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Die Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin behandelt die klinische Praxis und deren angrenzende Felder im Sinne translationaler Forschung, die den Einfluss von körperlicher Aktivität, Bewegung, Training und Sport sowie Bewegungsmangel von gesunden Personen und Patienten aller Altersgruppen erforscht. Dies umfasst die Auswirkungen von Prävention, Diagnose, Therapie, Rehabilitation und körperlichem Training sowie das gesamte Feld der Sportmedizin und sportwissenschaftliche, physiologische und biomechanische Forschung.

Die Zeitschrift ist die führende und meistgelesene deutsche Zeitschrift für die gesamte Sportmedizin. Sie richtet sich an alle Ärzte, Physiologen und sportmedizinisch/sportwissenschaftlich interessierte Wissenschaftler aller Disziplinen sowie an Physiotherapeuten, Trainer, Praktiker und Sportler. Die Zeitschrift ermöglicht allen Wissenschaftlern online Open Access zu allen wissenschaftlichen Inhalten und viele Kommunikationsmöglichkeiten.

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Nachruf für Prof. Dr. Bodo-Knut Jüngst 26.01.1935 - 06.08.2017

 

Prof. Bodo-Knut Jüngst (2. v. l.) ist am 6.8.2017 im 82. Lebensjahr nach langer, immer beschwerlicher werdenden Krankheit gestorben. Geboren in Waiblingen, zogen seine Eltern mit ihm zuerst nach Sachsen und dann nach Schmalkalden (Thüringen), wo er 1953 das Abitur bestand. Danach begann er sein Medizinstudium in Jena (bis 1955), das er 1959 in Heidelberg auch mit der Promotion abschloss. Nach seiner Flucht aus der ehemaligen sowjetischen Besatzungszone fand er in der Heidelberger Landsmannschaft Zaringia eine neue Heimat, der er bis zum Ende seine Treue hielt.

1966 heiratete er die Kinderärztin Dr. Ute Gieg. Sie und die Tochter Heike waren ihm eine tragende Stütze in schweren Zeiten seiner Krankheit.

1962 kam er an die Mainzer Universitäts-Kinderklinik. 1963 erlebte er als Stationsarzt den z. T. jahrelangen Einsatz der „Eisernen Lunge“ bei Kindern mit Atmungslähmung nach Poliomyelitis, an die sich wohl nur noch ältere Leser erinnern können.1964 war er maßgeblich an der Einweihung des neuen Gebäudes für den Klinikkindergarten beteiligt. 1965 wurde eine Aufnahmestation für schwerkranke Kinder eingerichtet, die erste dieser Art in Deutschland. Ab 1967 arbeitete er dort als Stationsarzt und so war er am Ausbau dieser Station zur Interdisziplinären Kinderintensivstation maßgeblich beteiligt. Zu Recht konnte er seine Mitarbeiter mit dem Motto beflügeln: Von hier ging eine neue Epoche der Medizingeschichte aus und Ihr könnt sagen, Ihr seid dabei gewesen.

Prof. Jüngst habilitierte sich 1971 mit einer Arbeit zum Thema Untersuchungen über die Beurteilung der Hautdurchblutung durch zentrale und periphere Temperaturmessungen. Schon 1972 wurde er Oberarzt der Klinik und apl. Professor.

Mit vielfältigen Aktivitäten war er an dieser Klink sehr erfolgreich und bei den Mitarbeitern außerordentlich beliebt. 19 Jahre nach seiner Pensionierung gedachten diese seiner mit einer denkwürdigen Traueranzeige, in der es u.a. heißt: „Sein Herz gehörte gleichermaßen unseren Patienten und deren Familien wie auch allen Mitarbeiterinnen der Kinderklinik. Als umfassend gebildeter Kinderarzt war er geachteter Lehrer und Vorbild, fürsorglicher Vorgesetzter und väterlicher Freund, Gewissen und moralische Instanz und für uns alle ein besonderer Mensch“.

Seine Ambitionen führten ihn zu einem neuen Schwerpunkt, der Kinderkardiologie und darüber zur Sportmedizin mit zahlreichen Aktivitäten, u.a. am Mainzer Sportinstitut: Ab 1974 war er am Aufbau des Schwerpunktfaches Behindertensport als medizinischer Ratgeber und für 15 Jahre als akademischer Lehrer unbesoldet hilfreich tätig. 1976 bekam er einen Lehrauftrag für Sportmedizin; ab 1979 hielt er in jedem Sommersemester eine Vorlesung über das gesunde und das kranke Kind. Hinzu kamen eine Vakanzvertretung in der Abteilung Sportmedizin sowie die Betreuung sportwissenschaftlicher Abschlussarbeiten und medizinischer Dissertationen.

