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Die Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin behandelt die klinische Praxis und deren angrenzende Felder im Sinne translationaler Forschung, die den Einfluss von körperlicher Aktivität, Bewegung, Training und Sport sowie Bewegungsmangel von gesunden Personen und Patienten aller Altersgruppen erforscht. Dies umfasst die Auswirkungen von Prävention, Diagnose, Therapie, Rehabilitation und körperlichem Training sowie das gesamte Feld der Sportmedizin und sportwissenschaftliche, physiologische und biomechanische Forschung.

Die Zeitschrift ist die führende und meistgelesene deutsche Zeitschrift für die gesamte Sportmedizin. Sie richtet sich an alle Ärzte, Physiologen und sportmedizinisch/sportwissenschaftlich interessierte Wissenschaftler aller Disziplinen sowie an Physiotherapeuten, Trainer, Praktiker und Sportler. Die Zeitschrift ermöglicht allen Wissenschaftlern online Open Access zu allen wissenschaftlichen Inhalten und viele Kommunikationsmöglichkeiten.

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Sportmedizin im Wandel
ORIGINALIA
SPORTMEDIZINISCHE EINRICHTUNGEN IN DEUTSCHLAND

Evaluation der universitären sportmedizinischen Einrichtungen in Deutschland

Evaluation of University-Based Sports Medicine in Germany

ZUSAMMENFASSUNG

 

 

Um die Leistungsentwicklung der Sportmedizin zu erfassen, wurde im Auftrag des Wissenschaftsrates der Deutschen Gesellschaft frü Sportmedizin und Prävention (DGSP) die Evaluation der Leistungen der universitären sportmedizinischen Einrichtungen in Deutschland, die erstmals für die Jahre 1996-2000 erfolgt war, für die Jahre 2004 bis 2008 wiederholt. Von den 26 Instituten, die an der ersten Evaluation teilgenommen hatten, konnten 22 erneut erfasst werden. Die Leistungen und Ressourcen  dieser  Institute  wurden  für  beide  Zeiträume  paarweise  verglichen. Gegenüber der ersten Evaluation haben die finanziellen Mittel insgesamt sowie die Einwerbung von kompetitiven Drittmittel signifikant zugenommen. Wie bei der ersten Evaluation zeigt sich, dass Einrichtungen, welche einer sport- oder humanwissenschaftlichen Fakultät angegliedert sind, im Mittel über weniger Mitarbeiter und Haushaltsmittel verfügen, weniger Originalarbeit publizieren und diese in Journalen mit geringerem Impact Faktor (IF) veröffentlichen gegenüber jenen, die einer medizinischen Fakultät angehören. Der Durchschnitt der IF-Punkte aller Publikationen hat um 223% zugenommen, während der IF der 10 Journale, in denen  am  häufigsten  publiziert  wurde,  lediglich  um  83%  gestiegen  ist.  Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass in der Sportmedizin im Vergleich zur letzten Evaluation vermehrt in Journalen mit etwas höherem IF publiziert wird und dass, von wenigen Ausnahmen abgesehen, weiterhin die Ausstattung und die wissenschaftliche Leistung in Einrichtungen an medizinischen Fakultäten besser ist als in Einrichtungen, die in sport- oder humanwissenschaftlichen Fakultäten angesiedelt sind. Die Ergebnisse der vorliegenden Evaluation bestätigen die Ergebnisse der Evaluation 1996-2000.

Schlüsselwörter: Lehre, Forschung, Dienstleistung, Publikationen, Drittmittel, Ausstattung.

SUMMARY

The purpose of this evaluation was to assess the development of sports medicine in Germany with regard to research, teaching and clinical work. Therefore, the evaluation which had assessed the performance in the years 1996-2000 was repeated with identical methods for the years 2004-2008. 22 of the 26 university-based institutions  that  had  participated  in  the  first  evaluation  could  be  assessed  again. Performance and resources of these institutes were compared in pairs over both periods. Institutions which were members of non-medical faculties had again fewer  staff,  smaller  budgets  and  less  original  publications  in  journals  with  lower impact factors than those belonging to medical faculties. When each publication was given the impact factor (IF) of the respective journal, the average IF per publication increased by 223% from the first to the second evaluation period. During this time, the IF of the 10 journals in which the evaluated institutions published most frequently, increased by only 83%. These data demonstrate that incorporation of sports medicine into a medical faculty is associated with better resources and  scientific  performance  and  that  there  is  a  trend  to  publish  more  papers  in journals with higher IF by these institutions. The results of this evaluation confirm the results of the Evaluation 1996-2000.

