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The German Journal of Sports Medicine is directed to translational science and clinical practice of Sports Medicine and its adjacent fields, which investigate the influence of physical activity, exercise, training and sports, as well as a lack of exercise affecting healthy people and patients of all age-groups. It addresses implications for prevention, diagnosis, therapy, rehabilitation and physical training as well as the entire Sports Medicine and research in sports science, physiology and biomechanics.

The Journal is the leading and most widely read German journal in the field of Sports Medicine. Readers are physicians, physiologists and sports scientists as well as physiotherapists, coaches, sport managers, and athletes. The journal offers to the scientific community online open access to its scientific content and online communication platform.

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Sportmedizin
GESCHICHTE

Entwicklung der Sportmedizin im Osten Deutschlands 1945 bis 1990

Development of Sports Medicine in East-Germany from 1945 to 1990

Nachkriegsjahre bis 1949
Die Nachkriegsjahre waren wie in ganz Deutschland auch im sowjetisch besetzten Teil bestimmt von Wiederbesinnung und Existenznot, die wenig Raum und Gelegenheit für sportliche Betätigung ließen. Rund 60 Prozent der Sportstätten waren zerstört oder standen durch anderweitige Verwendung (Not- und Flüchtlingsunterkünfte, landwirtschaftliche Nutzung) nicht mehr zur Verfügung.
Einen Aufschwung nahm die Sportbewegung im Osten mit der Gründung des „Deutschen Sportausschusses“ (DS) am 1. Oktober 1948. Dieser hatte die Leitung des gesamten Sportbetriebs in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ). Vorausgegangen war der Erlass der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) „Richtlinie zum Aufbau einer einheitlichen Sportbewegung“ in Trägerschaft von FDJ und Gewerkschaftsbund (FDGB). Die Zentralisierung war am sowjetischen System orientiert und ließ keine anderen Möglichkeiten der Organisation sportlicher und sportärztlicher Aktivitäten zu. Erklärtes Ziel war die Einbeziehung breiter Schichten der Bevölkerung, insbesondere der Jugend, in eine regelmäßige sportliche Betätigung. In unmittelbarer Folge wurden in allen Ländern der SBZ Landessportausschüsse und Kreissportausschüsse gebildet, die das Sportgeschehen in den jeweiligen Territorien organisierten und koordinierten. Von verschiedenen Einrichtungen der Körpererziehung wurden schon ab 1. Juli 1946 für Sportstudenten und Trainer sportärztliche Lehrinhalte vermittelt. Im gleichen Jahr nahm das „Institut für körperliche Erziehung und Schulhygiene“ (Leiter: H. Riedel) der Universität Leipzig den Lehr- und Studienbetrieb wieder auf.Die im sowjetischen Sektor Berlins gelegene vorherige Friedrich-Wilhelms-Universität begann 1946 als Universität Berlin (1949 umbenannt in Humboldt-Universität zu Berlin) den Lehrbetrieb in zunächst sieben Fakultäten, darunter bereits im Wintersemester 1946 an der Pädagogischen Fakultät. Es waren Lehrbeauftragte der Charité, die zunächst die sportmedizinische Lehre als „Sportbiologie“ wahrnahmen.

