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Die Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin behandelt die klinische Praxis und deren angrenzende Felder im Sinne translationaler Forschung, die den Einfluss von körperlicher Aktivität, Bewegung, Training und Sport sowie Bewegungsmangel von gesunden Personen und Patienten aller Altersgruppen erforscht. Dies umfasst die Auswirkungen von Prävention, Diagnose, Therapie, Rehabilitation und körperlichem Training sowie das gesamte Feld der Sportmedizin und sportwissenschaftliche, physiologische und biomechanische Forschung.

Die Zeitschrift ist die führende und meistgelesene deutsche Zeitschrift für die gesamte Sportmedizin. Sie richtet sich an alle Ärzte, Physiologen und sportmedizinisch/sportwissenschaftlich interessierte Wissenschaftler aller Disziplinen sowie an Physiotherapeuten, Trainer, Praktiker und Sportler. Die Zeitschrift ermöglicht allen Wissenschaftlern online Open Access zu allen wissenschaftlichen Inhalten und viele Kommunikationsmöglichkeiten.

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Körperliche Aktivität bei Kindern
GESCHICHTE

Gründung der weltweit ersten sportmedizinischen Organisation

Foundation of the First Sportsmedicine Association Worldwide

Der große Erfolg der Dresdener Internationalen Hygieneausstellung von 1911 gab den Anlass, die Bildung weiterer derartiger Untersuchungsstellen in Angriff zu nehmen. Gleichzeitig wurde die Einberufung eines „sportwissenschaftlichen Kongresses“ und die Bildung einer nationalen sportwissenschaftlichen (= sportmedizinischen) Vereinigung angeregt.
Es folgte Anfang des Jahres 1912 in Berlin-Charlottenburg zunächst die Bildung einer „Vereinigung zur wissenschaftlichen Erforschung des Sportes und der Leibesübungen“. Dieser Förderverein hatte zur Aufgabe, „die wissenschaftlichen Grundlagen für eine richtige Bewertung der einzelnen Sportzweige zu schaffen, d.h. mit Hilfe physiologischer, anthropometrischer und klinischer Methoden den Einfluss des Sports auf den menschlichen Organismus zu ergründen, um auf diese Weise den vorübergehenden oder dauernden Nutzen zu beweisen, aber auch die eventuelle vorübergehende oder dauernde Schädigung nicht zu übersehen“. Zielsetzung war die Grundsteinlegung für die wissenschaftliche Sportforschung als ein neues Gebiet der Medizin (1).

„Sportwissenschaftlicher“ Kongress in Oberhof 1912
Die Kuratoriumsmitglieder des Fördervereins beschleunigten die Vorbereitung des ersten Sportärztekongresses 1912 in Oberhof. Das wissenschaftlich hochrangig zusammengesetzte Kuratorium veranlasste das Herzoghaus von Sachsen-Coburg und Gotha, zu diesem Kongress und zur Bildung eines Reichskomitees einzuladen. Als Tagungsort diente das neu erbaute herzogliche Golfklubhotel.
Das Kongressprogramm wurde im August 1912 vorgestellt und enthielt neben den verschiedenen Sitzungen, Demonstrationen und Besichtigungen, 27 angemeldete Vorträge. Die Unterkunft wurde unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Die Tagungsgebühr betrug 10 Mark (2).
Nach zahlreichen Grußworten namhafter Vertreter der Politik, Vereinigungen des Turnens, des Sports und der Wissenschaft, eröffnete der Vorsitzende Prof. Dr. Friedrich Kraus (Charité Berlin) am Sonnabend, 21. September 1912 das Vortragsprogramm. In den nächsten beiden Tagen folgten insgesamt 19 Referate, denen sich jeweils eine ausführliche Diskussion anschloss. Inhalt und Diskussion der Vorträge können in zeitgenössischen Darstellungen nachgelesen werden (3). Das Nebeneinander von empirischen Feststellungen, markigen Sätzen über den Wert der „Körperzucht“ für die Volksgesundheit und richtungweisende Erkenntnisse über die Wirkungen und Notwendigkeit körperlicher Aktivität geben ein anschauliches Bild über die Rollen, die Leibesübungen und Sport seinerzeit zugewiesen wurden.
Das Vortragsprogramm des Kongresses beinhaltete die meisten heute noch immer bedeutsamen Aspekte und Probleme der Sportmedizin, zu deren Bearbeitung man eine leistungsfähige wissenschaftliche Vereinigung benötigte.

Umstrittene Benennung
Zur Konstituierung der geplanten, nationalen „sportwissenschaftlichen“ Vereinigung kam es am Nachmittag des 21. September 1912. Wiederum unter dem Vorsitz von F. Kraus erläuterte G.F. Nicolai (Berlin) die Ziele des geplanten Reichskomitees. Für den Jungdeutschlandbund, einer 1911 gegründeten Vereinigung zur Förderung des Wehrgedankens unter der Jugend, erklärte Generalmajor Jung neben der Absicht des sofortigen Beitritts, die jährliche Überweisung eines größeren Beitrages.
Über die Benennung des neuen Reichskomitees gab es eine längere Aussprache. Die Vertreter der Turnerschaft beabsichtigten die Aufnahme des Sportbegriffs zu verhindern - Ausdruck der weiter bestehenden Ressentiments zwischen Turnerschaft und Sportbewegung, die bei einzelnen Vorträgen und in den Diskussionen wiederholt zum Ausdruck kamen. Angenommen wurde schließlich die Bezeichnung „Deutsches Reichskomitee für die wissenschaftliche Erforschung des Sportes und der Leibesübungen“, die von Prof. Dr. Kraus vorgeschlagen wurde.
Damit war die weltweit erste nationale sportmedizinische Vereinigung gegründet worden. Diese Gründung führte zur heutigen Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (Deutscher Sportärztebund), die das Gründungsdatum dieses Reichskomitees als ihren Geburtstag sieht.
Der Begriff „Sportmedizin“ ist zu dieser Zeit noch nicht nachweisbar.

LITERATUR

  1. Gottstein A, Nicolai A F (Hrsg.): Denkschrift über die Begründung eines sportwissenschaftlichen Forschungsinstituts. Böckler&Schott, Berlin, 1912.
  2. Greiner E, Arndt KH: Der erste deutsche Sport- ärztekongress – Programm für ein Jahrhundert. Dtsch Z Sportmed 55 (2004) 310-314.
  3. Hirsch M: 1. Kongreß zur wissenschaftlichen Erforschung des Sportes und der Leibesübungen in Oberhof i.T. vom 20.-23. Sept. 1912. Münch Med Wschr No 49 (1912) 2699-2701.
 
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