Key Words: Teaching, research, service, publications, funding, resources.

EINLEITUNG

Im Auftrag des Wissenschaftsrates der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin (DGSP) wiederholten die Autoren die Evaluation der universitären  sportmedizinischen  Einrichtungen  in  Deutschland, die sie für die Jahre 1996- 2000 durchgeführt hatten (2). Es war das Ziel, die Leistungen in Lehre, Forschung und Dienstleistungen für die  Jahre  2004- 2008  mit  unveränderter  Methode  zu  erfassen,  in der  Absicht,  die  Entwicklung  der  universitären  Sportmedizin  im Allgemeinen festzuhalten und den einzelnen Instituten eine individuelle  Standortbestimmung  zu  erlauben.  Jede  Einrichtung,  die an der Evaluation teilgenommen hat, hat bereits grafische Darstellungen der erhobenen Parameter erhalten. Diese Grafiken zeigen die Ergebnisse aller Institute in anonymisierter Form und wurden mit einem Schlüssel versehen, der erlaubt, nur die eigenen Daten zu identifizieren.
Aus methodischen Gründen sind die Autoren nicht in der Lage, obwohl  dies  wünschenswert  wäre,  die  Effizienz  der  evaluierten Einrichtungen  abzubilden.  Die  Aufgabenspektren  der  einzelnen Institute sind sehr unterschiedlich und es sind keine validierten Kriterien vorhanden, um Leistungen in der Forschung, der Lehre  und  der  Dienstleistungen  (Patientenversorgung,  Sportlerbetreuung  und  universitäre  Selbstverwaltung)  zu  vergleichen. Zudem wurden keine Daten über die Verteilung der Ressourcen auf  die  oben  genannten  Bereichen  erhoben,  so  dass  auch  eine eingeschränkte,  bereichsbezogene  Effizienzanalyse  nicht  möglich war.
Diese  Zusammenstellung  der  Ergebnisse  der  Evaluation war  fokussiert  auf  der  Analyse  der  Publikationen,  weil  diese  die Leistungen  in  der  Forschung  am  besten  darstellen.  Die  Autoren und  der  Wissenschaftsrat  der  DGSP  sind  sich  bewusst,  dass  damit  die  Leistungen  einer  universitären  Einrichtung,  wie  oben  erwähnt, nur unvollständig abgebildet wird. Die Autoren stellen die Publikationsleistungen bewusst in den Vordergrund, weil diese das größte Gewicht haben bei der Evaluation der wissenschaftlichen Leistung an einer Universität, insbesondere an den medizinischen Fakultäten. Wenn die Sportmedizin an medizinischen Fakultäten angesiedelt sein und bleiben will, dann muss sie sich nach Auffassung der Autoren in erster Linie durch Forschungsleistungen auszeichnen und darüber definieren.
Die Ergebnisse der Umfrage werden in diesem Artikel in gleicher  Weise  publiziert,  wie  jene  der  ersten  Evaluation.  Zusätzlich werden  die  Veränderungen  zwischen  den  beiden  Evaluationsperioden  dargestellt,  jeweils  als  Summenstatistik  getrennt  für  die Institute/Abteilungen  mit  und  ohne  Zugehörigkeit  zu  einer  medizinischen Fakultät. In einem weiteren Artikel soll die Publikationsleistung   der  evaluierten  Institute,  der  Sportmedizin  und  der Sportwissenschaft in Deutschland insgesamt einem internationalen Vergleich unterzogen werden.