Sportmedizin in der DDR (1949 bis 1990)
Ende 1949 bestanden in der neu gebildeten Deutschen Demokratischen Republik Sportgruppen mit mehr als 500.000 Mitgliedern. Über 800 große Betriebs-Sportgemeinschaften (BSG) waren gegründet worden. Die sportmedizinische Entwicklung vermochte mit dieser zügigen Zentralisierung zunächst nicht Schritt zu halten. Erst mit dem zunehmenden Erfordernis sportärztlicher Betreuung ab 1950 kam es zu einer raschen Zunahme sportmedizinischer Aktivitäten. Das im Februar 1950 von der Volkskammer der DDR erlassene „Jugendgesetz“ legte Maßnahmen zur Förderung des Sports fest. Das waren u.a. die Schaffung eines Sportabzeichens, die Wiedereinrichtung bzw. Erstellung von Sportanlagen, verbesserte Produktion von Sportgeräten und Sportausrüstung, Fahrpreisermäßigungen für Sportaktivitäten und die Errichtung einer Hochschule in Leipzig „…für Körperkultur zur Ausbildung von Dozenten für die Körpererziehung, für Sportlehrer und Trainer und zur Förderung der wissenschaftlichen Arbeit des Sportwesens…“ Im gleichen Jahr gab es im Ministerium für Gesundheitswesen bereits eine Abteilung (später Hauptreferat) Sportmedizin. Der Minister für Gesundheitswesen erließ am 12. September 1950 eine Anordnung über die ärztliche Untersuchung für den Erwerb des Sportabzeichens. Damit war die Voraussetzung geschaffen, dass sich Ärzte mit sportmedizinischem Engagement für sportärztliche Untersuchungen als vergütete „Zusatztätigkeit“ (Z-Stellen) zur Verfügung stellten. Auf Initiative des Gesundheitsministeriums fand am 5. Mai 1951 die „Erste Tagung der Sportärzte der Deutschen Demokratischen Republik“ in Leipzig statt. Über 120 Teilnehmer, darunter namhafte Sportmediziner und Hochschullehrer (u.a. M. Bürger, H. Grimm, A. Mommsen, H.-H. Schnelle, R. Schröder, B. Schwarz; A. Böhmig, H. Burger, Frau R. Dietrich, J. Nöcker) berieten nach dem Einführungsreferat von K. Tittel über „Die Aufgaben eines demokratischen Sportärztewesens“. Im Ergebnis der Beratungen wurde die baldige Gründung einer „Sportärztlichen Vereinigung“ angeregt.

Institute und Einrichtungen der Sportmedizin in der DDR
Ab 1950 kam es zur Bildung von sportmedizinischen Abteilungen an den Instituten für Körpererziehung bzw. Sektionen Sportwissenschaft der Universitäten Halle/Saale 1953 (W. Jacobi), Greifswald (A. Drews), Rostock (H.-H. Schnelle), Jena 1967 ( J. Scheibe), Berlin Ost ab 1969 (D. Schmidt). Sie unterstanden dem Ministerium für Hoch- und Fachschulwesen. Die Pädagogischen Hochschulen Potsdam (G. Badtke), Magdeburg (W. Giebel) und Zwickau (K. Koinzer) mit einem „Wissenschaftsbereich Sportmedizin“ und Lehrbeauftragung für das Sportstudium gehörten zum Ministerium für Volksbildung. Bereits 1950 war von Arno Arnold das schon vor Jahrzehnten betonte Postulat „Jeder Arzt – ein Sportarzt“ bekräftigt und Sportmedizin als Pflicht- und Prüfungsfach im Medizinstudium für unabdingbar gehalten worden. Fakultative Vorlesungen Sportmedizin oder sportbezogene Themen im Rahmen anderer Fächer an den sechs Medizinischen Universitäts-Fakultäten der DDR (Rostock, Greifswald, Berlin, Halle, Leipzig, und Jena) und den drei Medizinischen Akademien (Erfurt, Dresden und Magdeburg) wurden ab Ende der 50er Jahre angeboten und wahrgenommen. Erst mit der Einführung des interdisziplinären Lehrkomplexes (IDK) „Kriterien der Arbeits- und Leistungsfähigkeit“ im letzten Semester des Medizinstudiums fand die Sportmedizin ab Ende der 80er Jahre einen festen Platz im obligatorischen Lehrprogramm des Medizinstudiums in der DDR.

