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Die Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin behandelt die klinische Praxis und deren angrenzende Felder im Sinne translationaler Forschung, die den Einfluss von körperlicher Aktivität, Bewegung, Training und Sport sowie Bewegungsmangel von gesunden Personen und Patienten aller Altersgruppen erforscht. Dies umfasst die Auswirkungen von Prävention, Diagnose, Therapie, Rehabilitation und körperlichem Training sowie das gesamte Feld der Sportmedizin und sportwissenschaftliche, physiologische und biomechanische Forschung.

Die Zeitschrift ist die führende und meistgelesene deutsche Zeitschrift für die gesamte Sportmedizin. Sie richtet sich an alle Ärzte, Physiologen und sportmedizinisch/sportwissenschaftlich interessierte Wissenschaftler aller Disziplinen sowie an Physiotherapeuten, Trainer, Praktiker und Sportler. Die Zeitschrift ermöglicht allen Wissenschaftlern online Open Access zu allen wissenschaftlichen Inhalten und viele Kommunikationsmöglichkeiten.

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Prof. Dr. med. habil. Dr. h. c. Kurt Tittel *19.07.1920 †20.08.2016

Einer der bedeutendsten Sportärzte des 20. Jahrhunderts ist von uns gegangen – Univ-Prof. Dr. med. Dr. h.c. Kurt Tittel aus Leipzig ist am 20.08.2016 verschieden. Am 19. Juli 1920 in Lübeck geboren, erreichte er mit 96 Jahren ein hohes Alter. 18 Jahre lang diente er der Sportmedizin in der DDR als ihr Präsident. Sportärztlich betreute er 22 Jahre lang die Nationalmannschaft im Handball, insbesondere die Mannschaft der deutschen Hochschule für Körperkultur in Leipzig, die vielfacher Landesmeister und auch Europa-Kapp-Gewinner wurde. Bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko-City und 1972 in München fungierte er als ärztlicher Betreuer des DDR-Aufgebots.

Sein ärztlicher Lebenslauf wurde durch das Fach Anatomie geprägt. Von 1939 bis 1945 studierte er in Leipzig Medizin. Schon früh wurde er am Anatomischen Institut der Universität Halle tätig. Er habilitierte sich 1963 mit dem Thema „funktionelle Anatomie und Biotypologie des Sportlers“. Schon 1950 wurde er mit Lehraufgaben an der Deutschen Hochschule für Körperkultur in Leipzig beauftragt. Hier erhielt er den Lehrstuhl für funktionelle Anatomie und wurde in der Folgezeit Dekan der Fakultät für Naturwissenschaften und Sportmedizin der BHfK. Zusätzlich übernahm er 1985 den Lehrstuhl für Sportmedizin an der Akademie für Ärztliche Fortbildung der DDR in Berlin-Lichtenberg. Auch nach seiner Emeritierung 1985 nahm Tittel weitere Leitungsfunktionen in verschiedenen medizinischen Bereichen war.

Die Strukturen der Sportmedizin in der DDR konnte Tittel maßgeblich gestalten. 1953 war er Gründungsmitglied der Arbeitsgemeinschaft für Sportmedizin. Ihr stand er von 1972 bis 1990 als Präsident vor. Seit 1966 betätigte sich Kurt Tittel als Delegierter der DDR im Weltverband für Sportmedizin (FIMS) und war in der Folgezeit Leiter von deren Wissenschaftskommission.

Über 500 Publikationen gehen auf Kurt Tittel zurück. Hinzu kommen mehrere Lehrbücher und 18 Lehrbuchbeiträge. 1957 erschien erstmals ein Standardwerk „Beschreibende und Funktionelle Anatomie des Menschen“. Dieses Werk erreichte bis 2003 vierzehn deutsche Auflagen, dazu italienische, griechische, japanische und brasilianische Übersetzungen. In der von ihm 1961 herausgegebenen Sportmedizinischen Schriftenreihe der Deutschen Hochschule für Körperkultur erschienen bis 1994 insgesamt 29 Bände, davon mehrere in Zweitauflage. Tittel war auch Mitherausgeber des „Olympic book Sportsmedicine“ und Koordinator für die weiteren Bände der Enzyclopedia of Sports Medicine.

Als am 9. November 1989 die Mauer fiel, wandte sich der Autor dieser Zeilen an Kurt Tittel in seiner Eigenschaft als Präsident der Sportmedizin der DDR und lud ihn noch für denselben Monat nach Köln ein. Dort war man sich einig: es musste zu einer Wiedervereinigung der beiden Deutschen Sportarztverbände kommen. Hierzu eingeleitete Maßnahmen stießen auf teilweise heftige Kritik in beiden Teilen Deutschlands. Ungeachtet dessen konnte bereits am 3. Oktober 1990 die Wiedervereinigung faktisch vollzogen werden. In Februar 1991 folgte die de jure-Wiedervereinigung. Die Sportmedizinischen Verbände der DDR traten in die Regelungen der Bundesländer in der Bundesrepublik Deutschland ein. Ohne das Verständnis und die aktive Mitarbeit von Kurt Tittel wäre dieser schnellste Zusammenschluss aller Ost- und Westdeutschen Arztverbände nicht möglich gewesen.

Viele Ehrungen und Auszeichnungen wurden Kurt Tittel zu teil. Die DDR ehrte ihn mit dem Nationalpreis der DDR für Wissenschaft und Technik 1972, ferner mit der Verdienstmedaille der DDR und dem Guts-Muths-Preis. Ferner erhielt er die Huflandmedaille in Gold. Die Deutsche Hochschule für Körperkultur ernannte ihn 1985 zum Ehrensenator. Die Universität Leipzig verlieh ihm 1996 das Ehrendoktorat. Viele Ehrenmitgliedschaften auf nationaler und internationaler Basis wurden Tittel zuteil. Der Weltverband für Sportmedizin ehrte ihn 2002 mit ihrer Goldmedaille und ernannte ihn zum FIMS-Fellow.

Viele gemeinsame Erlebnisse auf internationaler Ebene verbanden den Autor dieser Zeilen mit Kurt Tittel. Sie sollen in einem späteren Nachruf veröffentlicht werden.

Der Deutsche Sportärztebund verneigt sich vor den Leistungen dieses Mannes und wird seine Erinnerung hochhalten.

 

Wildor Hollmann, Köln

 
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