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Die Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin behandelt die klinische Praxis und deren angrenzende Felder im Sinne translationaler Forschung, die den Einfluss von körperlicher Aktivität, Bewegung, Training und Sport sowie Bewegungsmangel von gesunden Personen und Patienten aller Altersgruppen erforscht. Dies umfasst die Auswirkungen von Prävention, Diagnose, Therapie, Rehabilitation und körperlichem Training sowie das gesamte Feld der Sportmedizin und sportwissenschaftliche, physiologische und biomechanische Forschung.

Die Zeitschrift ist die führende und meistgelesene deutsche Zeitschrift für die gesamte Sportmedizin. Sie richtet sich an alle Ärzte, Physiologen und sportmedizinisch/sportwissenschaftlich interessierte Wissenschaftler aller Disziplinen sowie an Physiotherapeuten, Trainer, Praktiker und Sportler. Die Zeitschrift ermöglicht allen Wissenschaftlern online Open Access zu allen wissenschaftlichen Inhalten und viele Kommunikationsmöglichkeiten.

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100 Jahre Deutsche Sportmedizin
GESCHICHTE
100 JAHRE DGSP - HISTORISCHE FACETTEN DER SPORTMEDIZIN

Heilkunde beim antiken Olympia

Medicine in the Ancient Olympics

Schon früh wurde auch in der Antike von den Athleten eine intensive  Vorbereitung  auf  die  sich  vierjährig  wiederholenden  Olympischen  Spiele  gefordert.  Die  Trainer  waren  vielfach gleichzeitig Ärzte, denen von Badedienern und Masseuren assistiert wurde. Ihr wohl bedeutendster Vertreter war Herodikos von Selymbria.  Er  war  ursprünglich  Trainer  (Paidotribe)  gewesen, entwickelte aber nach einer Erkrankung eine neue Heilmethode unter Einbeziehung der Gymnastik. Seine schriftlichen Überlieferungen zu Fragen der Diätetik und physischen Rehabilitation dürften  wie  die  anderer  griechischer  Ärzte  mit  dem  besonderen Interesse an der athletischen Betreuung zusammenhängen. Auch  Hippokrates  (460  bis  370  v.  Chr.)  wurde  maßgeblich  von ihm beeinflusst.

Überforderung Jugendlicher kritisiert
Bemerkenswert  sind  die  Klagen  zeitgenössischer  Schriftsteller, wonach ehrgeizige Trainer ihre jugendlichen Wettkämpfer bei den Vorbereitungen  überforderten.  Bereits  Aristoteles  (384  bis  322  v. Chr.) hatte erkannt, wie schädlich es sei, von Knaben die gleichen Trainingsleistungen wie von den Männern zu verlangen. So käme es, dass selten jugendliche Olympiasieger, die ab der 37. Olympiade gesondert ermittelt wurden, auch im reifen Mannesalter noch erfolgreich wären.

Antike Sexkontrolle
Eine  auffällige  Besonderheit  der  antiken  Olympiakämpfer  war ihre völlige Nacktheit. Das war im griechischen Alltag durchaus nicht die Regel. Auch die Wettkämpfe der homerischen Zeit und der  anfänglichen  Olympiaden  wurden  noch  nicht  unbekleidet durchgeführt.

Der Spartaner Akanthos als Langstreckensieger der 15. Olympiade (720 v. Chr.) soll zum ersten Male nackt gelaufen sein. Kurz zuvor soll ein Sprinter seinen Schurz verloren und gesiegt haben. Seitdem wurde die Nacktheit der Sportler üblich und zur Vorschrift. Dieses Gesetz (404 v. Chr.) erstreckte sich später auch auf die Trainer in der Arena, nachdem die als Betreuer verkleidete Mutter eines jugendlichen Olympioniken vor Freude über den Sieg ihres Sohnes im Faustkampf der Knaben die Umfriedung der Kampfbahn übersprang und als Frau erkannt wurde.

Sportverletzungen sehr bedeutsam
Im Epos des Quintus von Smyrna aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. findet sich die Beschreibung medizinischer Behandlung von Athleten. Mitgeteilt ist die Therapie eines verstauchten Fußknöchels durch Aderlass und Salbeneinreibung. Die Wunden eines Boxers wurden ausgesaugt, genäht und mit äußerlichen Medikamenten versorgt. Bedingt durch die Kampftechnik mit bloßen, nur mit einem Lederband bewehrten Fäusten, scheint vor allem das Boxen für schwere Gesichtsverletzungen mit resultierenden Entstellungen gesorgt zu haben. Dokumentiert sind dabei auch zwei Todesfälle. Viele Unfälle ereigneten sich beim Pankration, einer brutalen Kombination von Boxen und Ringen. Es ist vorstellbar, dass bei diesem Kampf mit allen Mitteln schwerste Verletzungen und Todesfälle nicht ausbleiben konnten. Philostratos, der griechische Schriftsteller, bezeichnete es nichtsdestoweniger als das „Schönste in Olympia“. Galen (129 bis  199),  auch  Sport-  und  Wundarzt  bei  den  Gladiatoren,  äußert sich zu Schäden bei Läufern, die sich zu viel zumuten und weist daraufhin,  dass  schnelle  Läufe  schon  vielen  den  Tod  durch  „Riss eines Gefäßes“ gebracht hätten. Berichtet ist von einem Langläufer, der auf dem Heimweg von einem siegreich bestandenen Wettkampf verstarb.
Da  mit  Sportverletzungen  regelmäßig  zu  rechnen  war,  bemühte  man  sich  frühzeitig  um  die  Verpflichtung  kundiger  Ärzte. Während der römischen Kaiserzeit im 2. Jahrhundert ist aus Kleinasien nachweisbar, dass ein Berufsathleten-Verein einen leitenden Arzt (Archiatros) angestellt hatte.

Niedergang und Verbot der antiken Olympischen Spiele
Mit dem Niedergang der Olympischen Spiele waren die römische Herrschaft über das besiegte Griechenland, christliche Widerstände  gegen  den  Zeuskult,  Einzug  kommerzieller  Momente  in  den Sport, Berufssportlertum und Korruption verbunden.
Um selbst an den Olympischen Spielen teilzunehmen, befahl der  berüchtigte  Cäsar  Nero  (37  bis  68)  im  Jahre  65  die  Verschiebung der 211. Olympischen Spiele um zwei Jahre. Er kreierte dazu völlig neue Disziplinen und ließ sich dann zum vielfachen Sieger erklären.  Auch  in  dem  von  ihm  inaugurierten  Fohlenrennen  mit Zehnergespannen  wurde  er  zum  Sieger  ausgerufen,  obgleich  er während des Rennens aus dem Wagen stürzte und das Ziel, selbst nachdem man ihn wieder in das Gefährt gehoben hatte, gar nicht erreichte. Diese Spiele wurden später von den Verantwortlichen der Spiele (Hellanodiken) kurzerhand aus dem Verzeichnis der Olympiaden gestrichen.
Im  Jahre  393  untersagte  schließlich  der  römische  Kaiser Theodosius I. die Abhaltung der Olympischen Spiele für alle Zukunft, nachdem bereits zwei Jahre vorher alle so genannten heidnischen Feste verboten worden waren.

  1. Arndt KH, Arndt C: Olympia und die Medizin. Dt Ärztebl 37 (2000) 2403- 2404.
  2. Harris HA: Sport in Greece and Rome. Thames and Hudson, ohne Ort, 1972.
 
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