Deutsche Hochschule für Körperkultur (DHfK)
Die am 5. Oktober 1950 gegründete Deutsche Hochschule für Körperkultur (DHfK) hatte von Beginn an eine Abteilung Sportmedizin (Leiter: K. Tittel). Sie nahm die sportmedizinische Lehre für die Sportstudenten und die gesundheitliche Überwachung der Studierenden wahr. Schon im folgenden Jahr wurden die ersten Sportarzt-Lehrgänge internatsmäßig durchgeführt. Die Gründung des Instituts für Sportmedizin der DHfK erfolgte 1961. Im Zuge der später geschaffenen Fakultäten kam es zur Bildung der „Fakultät für Naturwissenschaften und Sportmedizin“ (Dekan: K. Tittel). Bereits 1956 war eine Forschungsstelle eingerichtet worden, die trainingsphysiologische und sportmedizinische Fragestellungen bearbeitete. In der Folgezeit kam es zu einem großzügigen Ausbau der Hochschule und des Instituts für Sportmedizin. Dem Institut angegliedert wurde 1962 das „Rehabilitationszentrum Kreischa“ (bei Dresden) unter der Leitung von S. Israel. Es wird 1968 zum „Zentralinstitut des Sportmedizinischen Dienstes“ (Direktor bis 1988 S.E. Strauzenberg). In Leipzig wie in Kreischa fanden durchgehend Lehrgänge und Fortbildungen im sportmedizinischen Bereich mit Teilnehmern aus dem In- und Ausland statt. Daneben gab es eine intensive Forschungsarbeit zu sportmedizinischen Schwerpunktfragen.
Zur Ausbildung der in den Territorien trainierenden Leistungssportler wurden acht Außenstellen der DHfK gebildet (Rostock, Berlin, Cottbus, Leipzig, Erfurt, Karl-Marx-Stadt, Dresden, Magdeburg). Diese unterhielten in Leistungszentren ab 1976 noch zusätzlich Konsultationsstützpunkte (u.a. in Neubrandenburg, Frankfurt/Oder, Oberhof). Die Lehre im Fach Sportmedizin nahmen dort überwiegend Lehrbeauftragte des örtlichen SMD, Ärzte mit sportmedizinischer Qualifikation des ambulanten und stationären Gesundheitswesens sowie der Hochschuleinrichtungen wahr.

Forschungsinstitut für Körperkultur und Sport (FKS)
Zur effektiveren Erfüllung der leistungssportlichen Ziele der DDR wurde das FKS im April 1969 durch Vereinigung der Forschungsstelle und des größeren Teils des Instituts für Sportmedizin der Deutschen Hochschule für Körperkultur in Leipzig gegründet. Das FKS war das einzige Institut für die Leistungssportforschung in der DDR und hatte bis zu seiner Auflösung 1990 über 600 Mitarbeiter. Zu den Olympischen Spielen 1972 war die Forschung auf die Sportarten Boxen, Eisschnelllauf, Gewichtheben, Leichtathletik, Ringen, Rudern, Schlittensport, Schwimmen, Skisprung, Skilanglauf, Turnen, Volleyball konzentriert worden. Die Arbeit am FKS wurde über interdisziplinäre Forschungsgruppen gestaltet. Durch diese sehr praxiswirksame Arbeit wurden beispielsweise bis 1974 in allen Sportarten sportartspezifische Ergometer in Betrieb genommen. Dazu gehörten u.a. 1971 der Strömungskanal im Schwimmen und 1974 das kippbare Laufband für den Skilanglauf. In der Leistungssportforschung am FKS waren, verteilt auf Projekte der Sportarten, etwa 20 Ärzte tätig. Ab Mitte der 1970er Jahre wirkte die Sportmedizin relativ eigenständig in der Leistungsdiagnostik, Belastungssteuerung, Sportartenbetreuung und Rehabilitation. Die Zahl der am FKS beschäftigten Sportmediziner (Fachärzte für Sportmedizin und Weiterbildungsassistenten) nahm bis 1990 auf etwa 40 zu. In der Abteilung Endokrinologie (Dopingforschung), geleitet von einem Biologen, wirkte nur ein Arzt. Im Einigungsvertrag (Artikel 39) war die Fortführung des FKS in einer geeigneten Rechtsform festgelegt. Nach einer Übergangsregelung (sog. „Warteschleife“) wurden 124 Mitarbeiter verschiedener Sportarten, darunter vier Ärzte, vom am 16. April 1992 in Leipzig gegründeten „Institut für Angewandte Trainingswissenschaft“ (IAT) übernommen.
Das zunehmende Erfordernis sachgerechter Behandlung verletzter Sportler des Leistungsbereichs führte zu enger Kooperation mit spezialisierten Einrichtungen des stationären Gesundheitswesens. Das waren in Berlin-Pankow ab 1963 eine unfallchirurgische Abteilung unter Leitung von K. Franke und im Waldkrankenhaus Bad Düben der Orthopäde D. Jungmichel. Eine spezielle traumatologische Abteilung ( J. Weber und H. Brenke) versah im Zentralinstitut des Sportmedizinischen Dienstes Kreischa die funktionelle Nachbehandlung und sportliche Rehabilitation verletzter und erkrankter Sportler der Leistungsspitze.