MATERIAL UND METHODEN

Datenerhebung und -aufarbeitungAllen  Leitern  der  30  universitären  sportmedizinischen  Einrichtungen einschließlich des IAT, Leipzig, wurden die gleichen 4-seitigen Fragebögen und die gleiche Excel-Tabelle zur Dokumentation der Publikationen zugesandt, wie bei der ersten Evaluation. Erfasst wurden die Daten aus den Jahren 2004- 2008. Die Institute, die an der Evaluation teilgenommen haben, sind in Tabelle 1 aufgeführt. In  dieser  Tabelle  wird  zwischen  Einrichtungen,  die  primär  medizinischen Fakultäten angegliedert sind und sich an medizinischen Kliniken befinden und solchen, die nicht primär an einer medizinischen  Fakultät  angegliedert  sind  oder  die  sich  an  sportwissenschaftlichen Instituten befinden, unterschieden. Fünf Institute haben trotz mehrmaliger Nachfrage keine Angaben gemacht.
Die  Datenerhebung  beruht  auf  den  freiwilligen  Angaben der  teilnehmenden  universitären  Einrichtungen  zu  folgenden Bereichen:

1.  Personelle, finanzielle und räumliche Ressourcen
2.  Lehre
3.  Publikationen
4.  Drittmitteleinwerbung

Die  Angaben  wurden  auf  Plausibilität  überprüft.  Bei  Unklarheiten  und  Widersprüchen  wurden  Rückfragen  an  die  Institute gerichtet. Zufällig ausgewählte Stichproben im Umfang von einem Drittel der in der Publikationsliste aufgeführten Arbeiten wurden anhand der Datenbank Medline überprüft. Bis auf wenige, geringfügig  fehlerhafte  Angaben,  welche  keinen  Einfluss  auf  die  Bewertung der Publikationsleistung gehabt hatten, waren alle überprüften bibliographischen Angaben korrekt.
Die  Publikationsleistung  wurde  qualitativ  durch  die  Ermittlung der durchschnittlichen Summe der Impact Faktoren (IF) aller Publikationen eines Jahres erfasst, wobei jeder Publikation der IF des Journals, in dem die Publikation erschienen ist, zugeteilt wurde. Um dies zu verdeutlichen wird in der Folge der Begriff Impact Punkte (IP) verwendet, wenn der IF auf Publikationen und nicht auf Journale bezogen wird. Gemäß Empfehlungen der Arbeitsgemeinschaft  der  wissenschaftlichen  medizinischen  Fachgesellschaften (AWMF) (4) erhielten deutschsprachige Journale mit Peer Review, die  nicht  im  Sciences  Citation  Index  (SCI)  aufgeführt  sind,  einen IF von 0,2 und für die deutschsprachigen Journale, die im SCI gelistet sind, wurde der IF verdoppelt. Für die Ermittlung der gesamten Publikationsleistung wurden wie bei der ersten Evaluation (1996-2000) Originalarbeiten mit 100%, Review Artikel und Research Letters mit 50%, Editorials und Case Reports mit 20% und Letters to the Editor mit 10% der IF des jeweiligen Journals gewertet. Zusätzlich wurden die mittleren IP der 10 ranghöchsten Originalpublikationen aus der gesamten Evaluationsperiode ermittelt.

Auf eine fachbezogene Gewichtung der IF gemäß Empfehlung der AWMF (4) wurde diesmal verzichtet, weil keine Daten aus anderen Disziplinen zum Vergleich zur Verfügung standen und eine Gewichtung  des  IF  für  einen  Vergleich  innerhalb  einer  Disziplin nicht nötig ist. Wie bei der Evaluation 1996- 2000 wurden die anteiligen IP der Einrichtungen nach folgendem Schlüssel ermittelt: Für die Erst- und Letztautorenschaft wurde je 30%, für die Zweitautorenschaft 20% und für die übrigen Co-Autorenschaften der Anteil an den restlichen 20% der IP einer Publikation angerechnet.

DARSTELLUNG DER ERGEBNISSE

Die anonymisierte Darstellung der Einzelergebnisse wurde den 25 teilnehmenden  Instituten  direkt  zugestellt.  Wir  beschränken  uns hier auf die Darstellung der aktuellen Ressourcen und Leistungen in  Abhängigkeit  der  Fakultätszugehörigkeit.  Um  einen  repräsentativen  Überblick  über  die  Veränderungen  der  letzten  Dekade  zu erhalten, wurden die aktuellen Kennzahlen von den 22 sportmedizinischen Institute, die an beiden Evaluationen  teilgenommen  hatten,  paarweise mit  den  Kennzahlen  der  Evaluation  der Jahre  1996- 2000  verglichen.  Die  Daten aus  den  Jahren  1996- 2000  wurden  aus den  noch  vorliegenden  Listen  entnommen oder teilweise neu aufgearbeitet.
Auf einzelne Ausreißer sind die Autoren in der Publikation nicht eingegangen,  um  die  Anonymität  der  Institutionen zu bewahren. Es lässt sich aber aus den heterogenen Aufgabenfeldern leicht ableiten,  dass  solche  Ausreißer  möglich sind.  Eine  Institution,  die  als  Schwerpunkt  Grundlagenforschung  betreibt, kann auch eine sehr hohe Summe an Impactpunkten  erzielen,  während  operativ tätige Institutionen ein sehr hohes Etatvolumen vorweisen können.

