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The German Journal of Sports Medicine is directed to translational science and clinical practice of Sports Medicine and its adjacent fields, which investigate the influence of physical activity, exercise, training and sports, as well as a lack of exercise affecting healthy people and patients of all age-groups. It addresses implications for prevention, diagnosis, therapy, rehabilitation and physical training as well as the entire Sports Medicine and research in sports science, physiology and biomechanics.

The Journal is the leading and most widely read German journal in the field of Sports Medicine. Readers are physicians, physiologists and sports scientists as well as physiotherapists, coaches, sport managers, and athletes. The journal offers to the scientific community online open access to its scientific content and online communication platform.

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Gesundheit und Bewegung
LESERBRIEF

Leserbrief „Monitoring des Flüssigkeitshaushalts im Sport“

Letter to the Editor "Monitoring of Fluid Balance in Sports"

An die Schriftleitung,

ich habe mit großem Interesse den Standard der Sportmedizin: Monitoring des Flüssigkeits­haushaltes im Sport in der Deutschen Zeitschrift für Sportmedizin gelesen. Es ist wichtig, ein so komplexes und wichtiges Thema aufgearbeitet zu haben.
Leider vermisste ich eine differenzierte Dar­stellung über ¨drink to thirst, ad libitum drinking, overhydration und exercise associated hyponatrae­mia (EAH)¨, welches meines Erachtens in einem aktuellen Standard der Sportmedizin diskutiert werden sollte. Vor allem auch dem Anspruch auf praxisrelevante, kostengünstige und in Feldsitua­tionen einfache zu benutzende Methodik, gerecht zu werden. Ad libitum Trinken ist hierzu ideal ge­eignet und Evidenzbasiert.
Auch eine pauschale Aussage, dass Flüssigkeits­mangel häufig durch unfreiwillige Dehydratation aufgrund von verspätetem Durstempfinden ent­steht, ist meines Erachtens auf Grund neuster Evi­denz zweifelhaft und verleitet zu Hyperhydratation mit allen ihren gesundheitlichen Schäden. Es ist be­kannt, dass eine korrekte Flüssigkeit und Nahrungs­aufnahme für das erfolgreiche Absolvieren, speziell von Ausdauerleistungen, unabdingbar ist (4).
Der Artikel beschreibt, dass Hypohydratation mit verminderter Leistungsfähigkeit assoziiert ist, vor allem im Ausdauerbereich. Flüssigkeitsverluste ≥ 2% werden regelmäßig bei gut trainierten Sport­lern beobachtet und gehen gewöhnlicherweise nicht mit einer verminderten Leistungsfähigkeit einher (1, 6). Selbst Flüssigkeitsverluste bis zu 8% bei schnelleren Ultramarathonläufern gehen nicht mit einer signifikanten Symptomatik einher, des­halb wird davon ausgegangen, dass Flüssigkeits­verluste von ein paar Prozent kein Anlass zur Be­unruhigung sind (3, 4, 10).
Vielmehr sollte auf die Gefahr der Hyperhy­dratation und exercise associated hyponatrae­mia (EAH) aufmerksam gemacht werden, speziell bei Ausdauersportlern. Aufgrund der über Jahre hinweg propagierten Gefahr von Dehydratation besteht vor allem in Läuferkreisen das Dogma, während des Training oder Wettkampfes so viel wie möglich zu trinken (am besten mit Sodium Supplementation) nach einem starren Flüssig­keitsschema, um die negativen Auswirkung der Dehydratation zu vermeiden. Dies mag partiell mit der starken Lobby der Sportdrink­Industrie und ag­gressiven Marketing zusammenhängen (7, 9, 11).
Allerdings wissen wir heute, dass dieses Trink­verhalten die Gefahr der Hyperhydratation fördert und ein wichtiger Faktor in der Entstehung einerexercise associated hyponatraemia (EAH) ist. EAH ist definiert als eine Blutserumkonzentration von < 135 mEq/L während oder bis zu 24 h nach Ausdau­erbelastungen. Es ist eine Dilutionshyponatriämie und stellt ein lebensbedrohliches Krankheitsbild dar. Anfänglich sind Symptome recht unspezifisch mit Gewichtszunahme, Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, und bei weiterem Fortschreiten werden Symptome wie Benommenheit, respirato­rischem Distress, zerebrale und pulmonale Ödeme und Krampfanfälle beobachtet, die bis zum Tode führen können (2, 5, 7, 9, 11).
Die Inzidenz von EAH bei einer 161 km Ultrama­rathon­Veranstaltung ist mit bis zu 51% beziffert worden (3, 4) und bei einem 5­tägigen Ultramara­thon in Spanien (Al Andalus Ultmate Trail) bis zu 42% (1). Glücklicherweise sind die meisten Fälle von EAH asymptomatisch, allerdings sind mehrere To­desfälle in der Literatur beschrieben (1, 6, 7, 8, 9, 12). Ad libitum Trinken (drink to thirst­Trinken nach Durstgefühl) reduziert die Inzidenz von EAH und wird daher empfohlen (2, 4, 7, 9, 11).
Des Weiteren empfiehlt eine Expertengruppe in einer kürzlich erschienen Consensus Guideline, dass ad libitum­Trinken. Es wird geraten, dass Läu­fer bei Ausdauerveranstaltungen nicht mehr aufge­fordert werden sollten, nach starren Trinkschemata oder ohne Durstgefühl Flüssigkeit aufzunehmen, sondern vielmehr nach Durst zu trinken (drink to thirst) (4).
Dies ist eine einfache, praxisrelevante und kos­tengünstige Methode um sicherzustellen, dass ein adäquater Flüssigkeitshaushalt aufrechterhalten wird. Um den Ansprüchen eines aktuellen, evi­denzbasierten Standards der Sportmedizin gerecht zu werden, würde ich mir wünschen, dass diese Kenntnisse dort reflektiert sein sollten.