Wiederbeginn der organisierten Sportmedizin
Bedeutungsvoll für die Entwicklung der organisierten Sportmedizin in der DDR war die vom 13. bis 15. Dezember 1953 in Leipzig durchgeführte Sportärztetagung mit internationaler Beteiligung. Tagungsleiter war M. Bürger, Leipzig. Außer den 23 DDR-Referenten aus den verschiedenen Fachgebieten konnten 17 namhafte Vortragende aus der BRD begrüßt werden (u.a. W. Boldt, H.W. Knipping, H. Venrath, Köln; A. Koch, Münster; H. Reindell, Freiburg). Aus den „befreundeten sozialistischen Ländern“ waren 15 Sportmediziner angereist. Auf dieser Veranstaltung erfolgte – vorgeschlagen vom Vertreter des Gesundheitsministeriums, R. Müller (1955 in die BRD gegangen) – die Planung einer „Arbeitsgemeinschaft Sportmedizin“. Als künftige Mitglieder trugen sich 41 Ärzte ein. Von einer möglichen Verbindung mit dem bereits drei Jahre bestehenden Deutschen Sportärztebund der BRD war keine Rede.

Gesellschaft für Sportmedizin der DDR
Im Rahmen einer Wochenendtagung am 14./15. November 1954 in Leipzig kam es schließlich zur Konstituierung einer „Arbeitsgemeinschaft für Sportmedizin“ (AGSM).
Zum ersten Vorsitzenden wurde A. Arnold (Leipzig) gewählt. Dachgesellschaft aller medizinischer Fachgesellschaften der DDR war die „Deutsche Gesellschaft für Klinische Medizin“. Für die GfSM der DDR wurde die Sonderregelung getroffen, die eine Nachordnung unter das SKS festlegte. Nur noch rein fachliche Fragen waren mit dem Gesundheitsministerium bzw. der Dachgesellschaft abzustimmen. Alle anderen organisatorischen und Leitungsfragen (Planungen, Beschlüsse, Kongressthemen, Kadernominierungen, Auslandsreisen und -delegierungen, Publikationen) waren mit dem SKS „abzustimmen“, d.h. genehmigungspflichtig. Fachorgan der Gesellschaft war die im März 1961 erstmals erscheinende Zeitschrift „Medizin und Sport“ mit monatlichem, zeitweise zweimonatlichem Erscheinen. Ab 1969 firmierte sie unter der primären Herausgabe des Sportmedizinischen Dienstes.

 

Sportmedizinische Qualifikationen
Nachdem bereits 1950 erste sportärztliche Qualifizierungen erfolgten, wurden seit 1956 sportlich interessierte Ärzte in einem einheitlichen Lehrgangssystem für die „Staatliche Anerkennung als Sportarzt“ qualifiziert. Diese Anerkennung wurde für fünf Jahre ausgesprochen und bei Nachweis wahrgenommener sportmedizinischer Fortbildung und sportärztlicher Betreuungsarbeit für jeweils weitere fünf Jahre verlängert. Jährlich wurden etwa 40 Sportarzt-Anerkennungen erteilt.
Für die verschiedenen Tätigkeitsbereiche der speziellen sportärztlichen Betreuung wurde ab 1963 der „Facharzt für Sportmedizin“ eingeführt. Sein Erwerb beinhaltete eine vierjährige (ab 1967 fünfjährige) Weiterbildung mit abschließender Prüfung vor einer zentralen Fachkommission. Der Ausbildungsgang umfasste je ein Jahr Tätigkeit in einer inneren, orthopädisch-traumatologischen, physiologischen und sportmedizinischen Einrichtung. Dazu kamen Kurse mit sportmethodischer und sportpädagogischer Unterweisung an der Deutschen Hochschule für Körperkultur (DHfK).