Statistische Auswertung
Die  Datentransformationen,  statistische Auswertungen  und  die  Erstellung  von Graphiken,  erfolgten  mit  dem  Statistikprogramm  R  (Version  1.12.1).  Als  statistische Tests wurden für gepaarte Daten der  nichtparametrische  Wilcoxon-Test und  für  unabhängige  Daten  der  nichtparametrische  Mann-Whitney-U-Test eingesetzt. Aufgrund des explorativen Ansatzes  und  der  naturgemäß  begrenzten Stichprobenumfänge werden die p-Werte als rein deskriptive Ergänzung betrachtet. 

ERGEBNISSE

I.  Evaluation  der  Jahre  2004-2008
Ressourcen

Tabelle  2  enthält  die  Daten  zu  den  Ressourcen. Sportmedizinische Institute, die einer medizinischen Fakultät angehören, beschäftigten im untersuchten Zeitraum eine  signifikant  höhere  Anzahl  an  wissenschaftlichen  und  nichtwissenschaftlichen  Mitarbeitern  im  Vergleich  zu Institutionen, die sport- oder humanwissenschaftlichen  Fakultäten  angehören. Auch  waren  die  Institutsflächen  in  der Regel größer. Die an einer medizinischen Fakultät  angesiedelten  Institute  hatten einen signifikant höheren Etat aus Klinik/Universität und in der Mehrzahl ebenfalls höhere kompetitive und nichtkompetitive Drittmittel. Diese Zahlen stimmen in der Tendenz  mit  den  Daten  der  Evaluation 1996- 2000 überein.

Lehre
Institute, die einer Sport- oder Humanwissenschaftlichen Fakultät angehören, hatten sowohl für die Lehre, wie auch für Prüfungen einen höheren Aufwand. Der Vergleich mit dem einer medizinischen Fakultät  zugehörigen  Einrichtungen  zeigte  allerdings  keine  statistische Signifikanz (Tab. 2). Auch hier wurden die Beobachtungen aus den Jahren 1996-2000 bestätigt (2).

Publikationen
Institute, die einer medizinischen Fakultät angehören, zeigten eine signifikant höhere Anzahl an Originalarbeiten. Zwischen den anderen hier untersuchten Kategorien (Kongress- und Buchbeiträge sowie Dissertationen) fanden sich keine klaren Unterschiede (Abb. 1). In der Zusammenschau wurden auch hier die Beobachtungen aus den  Jahren  1996- 2000  bestätigt.  Allerdings  sind  die  Unterschiede geringer geworden. Besonders hervorzuheben ist ein Institut, das in der Sportwissenschaft angesiedelt ist und das mit etwa 35 Originalarbeiten pro Jahr einen deutlichen Abstand zu allen anderen evaluierten Instituten aufweist.
Institute, die einer medizinischen Fakultät angehörten, erreichten im Mittel eine höhere IF-Punktzahl sowohl als Gesamtsumme wie auch als anteilige IP. Auch hier zeigt jedoch ein in der Sportwissenschaft angesiedeltes Institut mit einem jährlichen Mittel von etwa  125  IP  und  etwa  35  anteiligen  IP  einen  deutlichen  Abstand zu  allen  anderen  Instituten  (Abb.  2).  Die  mittlere  Punktezahl  der 10 ranghöchsten Publikationen bestätigt die Tendenz zu höheren IP von Institutionen, die einer medizinischen Fakultät angegliedert sind (Abb. 3). In der Zusammenschau werden auch hier alle Beobachtungen aus den Jahren 1996- 2000 bestätigt.