LITERATUR

  1. : Water and sodium intake habits and status of ultra-endurance runners during a multi-stage ultra-marathon conducted in a hot ambient environment: an observational field based study. Nutrition Journal 2013, 12:13
    doi:10.1186/1475-2891-12-13
  2. : Statement of the second international exercise-associated hyponatremia consensus development conference, New Zealand, 2007. Clin J Sport Med. 2008; 18: 111-121.
    doi:10.1097/JSM.0b013e318168ff31
  3. HOFFMAN MD, HEW-BUTLER T, STUEMPFLE KJ.: Exercise-associated hyponatremia and hydration status in 161-km ultramarathons. Med Sci Sports Exerc. 2013; 45: 784-791.
    doi:10.1249/MSS.0b013e31827985a8
  4. : Medical services at ultra-endurance foot races in remote environments: medical issues and consensus guidelines. Sports Med. 2014; 44: 1055-1069.
    doi:10.1007/s40279-014-0189-3
  5. : Prevalence of exercise-associated hyponatremia in male ultraendurance athletes. Clin J Sport Med. 2011; 21: 226-232.
    doi:10.1097/JSM.0b013e31820cb021
  6. NOAKES TD.: Drinking guidelines for exercise: what evidence is there that athletes should drink “as much as tolerable”, “to replace the weight lost during exercise” or “ad libitum”? J Sports Sci. 2007; 25: 781-796. doi:10.1080/02640410600875036
    doi:10.1080/02640410600875036
  7. : Water intoxication: a possible complication during endurance exercise. Med Sci Sports Exerc. 1985; 17: 370-375.
    doi:10.1249/00005768-198506000-00012
  8. : Waterlogged: the serious problem of overhydration in endurance sports. Champaign: Human Kinetics; 2012.
  9. : The dipsomania of great distance: water intoxication in an Ironman triathlete. Br J Sports Med. 2004; 38: e16.
    doi:10.1136/bjsm.2002.004614
  10. : Three independent biological mechanisms cause exercise-associated hyponatremia: evidence from 2,135 weighed competitive athletic performances. Proc Natl Acad Sci USA. 2005; 102: 18550-18555.
    doi:10.1073/pnas.0509096102
  11. : Endurance & Adventure Sports Injuries: Ultra-Marathon Running Injuries. In: Doral M., Karlsson J. (Ed.) Sports Injuries: Prevention, Diagnosis, Treatment and Rehabilitation: SpringerReference. Springer-Verlag Berlin Heidelberg, 2013.
  12. TREFF G, STEINACKER JM.: Monitoring des Flüssigkeitshaushalts im Sport. Dtsch Z Sportmed. 2014; 65: 342-346.
    doi:10.5960/dzsm.2014.155
Dr. med. Bernd Volker Scheer
Kastanienweg 27/1
73732 Esslingen
volkerscheer@yahoo.com
 
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