Die sportmedizinisch-praktische Ausbildung erfolgte in den Einrichtungen des Sportmedizinischen Dienstes, an der DHfK Leipzig, am Forschungsinstitut für Körperkultur und Sport (FKS), im Zentralinstitut des SMD in Kreischa sowie an den sportmedizinischen Hochschulinstituten. Die Facharztprüfungen standen unter der Verantwortung des Lehrstuhls für Sportmedizin an der Akademie für ärztliche Fortbildung der DDR in Berlin-Lichtenberg (Lehrstuhlinhaber wurde 1967 S.E. Strauzenberg, ab 1985 K. Tittel). Die Durchführung oblag zwei zentralen Prüfungskommissionen ( für den Nord- und Südbereich der DDR). Insgesamt wurden bis 1990 rund 700 Anerkennungen als „Facharzt für Sportmedizin“ erteilt.

Der Sportmedizinische Dienst (SMD)
Schon am 1. Januar 1952 wurde die erste Sportärztliche Hauptberatungsstelle in Berlin (Ost) eröffnet. Den Beginn eines einheitlichen sportärztlichen Betreuungssystems stellte eine Anordnung des Ministers dar. Mit der Bildung des SMD im Jahre 1963 und der Einführung des „Facharzt für Sportmedizin“ vollzog sich eine grundlegende Wandlung der sportärztlichen Arbeit. Die vorher regionale Verantwortung für die sportärztliche Betreuung ging nun auf eine zentrale staatliche Organisationsstruktur, den Sportmedizinischen Dienst über. Bis zum Ende der fünfziger Jahre waren praktisch in allen Kreisen der DDR nebenamtlich tätige Kreissportärzte aus dem ambulanten und stationären Gesundheitswesen mit stundenweiser Tätigkeit eingesetzt worden. Dies wurde anfangs von interessierten Kolleginnen und Kollegen wahrgenommen, meist auf freiwilliger Basis und unentgeltlich, später im so genannten Z-(Zusatz-) Verhältnis als bezahlte Nebentätigkeit. Ihre Aufgaben bestanden in der Beratung der Sport treibenden Bevölkerung, der Realisierung der gesetzlichen Bestimmungen zur Schulsportbefreiung, der Durchführung von Sporttauglichkeitsuntersuchungen und der Absicherung von Sportveranstaltungen.Ab 1970 wurden jedem Bereich des SMD im System des Leistungssports klare Verantwortlichkeiten zugewiesen. Den Kreissportärzten oblag nun vor allem die umfassende Betreuung der in den Trainingszentren aufgenommenen Nachwuchssportler, die in einem lückenlosen Auswahlverfahren (ESA) in den jeweiligen Schulklassenstufen ausgesucht worden waren.Jegliche Tätigkeit im Leistungssport unterlag strikter Geheimhaltung. Die ergangenen Arbeits- und Geschäftsordnungen verpflichteten jeden Mitarbeiter zu strengstem Stillschweigen über alle Vorgänge im SMD.Mit der frühzeitig erkannten Bedeutung sportlicher Erfolge für das internationale Renommee wandte die Partei- und Sportführung alles auf, um die spektakulären Erfolge des DDR-Sports im Weltmaßstab zu halten und auszubauen.Zu den Vorbereitungen auf die Olympischen Spielen 1972 in München gehörten in bestimmten Sportarten besondere oder „unterstützende Maßnahmen“ (sog. „u.M.“), wie das Doping umschrieben wurde, obwohl die DDR und ihre Sportführung sich offiziell stets zur Anti-Doping-Charta bekannt hatten. Es war nicht so, dass Ärzte im SMD gezwungen werden konnten, solche von den Sportverbänden festgelegten Maßnahmen für ausgewählte Sportler durchzuführen. Wer sich verweigerte, konnte allerdings sicher sein, für einen Einsatz im Leistungssport als ungeeignet beurteilt zu werden. Zuletzt (1990) waren im SMD rund 1800 Mitarbeiter angestellt, davon rund 350 Fachärzte für Sportmedizin. Die Auflösung des SMD als zentrale Institution erfolgte Ende des Jahres 1990 auf Grund einer Anordnung des Bundesfinanzministeriums Gesamtdeutschlands - gegen den Willen weitsichtiger Ärzte und namhafter Hochschullehrer.

LITERATUR

  1. Arndt K-H, Löllgen H, Schnell D (Hrsg.): 100 Jahre Deutsche Sportmedizin. Druckhaus Verlag, Gera, 2012.
 
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