II.  Vergleich  der  Evaluationen  der  Jahre  1996-2000  und 2004-2008
Der Vergleich zwischen den Ergebnissen beider Evaluationen ist in Tabelle 3 und den Abbildungen 4- 6 dargestellt. Tabelle 3 zeigt die über  alle  Einrichtungen  aufsummierten Werte für beide Evaluationen und die Änderungen in der Periode 2004- 2008 gegenüber 1996- 2000 in absoluten Zahlen und in Prozentwerten. Die Graphiken vergleichen   die  Veränderungen  einzelner,  ausgewählter  Parameter  von  Einrichtungen, die an medizinischen und an nichtmedizinischen Fakultäten angesiedelt sind.

Ressourcen
Die  Anzahl  der  Mitarbeiter  und  die  Institutsflächen  veränderten  sich  nur  geringradig  (Tab.  3).  Bei  der  Anzahl  der nichtwissenschaftlichen  Mitarbeiter  ist eine leichte Abnahme zu beobachten. Bei der Anzahl der wissenschaftlichen Mitarbeiter steht einer leichten Abnahme der Anzahl  der  Drittmittelstellen  eine  leichte  Zunahme  der  Anzahl  der  Planstellen gegenüber.  Signifikante  Veränderungen zeigten  sich  hingegen  in  den  Haushaltsmitteln,  wobei  insgesamt  der  Etat  aus Universität und Landesmitteln um 268% stieg. Dabei zeigten sich keine relevanten anteiligen Unterschiede zwischen Institutionen in der Medizin und solchen in der Sportwissenschaft  (270%  vs.  248%).  Die Summe  der  kompetitiven  Drittmitteln erhöhte sich um fast 90%. Allerdings war bei  den  nichtkompetitiven  Drittmitteln ein Rückgang um etwa 20% zu beobachten  (Tab.  3).  Der  nominale  Zuwachs  an universitärem Etat und an Landesmitteln betraf  im  Wesentlichen  Institute,  die  einer  medizinischen  Fakultät  angehörten. Weniger  deutlich  waren  die  Differenzen zwischen  den  Fakultäten  bei  kompetitiven  Drittmitteln.  Dem  gegenüber  war die  Reduktion  an  nichtkompetitiven Drittmitteln bei Instituten, die einer medizinischen Fakultäten angehörten etwas ausgeprägter (Abb. 4).

Lehre
Der  Zuwachs  für  Lehre  und  Prüfungen von 27% und 33% (Tab. 3) wurde in der Mehrzahl von den sportwissenschaftlich angesiedelten Instituten getragen (Daten nicht dargestellt).

Publikationen
Betrachtet  man  die  Anzahl  der  veröffentlichten  Originalarbeiten, Kongress- Buchbeiträgen und Dissertationen, so ist insgesamt eine leichte Zunahme an Originalarbeiten um 26% und eine deutlichere Zunahme an Kongressbeiträgen um 98% zu beobachten (Tab. 3). Diese  Veränderungen  wurden  von  wenigen  Instituten  unabhängig  von  der  fakultären  Anbindung  getragen  und  sind  statistisch nicht  signifikant.  Im  Median  ist  insgesamt  sogar  eine  Abnahme der Anzahl der Kongressbeiträge zu beobachten. Dies gilt auch für die  Buchbeiträge  (-14%)  und  Dissertationen  (-11%).  In  den  einer medizinischen Fakultät angegliederten Instituten ist ein Trend zu mehr Originalarbeiten und weniger Kongress- und Buchbeiträgen festzustellen (Abb. 5).

Ein sehr deutlicher und signifikanter Zuwachs war bei den IP zu beobachten. Die Zuwächse betrugen 184% bei den Gesamt-IP und  223%  bei  den  abteilungsbezogenen  anteilmäßigen  IP  (Tab. 3).  Der  Zuwachs  des  Gesamt-IP  war  bei  den  Instituten  höher, die  einer  medizinischen  Fakultät  angehörten  (Abb.  6).  Auch  bei den  10  ranghöchsten  Publikationen  nahmen  die  IP  um  97%  zu. Es  bestand  kein  signifikanter  Unterschied  zwischen  Instituten, die  medizinischen  und  nichtmedizinischen  Fakultäten  angehören  (Abb.  6).  Auch  hier  war  der  Zuwachs  eines  Institutes  einer sportwissenschaftlichen  Fakultät  allen  anderen  Instituten,  die evaluiert wurden, deutlich überlegen. Bei der Bewertung der Zunahme  der  IP  ist  allerdings  zu  berücksichtigen,  dass  der  IF  der Zeitschriften, in denen am häufigsten publiziert wurde, zwischen 1999 und 2008 im Mittel von 1,14 auf 2,08 um 83% zugenommen hat (Tab. 3). Wenn man die Zunahme der IF-Punkte aller 333 Artikel, die in diesen 10 Zeitschriften publiziert wurden betrachtet, beträgt der Anstieg sogar 123% (Daten nicht dargestellt).

