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The German Journal of Sports Medicine is directed to translational science and clinical practice of Sports Medicine and its adjacent fields, which investigate the influence of physical activity, exercise, training and sports, as well as a lack of exercise affecting healthy people and patients of all age-groups. It addresses implications for prevention, diagnosis, therapy, rehabilitation and physical training as well as the entire Sports Medicine and research in sports science, physiology and biomechanics.

The Journal is the leading and most widely read German journal in the field of Sports Medicine. Readers are physicians, physiologists and sports scientists as well as physiotherapists, coaches, sport managers, and athletes. The journal offers to the scientific community online open access to its scientific content and online communication platform.

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Atemsystem - limitierender Faktor beim Sport?
GESCHICHTE

Sportmedizin im Dritten Reich

Sports Medicine in the Third Reich

Mit der „Machtergreifung“ der Hitlerpartei 1933 sollte sich auch ein Paradigmenwechsel in der gesamten Medizin vollziehen. Über den Weg der „Neuen Deutschen Heilkunde“ legten die Nationalsozialisten (NS) den Grundstein für die Verankerung ihrer Ideen zur nationalsozialistischen Rassenhygiene in der Medizin.
In Folge der berüchtigten Rassengesetzgebung wurden namhafte jüdische Sportmediziner Opfer des nazistischen Rassenwahns. Die bekanntesten Namen waren hier: Dr. Ernst Jokl (Breslau), Dr. Fritz Duras (Freiburg) und Prof. Dr. Rahel Hirsch (Berlin). Jokl und Duras wurden auf Grund ihrer Leistungen in Sport und Sportmedizin später weltbekannt.
Das Gewicht der sportmedizinischen Tätigkeit verlagerte sich umgehend in Richtung Dienst- und Wehrsport. Sportärztliche Untersuchungen und Beratungen verwandelten sich in Massenuntersuchungen für das SA-Sportabzeichen und Tauglichkeitsbeurteilungen für den Pflichtsport in den verschiedenen Bereichen.

Die „Gleichschaltung“
Der Gleichschaltungs-Begriff wurde 1933 geprägt als der Prozess der Vereinheitlichung des gesamten gesellschaftlichen und politischen Lebens eingeleitet und mit entsprechenden Gesetzen untermauert wurde. Eine verharmlosende Umschreibung für die Unterwerfung aller Institutionen und Organisationen unter der NS-Herrschaft.
Die sportärztlichen Einrichtungen an den Hochschulen wurden mit der „Machtübernahme“ zunächst geschlossen, um sie im nationalsozialistischen Sinne zu säubern, neu zu ordnen und mit dem NS-Regime ergebenen Leitern zu besetzen - das hieß „gleichzuschalten“. Die anfangs zu verzeichnende Stagnation dieser Einrichtungen wurde nach der Neubesetzung und Zuweisung der nunmehr gültigen Leitlinien bald überwunden.
Umgehend wurde der Deutsche Ärztebund zur Förderung der Leibesübungen vereinnahmt. Als erster Schritt erfolgte die Namensänderung in „Deutscher Sportärztebund“. Alsbald wurde als neuer „Führer“ des Sportärztebundes Dr. Emil Ketterer benannt. Seine Bekanntheit hatte er als Teilnehmer am Hitlerputsch 1921 und SA-Sanitätsgruppenführer erlangt. 1933 erfolgte die Eingliederung in das „Hauptamt für Volksgesundheit“. Die offizielle Auflösung des Sportärztebundes fand jedoch erst am 1. April 1937 statt, nach dem 4. Weltkongress für Sportmedizin und den Olympischen Sommerspielen 1936 in Berlin. Diese Großverantstaltungen mit internationaler Aufmerksamkeit sollten durch eine vorherige offizielle Liquidation des Sportärztebundes nicht gefährdet werden.
Mit dem Reichssportsanatorium in Hohenlychen wurde eine sporttraumatologische Rehabilitationseinrichtung von Weltruf ausgebaut. Mit Kriegsausbruch 1939 wurde die Einrichtung als Lazarett umfunktioniert. Ihr Leiter war Prof. Dr. Karl Gebhardt, Generalleutnant der Waffen-SS und Leiter der Sportmedizin an der „Reichsakademie für Leibesübungen“ in Berlin. Wegen verbrecherischer Menschenversuche wurde er 1947 von den Alliierten zum Tode verurteilt und 1948 hingerichtet.
Die wissenschaftliche Forschung der sportärztlichen Institute und Einrichtungen war gefragt, da bevölkerungspolitische, militärische und kriegswichtige Interessen verfolgt wurden. Dies betraf vor allem die sportärztliche Begleitung des Pflicht-, Dienst- und Wehrsports.
Zu den 1941 bestehenden vier Universitätsinstituten der Sportmedizin (Berlin, Hamburg, Freiburg, Straßburg) waren bis dahin etwa 10 sportärztliche Untersuchungs- und Beratungsstellen mit hauptamtlicher Besetzung eingerichtet worden (Frankfurt/Main, Göttingen, Kiel, Königsberg, Leipzig, München, Münster, Prag, Rostock, Wien). Darauf hatte die „Arbeitsgemeinschaft der Hochschulsportärzte“ wesentlichen Einfluss genommen. Diese Untersuchungsstellen unterstanden direkt dem „Amt für Körperliche Erziehung“ im Reichserziehungsministerium und waren den Instituten für Leibeserziehung zugeordnet.

Ein Nazi wird FIMS-Präsident
Die Wahl des neuen Präsidiums des Weltverbandes für Sportmedizin (FIMS) fand im Juli 1937 im Rahmen des 5. Internationalen Sportärztekongresses in Paris statt. Die deutsche Delegation wurde von Leonardo Conti (Berlin) angeführt.
Die glanzvoll verlaufenen Olympischen Winter- und Sommerspiele von 1936, der imposante 4. Weltkongress der FIMS und das internationale Renommee der deutschen Sportmedizin führten dann bei der Generalversammlung der FIMS 1937 in Paris zur Wahl des Dr. L. Conti zum Präsidenten der FIMS. Im Mai 1945 von den Amerikanern verhaftet, starb er im Oktober 1945 während der Beweiserhebungsphase des Nürnberger Prozesses wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Kriegsverbrechergefängnis von Nürnberg durch Selbstmord.

  1. Jütte R (Hrsg.): Medizin und Nationalsozialismus. Wallstein-Verlag, Göttingen, 2011.
  2. Uhlmann A: Der Sport ist der praktische Arzt am Krankenlager des deutschen Volkes. Mabuse Verlag, Frankfurt/Main, 2005.
  3. Waltrich H: Aufstieg und Niedergang der Heilanstalten Hohenlychen (1902 bis 1945). Strelitzia, Blankensee, 2001.
 
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