sport beim Typ-1-Diabetes

Nicht verhindern lässt sich dagegen die Entstehung der autoimmunologischen Störung Typ-1-Diabetes. Doch von sportlicher bzw. körperlicher Aktivität profitieren auch diese Betroffenen, z. B. in Hinsicht auf das kardiovaskuläre Risiko. Noch vor wenigen Jahrzehnten kam eine Typ-1-Diabetes-Diagnose quasi einem Sportverbot gleich. Inzwischen wird Betroffenen nicht nur empfohlen, sich regelmäßig und mäßig zu bewegen; sogar im Spitzen- und Leistungssport gibt es eine Reihe an Typ-1-Diabetikern. Da die Therapie bei Typ-1-Sportlern jedoch sehr individuell gestaltet sein muss und kein Diabetiker in seiner Reaktion auf das lebenswichtige Insulin dem anderen gleicht, gibt es noch immer relativ wenige Ärzte, die sich intensiv mit der Thematik befassen.

Simon Strobel, Arzt und ehemaliger Profiradfahrer, kennt das aus Erfahrung. Zwei Jahre fuhr er für das Profi-Radteam Novo Nordisk, das aus 18 Diabetikern besteht: »Jeder im Team hat auf Belastung und Insulin etwas anders reagiert und musste seinen individuellen Weg finden. Daher ist eine individuelle Betreuung bei Sportlern, auch Freizeitsportlern, sehr wichtig.« Um die eigenen Erfahrungen an andere weiterzugeben, ist Simon Strobel Mitglied der »Special Ones«, einer Gruppe von Leistungssport treibenden Typ-1-Diabetikern. »Wir wollen betroffenen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zeigen, dass man mit Diabetes sehr viele Ziele erreichen kann und nur in wenigen Randbereichen zurückstecken muss«, erklärt Strobel. Auch die internationale Vereinigung diabetischer Sportler bietet umfangreiche Informationen für Betroffene.

Bild Simon Strobel
Dr. med. Simon Strobel, Arzt und ehemaliger Radprofi ©Strobel

Individuelle Therapie – das A und O

Heutzutage können die Sportler auf Methoden der kontinuierlichen Blutzuckermessung und (daran gekoppelte) Insulinpumpen (Closed-Loop-Insulinpumpensysteme) zurückgreifen und umfangreiche Auswertungen über Apps vornehmen, wodurch die Diabeteseinstellung in den meisten Fällen erleichtert und verbessert wird. Dennoch ist das Risiko einer Hypoglykämie – und in geringerem Maße der Hyperglykämie, vor allem durch Wettkampf-Stress oder Aufregung – ständiger Begleiter. Die muskulären Anforderungen bei verschiedenen Sportarten unterscheiden sich zum Teil erheblich in ihren Effekten auf Insulinwirkung und Glukoseaufnahme – und damit wiederum auf die benötigte Insulinmenge. 60 Prozent der Typ-1-Diabetiker sind aus Angst vor einer Hypoglykämie sportlich inaktiv – »Special Ones« wie Simon Strobel zeigen hingegen, was alles möglich ist.