DISKUSSION

I. Evaluation 2004-2008
Die  Evaluation  für  die  Jahre  2004- 2008  zeigt,  dass  sportmedizinische  Einrichtungen,  die  medizinischen  Fakultäten  angehören, über mehr Personal und mehr Haushaltsmittel verfügen und auch mehr kompetitive Drittmittel einwerben, während Institutsfläche und  die  Einwerbung  nichtkompetitiver  Drittmittel  nicht  signifikant verschieden sind im Vergleich zu den übrigen Einrichtungen, die  überwiegend  in  sportwissenschaftlichen  Instituten  angesiedelt  sind  und  einen  besonderen  Schwerpunkt  in  der  Lehre  für Sportstudenten  haben  (Tab.  2).  Entsprechend  haben  diese  Einrichtungen eine größere Anzahl Stunden für Lehre und Prüfungen zu bewältigen.
Die größeren Ressourcen der an medizinische Fakultäten angesiedelten  Einrichtungen  wirken  sich  auch  auf  die  Publikationsleistung aus, in dem die Anzahl der Originalarbeiten (Abb. 1), der Gesamt-IP und der anteilige IP (Abb. 2) sowie der IP der 10 besten Publikationen (Abb. 3) signifikant höher sind im Vergleich zu den Werten  der  nicht  zu  einer  medizinischen  Fakultät  gehörenden Einrichtungen. Allerdings sei darauf hingewiesen, dass ein Institut in einer sportwissenschaftlichen Einrichtung bezüglich Publikationsleistung  (abgesehen  vom  anteiligen  IF  der  10  besten  Publikationen) mit Abstand an der Spitze aller evaluierter Einrichtungen steht.  Insgesamt  ergibt  sich  bezüglich  Dienstleistung,  Lehre  und Forschung im Bezug auf den Vergleich zwischen den Instituten, die zu einer medizinischen Fakultät bzw. nicht zu einer medizinischen Fakultät gehören, in den Jahren 2004- 2008 ein mit der Periode von 1996- 2000, vergleichbares Bild.
Auf die Problematik, den IF zur Bewertung der Publikationsleistung  heranzuziehen,  wurde  in  der  Diskussion  der  Ergebnisse der  Evaluation  1996- 2000  bereits  eingegangen  (2).  Zusammenfassend  sei  nochmals  festgehalten,  dass  der  IF  angibt,  wie  häufig im Durchschnitt ein Artikel einer Zeitschrift innerhalb der ersten 2 Jahre nach Erscheinen zitiert wurde. Da lediglich etwa 15% der Artikel  50%  aller  Zitate  einer  Zeitschrift  auf  sich  vereinigen,  ist der Impact Faktor nur sehr bedingt ein Qualitätskriterium für eine einzelne Publikation (2, 3, 5, 6, 7). Wenn es um die Beurteilung der Publikationsleistung eines Institutes über mehrere Jahre geht und eine große Anzahl von Publikationen erfasst wird, treten diese Bedenken allerdings etwas in den Hintergrund.
Da für die aktuelle Evaluation keine Vergleichszahlen aus anderen  Disziplinen  in  Deutschland  zur  Verfügung  standen,  wurde in der erneuten Evaluation auf die Berechnung der IP mit dem gewichteten IF, der den IF auf den Durchschnittswert aller Journale eines Faches normiert, verzichtet. Wir haben den Eigenanteil einer Abteilung  an  den  IP  berechnet,  der  durch  Berücksichtigung  der Autorenreihenfolge  (siehe  Methode)  den  Beitrag  einer  Institution an einer bestimmten Publikation zu erfassen versucht. Ein im Verhältnis zum Eigenanteil hohe Gesamt-IP weist auf Kooperationen und eine gute Vernetzung einer Institution hin, während ein hoher Eigenanteil im Vergleich zur Gesamt-IP für ein hohes Eigenpotential einer Abteilung spricht.

