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Die Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin behandelt die klinische Praxis und deren angrenzende Felder im Sinne translationaler Forschung, die den Einfluss von körperlicher Aktivität, Bewegung, Training und Sport sowie Bewegungsmangel von gesunden Personen und Patienten aller Altersgruppen erforscht. Dies umfasst die Auswirkungen von Prävention, Diagnose, Therapie, Rehabilitation und körperlichem Training sowie das gesamte Feld der Sportmedizin und sportwissenschaftliche, physiologische und biomechanische Forschung.

Die Zeitschrift ist die führende und meistgelesene deutsche Zeitschrift für die gesamte Sportmedizin. Sie richtet sich an alle Ärzte, Physiologen und sportmedizinisch/sportwissenschaftlich interessierte Wissenschaftler aller Disziplinen sowie an Physiotherapeuten, Trainer, Praktiker und Sportler. Die Zeitschrift ermöglicht allen Wissenschaftlern online Open Access zu allen wissenschaftlichen Inhalten und viele Kommunikationsmöglichkeiten.

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Sportmedizin im Wandel
GESCHICHTE

Von der Gründerzeit der Sportmedizin in Deutschland bis 1911

Years of the Founding of Sports Medicine in Germany

Turnen und Gymnastik etablierten sich zu Anfang des 19. Jahrhunderts  in  Deutschland  als  nationale  Leibesübungen.  Mit der  aus  England  kommenden  Sportbewegung  sollte  es  in  den folgenden Jahrzehnten heftige Kontroversen seitens der Turnerschaft und anderer nationalistischer Kreise geben. In die vielfachen Streitigkeiten um Form und Durchführung der Leibeserziehung  („Lorinserscher  Schulstreit“,  „Turnsperre“,  „Barrenstreit“) mischten sich auch namhafte deutsche Mediziner wie Emil Du Bois-Reymond und Rudolf Virchow ein. Mit dem sich gleichzeitig vollziehenden, endgültigen Übergang der Medizin von ihrer empirisch-naturphilosophischen Orientierung zur angewandten Naturwissenschaft stellten sich nun die Erfordernisse einer Bewertbarkeit der Wirkungen körperlicher Beanspruchung.

Genaue  Beobachtungen  und  Messungen  von  Johannes  Müller  fanden  sich  bereits  im  „Handbuch  der  Physiologie“  von  1834. Das war der Beginn einer wissenschaftlichen Physiologie, die von seinen Schülern Theodor Schwann, Rudolf Virchow, Hermann von Helmholtz und Emil Du Bois-Reymond fortgeführt wurde.

Herzpatienten körperlich trainiert
Der  Internist  M.  J.  Oertel  hatte  1875  die  so  genannte  „Terrainkur“ eingeführt. Er gab bestimmte Gehstrecken vor und ermittelte in Abhängigkeit von der jeweiligen Beanspruchung den entsprechenden Kalorienverbrauch. In Abhängigkeit vom jeweiligen kardiologischen Befund  konnte  danach  das  entsprechende  Gehtraining  festgelegt und durchgeführt werden. Es war der erste Versuch, Patienten mit unterschiedlichen Herzerkrankungen körperlich zu trainieren.
Wegweisende Publikationen hinsichtlich einer sich etablierenden Sportmedizin um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert kamen die von Ferdinand August Schmidt („Die Leibesübungen nach ihrem  körperlichen  Übungswert"  von  1893,  „Unser  Körper-Handbuch der Anatomie" und „Physiologie und Hygiene der Leibesübungen" von 1899 bis 1930 in 8 Auflagen erschienen). Ferdinand Hueppe nahm in seinem „Handbuch der Hygiene" (1899) die Körperübungen als besonderes Kapitel auf. 1911 erschien darüber hinaus sein Werk „Hygiene der Körperübungen". Ein Jahr zuvor 1910 hatte der Physiologe  Siegfried  Weissbein  das  zweibändige  Buch  „Hygiene des Sports" herausgegeben, in dem 32 ausgewiesene Autoren alle relevanten medizinischen Aspekte von Leibesübungen und Sport darlegten. 1889 publizierte Georg Kolb in „Der Einfluss maximaler Muskelarbeit" Beiträge zur Physiologie des Sports.

Arbeit und Leistung werden messbar
Dem  Erfordernis  der  Messbarkeit  und  reproduzierbarer  Beurteilung von körperlicher Arbeit nachkommend, kam es zur Entwicklung  entsprechender  Apparaturen.  Ein  Drehkurbelergometer  mit Arbeit im Stehen entwickelte 1883 der Marburger Arzt Carl Speck. Vier Jahre später stellte der Wiener Arzt H. Gaertner auf dieser Basis ein mechanisch gebremstes Ergometer vor. Dieses Gerät wurde "Ergostat" genannt und später mehrfach hergestellt.
Das erste Laufband der Welt entwickelte 1889 Nathan Zuntz. Als  Professor  für  Physiologie  an  der  Landwirtschaftlichen  Hochschule in Berlin hatte er es zunächst für Untersuchungen mit Pferden bestimmt. In der Folgezeit wurden weitere Ergometer von ihm und seinen Mitarbeitern für Messungen am Menschen hergestellt. Weiterhin wurden Belastungsversuche von Zuntz im Auftrag des Kaiserlichen Kriegsministeriums durchgeführt, wie beispielsweise 1894 die „Berliner Gepäckmarsch-Studie“.
Bahnbrechend  waren  die  experimentellen  Versuche  von  F. Külbs, die er von 1904 bis 1906 in Kiel durchführte. Dabei wurden Hunde  aus  dem  gleichen  Wurf  regelmäßigem  Laufbandtraining unterschiedlicher Intensität unterzogen. Bei der späteren Sektion der  Tiere  fand  er  deutlich  vergrößerte  Herzen,  ebenso  Vergrößerungen von Nieren, Leber und anderer Organe vor.
1909 wurden an allen deutschen Universitäten die Akademischen Ausschüsse für Leibesübungen gegründet, dessen Ziele eine körperliche Ertüchtigung der akademischen Jugend waren. Arthur Mallwitz  als  Vorsitzender  des  1910  gegründeten  Akademischen Sportbundes forderte, unter Hinweis auf amerikanische Universitäten, in Deutschland nur gesunde, sportlich aktive Personen zum Studium oder zur Abschlussprüfung zuzulassen.
„Die  Förderung  der  Körperertüchtigung  entsprach  diesem Zeitgeist und den sozialdarwinistischen und rassistischen Bestrebungen  eines  erstarkenden  Deutschlands:  die  imperialistischen und nationalistischen Züge des jungen Staates fanden sich wieder in der Auslese der Besten. Die medizinische Forschung unterstützte diese Bestrebungen nach Kräften“ (3).

LITERATUR

  1. Arndt K-H, Löllgen H, Schnell D: 100 Jahre deutsche Sportmedizin. DGSP (Hrsg.), Druckhaus Verlag Gera, 2012.
  2. Hollmann W, Tittel K: Geschichte der deutschen Sportmedizin. Druckhaus Verlag Gera, 2008.
  3. Uhlmann A: Der Sport ist der praktische Arzt am Krankenlager des deutschen Volkes. Mabuse Verlag, Frankfurt/Main, 2005.
 
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