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The German Journal of Sports Medicine is directed to translational science and clinical practice of Sports Medicine and its adjacent fields, which investigate the influence of physical activity, exercise, training and sports, as well as a lack of exercise affecting healthy people and patients of all age-groups. It addresses implications for prevention, diagnosis, therapy, rehabilitation and physical training as well as the entire Sports Medicine and research in sports science, physiology and biomechanics.

The Journal is the leading and most widely read German journal in the field of Sports Medicine. Readers are physicians, physiologists and sports scientists as well as physiotherapists, coaches, sport managers, and athletes. The journal offers to the scientific community online open access to its scientific content and online communication platform.

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100 Jahre Deutsche Sportmedizin
EDITORIAL

Tradition verpflichtet – 100 Jahre organisierte Sportmedizin

Bound by Tradition – 100 Years of Organized Sports Medicine in Germany

Die  deutsche  wie  internationale  organisierte  Sportmedizin  feiern  in  diesem  Jahr  ihr  hundertjähriges  Bestehen  -  wohl  ein guter Grund für einen Rückblick auf Entwicklung und Leistungen dieses Fachgebiets. Wenn auch die Begriffe "Sportarzt" und "Sportmedizin" im deutschen Sprachgebrauch erst im vorigen Jahrhundert auftauchen, so gehören doch Anliegen und Inhalte dieses Bereiches der Medizin zu den ältesten überhaupt.
Die Verbindungen von Medizin und körperlicher Aktivität lassen  sich  seit  dem  frühen  Altertum  nachweisen.  Das  Postulat  des Hippokrates von Kos (um 460 bis 370 v. Chr.) ist heute aktueller denn je:
"Alle funktionellen Körperteile, wenn sie in moderater Form durch körperliche Bewegung gefordert werden, entwickeln sich gut, bleiben gesund und altern langsamer; wenn sie aber in Untätigkeit verharren, sind sie anfälliger gegenüber Krankheiten und sind einem rascheren Alterungsprozess unterworfen."
Nachweisbar ist auch, dass die Verquickung der zeitgenössischen griechischen Medizin mit Training und Wettkampf der antiken Athleten wohl ebenso eng war wie es die moderne Sportmedizin heute wieder praktiziert.
Erst im 17. und 18. Jahrhundert griffen weit blickende Ärzte und Wissenschaftler diese Erkenntnisse wieder auf. In das 19. Jahrhundert fällt der Beginn einer diesbezüglichen wissenschaftlichen Grundlagenforschung. Mit der sich rasch entwickelnden Turn-  und  Sportbewegung  und  nach  der  Wiederbelebung  der Olympischen Spiele ab 1894 fand die Medizin in ihren Zielen der gesundheitlichen Prävention, Therapie und Rehabilitation dauerhaft Verbündete.
Es waren namhafte deutsche Mediziner, die 1912 das "Deutsche  Reichskomitee  für  die  wissenschaftliche  Erforschung  des Sportes und der Leibesübungen" in Oberhof/ Thüringen gründeten. Das war die weltweit erste nationale Vereinigung der Sportmedizin, seinerzeit noch als Sportwissenschaft bezeichnet. Erst Jahrzehnte  später  folgte  die  Bildung  weiterer  nationaler  sportmedizinischer Verbände in anderen Ländern.
So wurde auch Deutschland bei der Gründung des Weltverbandes für Sportmedizin, der Association Internationale Medico Sportive  (AIMS;  heute  FIMS)  im  Jahr  1928  vom  französischen Vertreter André Latarjet, später auch Präsident der FIMS, als "Pionierland der Sportmedizin" gewürdigt. Anlässlich der 50-JahrFeier der Wiedergründung des Deutschen Sportärztebundes in Hannover  im  Jahre  2000  führte  der  seinerzeitige  Präsident  der FIMS Eduardo H. de Rose (Brasilien) aus, dass Deutschland für die Sportmedizin das Gleiche bedeute wie Griechenland für die Olympischen Spiele.
Die  von  Hollmann  1958  geschaffene  Definition  der  Sportmedizin wurde 1977 offiziell vom Weltverband für Sportmedizin (FIMS) übernommen:
"Sports medicine embodies theoretical and practical medicine which examines the influence of exercise, training and sports, as well the lack of exercive, on healthy and unhealthy people of all ages  to  produce  results  that are conclusive to prevention, therapy and rehabilitation as well as beneficial for the athlete himself".
Wie  kaum  ein  anderes medizinisches  Fachgebiet hat  die  deutsche  Sportmedizin  von  Anfang  an  das durchgehende  Interesse  der Politik  erfahren.  Ob  angestrebte Volksgesundheit und Wehrtüchtigkeit  im  Kaiserreich,  Körperertüchtigung in  der  Weimarer  Republik, oder  die  angestrebte  und auch  erreichte  Aufwertung der  totalitären  Systeme  in Deutschland  durch  sportliche Leistungen und Erfolge. Stets konnte sich der Sport und mit ihm die Sportmedizin der besonderen Aufmerksamkeit und Förderung der jeweiligen politischen Führung sicher sein.
Im Hinblick auf die 100-jährige Wiederkehr der Gründung des  „Deutschen  Reichskomitees  für  die  Förderung  des  Sportes und der Leibesübungen“ als Vorgänger der DGSP konstituierte sich  2006  eine  Arbeitsgruppe  „Geschichte  der  Sportmedizin“. Ihre Aufgaben bestanden u.a. in der Erstellung einer Festschrift, der Herausgabe einer Sonderbriefmarke sowie der Einbringung historischer  Themen  im  Fachorgan  „Deutsche  Zeitschrift  für Sportmedizin“  im  Jubiläumsjahr.  In  die  Internet-Enzyklopädie WIKIPEDIA wurden zahlreiche Einträge und Abbildungen sportmedizinischer Thematik, zu den nationalen und internationalen Vereinigungen  der  Sportmedizin  sowie  Biografien  namhafter Sportmediziner  vorgenommen.  Bereits  vorhandene  Einstellungen wurden ergänzt oder auch korrigiert. Kurzfassungen von interessanten Themen aus der Historie der Sportmedizin werden auch  in  den  folgenden  Ausgaben  unserer  Zeitschrift  enthalten sein.

  1. Arndt K-H, Löllgen H, Schnell D - DGSP (Hrsg.): 100 Jahre deutsche Sportmedizin. Druckhaus Verlag Gera 2012.
  2. Hollmann W, Tittel K: Geschichte der deutschen Sportmedizin. Druckhaus Verlag Gera, 2008.
  3. Keul J, König D, Scharnagl H: Geschichte der Sportmedizin. Freiburg und die Entwicklung in Deutschland. Haug Heidelberg, 1999.
  4. Uhlmann, A: "Der Sport ist der praktische Arzt am Krankenlager des deutschen Volkes". Wolfgang Kohlrausch (1888-1980) und die Geschichte der deutschen Sportmedizin. Phil. Diss. Freiburg im Breisgau, 2005.
 
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