Im Landesverband Rheinland-Pfalz der DGSP war er von 1985 – 2000 im erweiterten Vorstand für das Referat Jugendsport zuständig. Unterstützt von Frau und Tochter organisierte er 2002 die Feier dieser Sektion zum 50. Jubiläum in Mainz. Anlässlich dieser 100. Sektionssitzung wurde ihm die Ehrenmitgliedschaft auf Lebenszeit verliehen. Zusammen mit Prof. T. Lücking initiierte er 1994 die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendsport in der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde und wurde zu deren erstem Sprecher gewählt. Daraus entstand dann im Jahre 2000 die Gesellschaft für pädiatrische Sportmedizin.

Weiterhin engagierte er sich im LSB Rheinland-Pfalz 1979 als Gründungsmitglied des Landesausschusses Sportwissenschaft und im 1999 gegründeten Kuratorium Sportwissenschaft sowie der Landessportkonferenz Rheinland-Pfalz, organisierte Veranstaltungen der Akademie für ärztliche Weiterbildung zusammen mit dem Landessportbund RLP und erarbeitete Vorlagen für Beratungen mit Ministerien im Schulsportbereich.

Seine Verdienste für den Sport in Rheinland-Pfalz wurden 1998 mit der LSB-Ehrenplakette in Gold gewürdigt. Der damalige Fachbereich Sport der Johannes-Gutenberg-Universität ernannte ihn wegen seiner sportmedizinischen Verdienste 2003 mit der sehr seltenen Auszeichnung zum Dr. Sportwiss. ehrenhalber. Ein Foto von dieser Veranstaltung zeigt, wie sehr er sich, der sich schon auf Gehhilfen stützen musste, über diese hochverdiente Auszeichnung gefreut hatte.

Prof. B.-K. Jüngst hat Großes geleistet, in der Pädiatrie und in der Sportmedizin, was lange in Erinnerung bleiben wird.

H.-V. Ulmer, Mainz

 

Das Bild zeigt Prof. B.-K. Jüngst anlässlich der Ehrenpromotion zum Dr. Sportwiss. ehrenhalber am 5.12.2003. Foto: Harald Petry, LSB RLP

 

Literatur:

  1. Ferrari, R.: Persönliche Mitteilung vom 30.9.2017
  2. Jüngst, B-K.: 50 Jahre Kinderintensivstation Mainz https://www.unimedizin-mainz.de/kinderklinik/kinderintensivstation/historie/50-jahre-kinderintensivstation.html (Abfrage 26.9.2017)
  3. Jüngst, B.-K. u. Jüngst-Gieg, U.: Erlebte Geschichte(n) um die Universitäts-Kinderklinik Mainz. Festschrift anlässlich des 75jähringen Jubiläums der Mainzer Kinderklinik, Mainz, im Eigenverlag, 2015
  4. Jüngst, H.: Persönliche Mitteilungen
  5. Müller, N.: Laudatio anl. der Ehrenpromotion zum Dr. Sportwiss. h.c. von Prof. Dr.med. B.-K. Jüngst am 5.12.2003: http://www.uni-mainz.de/FB/Sport/alumni/LaudatioJUENGST03.htm (Abfrage 26.9.2017)
  6. Müller, N.: Prof. Bodo-Knut Jüngst 75 Jahre alt. SportInform, H. 2, 2010, S. 25
  7. Rhein-Main-Presse: Trauerportal – Todesanzeige für Prof. B.-K. Jüngst https://trauer.rhein-main-presse.de/traueranzeige/bodo-knut-juengst-9999 (Abfrage 26.9.2017)
  8. Sterzenbach, R.: Grußwort des LSB-Präsident Sterzenbach anlässlich der Ehrenpromotion. Archiv LSB
  9. Universitätsarchiv: Schreiben von Eißler, K., Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität vom 22.9.2017, 2:18 PM
  10. Wikipedia: Bodo-Knut Jüngst: https://de.wikipedia.org/wiki/Bodo-Knut_J%C3%BCngst (Stand 12.8.2017)
 
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