DZSM

Listed in:

  • Research Alert
  • Focus On: Sports Science & Medicine
  • SciVerse Scopus
  • CrossRef
  • EBSCO SPORTDiscus
  • Google Scholar
  • Chemical Abstracts Service

The German Journal of Sports Medicine is directed to translational science and clinical practice of Sports Medicine and its adjacent fields, which investigate the influence of physical activity, exercise, training and sports, as well as a lack of exercise affecting healthy people and patients of all age-groups. It addresses implications for prevention, diagnosis, therapy, rehabilitation and physical training as well as the entire Sports Medicine and research in sports science, physiology and biomechanics.

The Journal is the leading and most widely read German journal in the field of Sports Medicine. Readers are physicians, physiologists and sports scientists as well as physiotherapists, coaches, sport managers, and athletes. The journal offers to the scientific community online open access to its scientific content and online communication platform.

. .


Orthopädie und Sport
EDITORIAL

Vor 20 Jahren – erste gemeinsame Tagung von FIMS und WHO

20 Years Ago – First Common Meeting of FIMS and WHO

Univ.-Prof. mult. Dr. med. Dr. h. c.  mult. Wildor HollmannDas Arrangement war nicht leicht gewesen, und der Zufall stand Pate. Auf dem Flug zu einem Festvortrag anlässlich der Einweihung des ersten WHO-Zentrums für Präventivmedizin in Tokio saß im Flugzeug neben mir der Präsident der WHO, Prof. Dr. Nakajima.
Schon früher einmal hatte ich ihn um eine WHO-Erklärung gebeten zur präventivmedizinischen Bedeutung von körperlicher Aktivität – er hatte abgelehnt. Nun hatten wir 12 Stunden Flugzeit zur Diskussion. Nakajima erklärte, die WHO würde grundsätzlich nicht den Zwecken einer einzelnen Organisation dienen. Ich hielt aber zäh an meinem Thema fest und verwies vor allem darauf, dass es sich bei der genannten Wunschvorstellung nicht um die Repräsentation einer Organisation handeln würde, sondern um eine die Medizin und die gesamte Menschheit verbindende Vorstellung über zukünftige Möglichkeiten der Gesundheitserhaltung und Leistungsförderung. Endlich, kurz vor der Landung in Tokio, gab Nakajima seine Zustimmung. Ich nutzte die Gunst der Stunde und informierte den ebenfalls in Tokio anwesenden Direktor der WHO Dr. Gyárfás über die Zustimmung seines Präsidenten.
Das Exekutivkomitee der FIMS konnte ich leicht für den Gedanken einer gemeinsamen Tagung von WHO und FIMS gewinnen. Als Ort wurde Köln festgelegt, als Datum der 07.–10. April 1994. Im „Hyatt“-Hotel in Köln beteiligten sich an der Veranstaltung weltführende Spezialisten aus 31 Nationen und allen fünf Kontinenten mit Vorträgen und Diskussionen. Zum Abschluss der Veranstaltung wurde eine WHO/FIMS-Resolution einstimmig gebilligt, verbunden mit der Auflage, sie in sieben Sprachen zu übersetzen und allen Ländern der UNESCO zuzusenden. Der Text der Resolution lautete:
„WHO und FIMS stellen fest, dass eine ungeheure Verschwendung menschlichen Potentials als Folge von Bewegungsmangel zu beobachten ist. Sie richten deshalb diese Resolution als Aktionsaufruf an alle Regierungen der Erde, um die Voraussetzungen zu vergrößerter körperlicher Aktivität zu schaffen und die Durchführung zu unterstützen.
Körperliche Inaktivität dürfte etwa die Hälfte der heutigen Weltbevölkerung betreffen. Vor allem in Kindheit und Jugend nimmt der Bewegungsmangel zu. Damit stellt körperliche Inaktivität einen jener Risikofaktoren dar, der mit am häufigsten einen vorzeitigen Tod begünstigt. Die Todesfälle in Verbindung mit Bewegungsmangel sind nach international identischer Auffassung etwa in der gleichen Größenordnung zu sehen wie jene, die durch Zigarettenrauchen verursacht sind. Körperlich inaktive Personen erleiden doppelt so häufig zum Beispiel einen Herzinfarkt wie vergleichbare Personen mit einem aktiven Lebensstil.
Tägliche körperliche Aktivität sollte deshalb als ein zentraler Faktor eines gesunden Lebensstils angesehen werden. Jedes Kind und jeder Jugendliche in der Welt sollte die Gelegenheit haben zur Teilnahme am täglichen Spiel oder organisierten Sportprogrammen, um daraus eine lebenslange Gewohnheit zu entwickeln.
Alle Erwachsenen sollten sich an einen körperlich aktiven Lebensstil gewöhnen und wenigstens 30 Minuten täglich, mindestens drei Mal wöchentlich eine mäßige körperliche Belastung auf sich nehmen, zum Beispiel in Form von schnellem Gehen, Wandern, Joggen oder Treppensteigen. Werden anstrengendere Aktivitäten ausgeführt, beispielsweise mittels Dauerlauf, Radfahren und Schwimmen können daraus zusätzliche gesundheitliche Vorteile beim organisch gesunden Menschen resultieren.
Um die persönliche Autonomie zu wahren und überflüssige Begrenzungen der körperlichen Leistungsfähigkeit vor allem älterer Personen zu vermeiden, ist gerade in diesem Alter ein aktiver Lebensstil von besonders großer Bedeutung.
Frauen benötigen insbesondere die Schaffung von Möglichkeiten, um sich ebenfalls an körperlichen Trainingsprogrammen beteiligen zu können.
Besondere Aufmerksamkeit sollte behinderten Personen und solchen mit chronischen Erkrankungen gewidmet werden, deren körperliche Aktivität in individuell angemessener Weise unterstützt werden sollte. Obwohl die Verantwortung für einen aktiven Lebensstil letztlich bei der einzelnen Person liegt, ist eine offizielle Unterstützung seitens der Regierungen notwendig, um eine solche soziale und humane Umgebung zu schaffen, die der Gewöhnung und Beibehaltung des körperlich aktiven Lebensstils auf breiter Basis dienlich ist.
Die Förderung körperlicher Aktivität sollte Teil des öffentlichen Gesundheitswesens sein. Das erfordert:

  • Eine Mobilisierung aller Möglichkeiten zur besseren Ausbildung sowie Weiter- und Fortbildung, insbesondere von Ärzten, Lehrern und in Heilberufen tätigen Personen;
  • Die Schaffung der entsprechenden Voraussetzungen;
  • Die Schaffung verbesserter Querverbindungen zwischen verschiedenen Berufen und Tätigkeiten zur Erreichung des genannten Ziels.

Auch die nicht staatlichen Organisationen und das Gesundheitssystem eines Landes sollten die Möglichkeit zur Realisierung dieser Ziele vorsehen. Die Ermittlung körperlicher Leistungsdaten vom Kindes- bis zum Seniorenalter zur Beurteilung des nationalen körperlichen Leistungsstandes sollte aus gesundheitlichen Gründen eine Aufgabe der staatlichen Politik sein.“
Diese sogenannte „Kölner Deklaration“ wurde vom WHO-Präsidenten, von seinem Direktor und vom FIMS-Präsidenten unterschrieben und innerhalb eines Jahres erhielten alle der UNESCO angehörigen Länder der Erde diese Deklaration.
Heute, 20 Jahre später, ist festzustellen, dass sich ein solcher Vorgang zwischen Weltgesundheitsorganisation und Weltverband für Sportmedizin oder ähnlichen Institutionen nicht wiederholt hat. Die WHO aber ist dadurch mit dem Gedanken der Prävention durch körperliche Bewegung fest verbunden.

Univ.-Prof. mult. Dr. med. Dr. h. c. mult. Wildor Hollmann
Ehrenpräsident des Weltverbandes für Sportmedizin

 
zum Seitenanfang