II.  Vergleich  der  Evaluation  der  Jahre  2004- 2008  mit 1996- 2000
Die  Anzahl  Mitarbeiter  sowie  die  Institutsgröße  haben  sich  zwischen den Evaluationsperioden nicht relevant verändert, während die  Haushaltsmittel  und  die  Einwerbung  kompetitiver  Drittmittel deutlich um 268% bzw. 89% zugenommen haben (Tab. 3), allerdings ohne signifikante Unterschiede zwischen den Einrichtungen an  medizinischen  und  nicht  medizinischen  Fakultäten  (Abb.  4). Die Zunahme der Lehrleistungen und die Anzahl der Publikationen waren  weder  im  Zeitverlauf  noch  zwischen  den  beiden  Gruppen mit unterschiedlicher Fakultätszugehörigkeit signifikant verschieden (Abb. 5). Hingegen nahmen die Gesamt–IP und die anteiligen IP um 223% bzw. 184% zu und diese Zunahme ist deutlich größer als der durchschnittliche Anstieg (83%) der IP aller Publikationen in den 10 Journalen, in denen in 2004- 2008 am häufigsten publiziert wurde (Tab. 3). Die stärkere Zunahme der IP im Vergleich zur Anzahl der Publikationen spricht dafür, dass in der zweiten gegenüber der ersten Evaluationsperiode im Durchschnitt in Journalen publiziert wurde, die bezüglich IF höher gelistet sind. Dieser Trend war signifikant ausgeprägter in Instituten an medizinischen Fakultäten  gegenüber  solchen  in  nicht  medizinischen  Fakultäten,  ließ sich  aber  für  die  10  besten  Publikationen  aller  Einrichtung  nicht nachweisen (Tabelle 3).

SCHLUSSFOLGERUNG

Zusammenfassend  kann  festgehalten  werden,  dass  in  der  Sportmedizin im Vergleich zur letzten Evaluation vermehrt in Journalen mit etwas höherem IF publiziert wird und dass, von wenigen Ausnahmen  abgesehen,  weiterhin  die  Ausstattung  und  die  wissenschaftliche Leistung in Einrichtungen an medizinischen Fakultäten besser ist als in Einrichtungen, die in sportwissenschaftlichen Instituten angesiedelt sind. Eine Beurteilung der Publikationsleistungen der evaluierten Einrichtungen im internationalen Vergleich wird in einer weiteren Publikation dargestellt.

Danksagung
Die Autoren bedanken sich bei Frau Ingrid Slater für die Mitarbeit bei der Erhebung der Daten und der Erstellung des Manuskriptes.

LITERATUR

  1. Bärtsch P, Schneider M: Evaluation der universitären sportmedizinischen Einrichtungen in Deutschland. Dtsch Z Sportmed 53 (2002) 307- 311.
  2. Decker O, Beutel ME, Brähler E: Deep impact – evaluation in the science. Soz Praeventivmed. 49 (2004) 10-14.
    doi:10.1007/s00038-003-2108-5
  3. Frank M: A matter of opinion. Impact Factors: Arbiter of excellence? Physiologist 45 (2002) 181 - 183.
  4. Frömter E, Brähler E, Langenbeck U, Meenen NM, Usade KH: Das AWMF-Modell zur Evaluierung publizierter Forschungsbeiträge in der Medizin. Dtsch med Wschr 124 (1999) 910 - 915.
  5. Kaltenbrunner KF: Validity and fairness of the impact factor –a comment on the article by Decker et all. Soz Praventivmed 49 (2004) 23-24.
    doi:10.1007/s00038-003-0035-0
  6. Ritter JM: Impact, orthodoxy and peer review. Br J Clin Pharmacol 72 (2011) 367 - 368.
    doi:10.1111/j.1365-2125.2011.04062.x
  7. Seglen PO: Why the impact factor of journals should not be used for evaluating research. Brit Med J 314 (1997) 497-502.
    doi:10.1136/ bmj.314.7079.497
Korrespondenzadresse:
Dr. Michael Schneider
Medizinische Hochschule Hannover
Institut für Biometrie
Gebäude K27, 4. Etage, Raum 1041
Carl-Neuberg-Str. 1
30625 Hannover
E-Mail: Schneider.Michael@mh-hannover.de
 
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