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The German Journal of Sports Medicine is directed to translational science and clinical practice of Sports Medicine and its adjacent fields, which investigate the influence of physical activity, exercise, training and sports, as well as a lack of exercise affecting healthy people and patients of all age-groups. It addresses implications for prevention, diagnosis, therapy, rehabilitation and physical training as well as the entire Sports Medicine and research in sports science, physiology and biomechanics.

The Journal is the leading and most widely read German journal in the field of Sports Medicine. Readers are physicians, physiologists and sports scientists as well as physiotherapists, coaches, sport managers, and athletes. The journal offers to the scientific community online open access to its scientific content and online communication platform.

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100 Jahre Deutsche Sportmedizin
EDITORIAL

43. Deutscher Sportärztekongress in Berlin

43rd German Congress of Sports Medicine in Berlin

100 Jahre Deutsche Sportmedizin, 100 Jahre Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention, der Festakt und der Jubiläumskongress stehen bevor.
Was 1912 mit einem eindrucksvollen Kongress im Golfhotel Oberhof begann, hat zu einer zentralen medizinischen Fachdisziplin geführt und soll jetzt nach 100 Jahren gefeiert werden. Weltweit hat sich die Bedeutung der Sportmedizin eindrucksvoll entwickelt und gewandelt, dennoch stehen Wünsche und Konzepte für die Zukunft an.
Etabliert ist die Sportmedizin im Bereich der Rehabilitation, hier haben Studien und praktische Erfahrungen die Rehabilitation in der Orthopädie und Traumatologie nachhaltig geprägt. In der Inneren und konservativen Medizin haben aber auch Erkenntnisse der Sportmedizin Auswirkungen gezeigt, die Beispiele der Frühmobilisation und der Herzgruppen bestätigen dies eindrucksvoll. Die Bedeutung der körperlichen Aktivität für die Prävention ist heute unbestritten und wird in Zukunft eine noch größere Rolle spielen hinsichtlich Übergewicht, Bewegungsmangel und Fehlernährung. Die Prävention im betrieblichen Gesundheitswesen hat einen hohen Stellenwert, ebenso wie die sportmedizinische Aspekte im Kindesalter. Der Bewegungsmangel und das Übergewicht stellen die Medizin vor große Probleme. Nur körperliche Aktivität im Kindergarten und die tägliche Schulstunde können dieser Entwicklung entgegenwirken. Dabei ist es bedeutsam, dass der regelmäßige Schulsport, entgegen den Befürchtungen der Eltern, auch die schulischen Leistungen in den sog. Lernfächern verbessert. Ebenso betroffen vom Bewegungsmangel und Übergewicht sind ältere Menschen, seien sie noch im Beruf oder schon berentet. Hier muss die Arbeit aller Haus- und Sportärzte einsetzen. Bei jedem Patientenkontakt muss das Thema Bewegung angesprochen werden, nicht mit dem erhobenen Zeigefinger, sondern mit Motivationsgesprächen und einer Trainingsberatung.
Training im Alter bedeutet, Bewegung im Alltag, regelmäßige, tägliche Spaziergänge über 45 Minuten und Teilnahme an Bewegungskursen in den Sportvereinen. Bemerkenswert ist dabei, dass gerade diese Bewegung, im Gegensatz zu allen Pillen und Tabletten in der Lage ist, eine beginnende Demenz aufzuhalten. Bewegung ist somit preiswert und bei der Demenz, derzeit allen Tabletten überlegen. Bewegung im Alter ermöglicht Senioren vor allem eine längere Selbständigkeit und Autonomie, selbst im höheren Alter, was angesichts des demographischen Wandels von eminenter Bedeutung ist.
Eine zunehmend größere Rolle spielt auch der Einsatz der körperlichen Aktivität als Therapiemaßnahme in den verschiedenen Fachgebieten der Medizin. In vielen konservativen Fächern hat sich Bewegung als wichtiger Teil der Behandlung etabliert. Dies betrifft die Kardiologie, Pädiatrie und Onkologie in gleicher Weise wie Diabetologie, Psychiatrie und Neurologie. Bei einigen dieser Therapiekonzepten ist es möglich, Medikamente durch regelmäßige körperliche Aktivität zu ersetzen oder zu reduzieren. „Exercise is Medicine“, Bewegung ist Therapie oder Rezept für Bewegung, so lautet die zukünftige Devise in der Medizin.
Die Zukunft der Sportmedizin in Deutschland ist aber nicht ohne Probleme. Die Zahl der Mitglieder in den Landesverbänden ist rückläufig, ebenso die Teilnehmerzahlen an den Weiterbildungskursen sowie bei den Fortbildungslehrgängen. Herzgruppen suchen dringend Ärzte und der Abbau sportmedizinisch-wissenschaftlicher Einrichtungen mit möglichen Schließungen von Instituten, bereitet große Sorgen. Und dies in einer Zeit, in der Ärzte für Bewegungsmedizin dringend gebraucht werden. Wer über Prävention für die Menschen spricht, muss die sportmedizinischen Einrichtungen und Institute erhalten und ihre Zahl noch erweitern. Dabei ist stets eine enge Zusammenarbeit mit den Kliniken notwendig. Alle sportmedizinischen Institute sollten in der medizinischen Fakultät angesiedelt sein.
Allerdings sind auch positive Aspekte zu verzeichnen: Möglicherweise wird auf europäischer Ebene der Facharzt für Sportmedizin eingeführt. Das Kursbuch Sportmedizin der Bundesärztekammer für die Zusatzbezeichnung ist abgeschlossen. Das Rezept für Bewegung eröffnet den Ärzten neue Möglichkeiten, ebenso wie die Kurse für Gesundheitsvorsorge und Prävention der Bundesärztekammer, die sich durch einen hohen Anteil an sportmedizinische Inhalte auszeichnen. Zu diskutieren ist auch, dass sportmedizinische Vorsorgeuntersuchungen und eine qualifizierte Trainingsberatung gemäß den Gebührenordnungen abgerechnet werden können.
Die deutsche Sportmedizin kann und muss hier ein wichtiger Motor und Movens werden. Dabei hoffen wir auf die Unterstützung von Ärzte- und Sportverbänden, Ministerien, Hochschulen und Behörden. Ziel muss es sein, das Fach Sportmedizin als Pflichtfach in die Approbationsordnung aufzunehmen. Zukünftige Aufgaben zeichnen sich hier ab.
Vor allem aber wünschen wir uns die Unterstützung aller sportärztlich tätigen Ärzte in der Klinik und der Praxis, zum Wohle der Patienten, der Breitensportler und der Leistungssportler.

 
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