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Die Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin behandelt die klinische Praxis und deren angrenzende Felder im Sinne translationaler Forschung, die den Einfluss von körperlicher Aktivität, Bewegung, Training und Sport sowie Bewegungsmangel von gesunden Personen und Patienten aller Altersgruppen erforscht. Dies umfasst die Auswirkungen von Prävention, Diagnose, Therapie, Rehabilitation und körperlichem Training sowie das gesamte Feld der Sportmedizin und sportwissenschaftliche, physiologische und biomechanische Forschung.

Die Zeitschrift ist die führende und meistgelesene deutsche Zeitschrift für die gesamte Sportmedizin. Sie richtet sich an alle Ärzte, Physiologen und sportmedizinisch/sportwissenschaftlich interessierte Wissenschaftler aller Disziplinen sowie an Physiotherapeuten, Trainer, Praktiker und Sportler. Die Zeitschrift ermöglicht allen Wissenschaftlern online Open Access zu allen wissenschaftlichen Inhalten und viele Kommunikationsmöglichkeiten.

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Sportmedizin
EDITORIAL

Besteht ein Zusammenhang zwischen Ausdauersport und Vorhofflimmern?

Is Endurance Sport a Risk Factor for atrial Fibrillation?

Regelmäßiges Ausdauertraining hat einen potenziellen Nutzen für  die  Kontrolle  kardiovaskulärer  Risikofaktoren.  Nachdem das  Sportherz  als  Anpassungsreaktion  seit  etwa  80  Jahren  bekannt  ist,  sind  andere  kardiovaskuläre  Langzeiteffekte  von  regelmäßig  durchgeführten  hochintensiven  Ausdauerbelastungen  wenig untersucht worden. Aktuelle Daten deuten auf eine mögliche Korrelation  zwischen  langjähriger  Ausübung  von  Ausdauersport und Vorhofflattern und Vorhofflimmern hin. Als typisch wird ein männlicher Patient mittleren Alters mit regelmäßiger Ausübung einer Ausdauersportart seit jungen Jahren und Auftreten von Vorhofflimmern beschrieben. Im Gegensatz zum Vorhofflimmern, das im Zusammenhang  mit  kardialen  und  extrakardialen  Erkrankungen auftritt und einer eindeutiger Ätiologie zugeordnet werden kann, findet sich hier keine eindeutige Krankheitsursache.
Ziel der aktuellen Übersichtsarbeit aus der Gruppe von Brugada (14), dem Erstbschreiber des Brugada-Syndroms, ist es, den möglichen  Zusammenhang  zwischen  Vorhofflimmern  und  der langjährigen Ausübung von Ausdauersport zu analysieren, pathophysiologische Mechanismen und klinische Charakteristik zu definieren sowie die Verfügbarkeit von therapeutischen Maßnahmen zu  diskutieren.  Verschiedene  Arbeiten  ergeben  ein  2-  bis  20-fach erhöhtes  Risiko  für  Vorhofflimmern  und  Vorhofflattern  bei  Ausdauersportlern nach Adjustierung um andere Risikofaktoren. Auch steigt bei körperlicher Belastung das Risiko für das Auftreten von Vorhofflimmern und Vorhofflattern (2, 5) (Abb. 1). Darüberhinaus liegen  Daten  vor,  die  zeigen,  dass  Leistungssportler  ein  2,5-fach größeres  Risiko  für  einen  plötzlichen  Herztod  aufweisen,  wobei dem Sport eine Triggerfunktion zugewiesen wird (16).
Für den Zusammenhang zwischen Sport und Vorhofflimmern gibt  es  mehrere  mögliche  Mechanismen;  in  den  Pulmonalvenen lokalisierte Trigger-Ektopien sowie Modulatoren in Form eines gesteigerten Vagustonus (14). Auch König et al. weisen auf den beim Sportler hohen Vagustonus als begünstigenden Faktor für Arrhythmien hin.
Besonders aber werden strukturelle Veränderungen im Vorhof (Dilatation  und  Fibrose),  induziert  durch  die  mit  Ausdauersport assoziierten Volumen– und Druckbelastungen, als arrythmogenes Substrat diskutiert. In der Arbeit von Swanson (15) wird eine chronische  Inflammation  bei  hochintensivem  Ausdauertraining  mit Übertrainingszuständen  beschrieben  und  von  einer  Assoziation zwischen  Vorhofflimmern  und  dem  Entzündungsmarker  C-reaktives Protein berichtet.
Letztlich  steigt  mit  einem  Vorhofdurchmesser  von  über  40 mm das Risiko für Vorhofflimmern und Vorhofflattern deutlich an (14). Bei Ausdauersportlern mit großen Körperdimensionen stellt die Vergrößerung des linken Vorhofs auf 48 mm den noch tolerierbaren Grenzwert dar (7).
Bezüglich  der  Therapiemöglichkeiten  besteht  derzeit  keine klare Systematik. Es gibt Hinweise dafür, dass mit dem Einstellen des Ausdauertrainings eine Besserung auftritt (6).
Weitere  Beobachtungen  zeigen,  dass  die  Einschränkung  der körperlichen  Aktivität  bei  Patienten  mit  beginnenden  Beschwerden und minimaler Vorhofdilatation die Anzahl der Anfälle signifikant reduziert (14). Ebenso gibt es Erfolge mit der Katheterablation. Flecainid and Diltiazem werden in der Prophylaxe mit dem Effekt  einer  50  %  Anfallsreduktion  eingesetzt  (14).  Auch  müssen die möglichen Effekte geklärt werden, die Medikamente mit mehr oder minder anti-sympathotoner Wirkung (ACE-Inhibitoren, Angiotensin-Inhibitoren, Beta-Blocker), in der Langzeitanwendung (zur Prävention  einer  kardialen  Hypertrophie)  entwickeln  können.  Es bestehen auch Hinweise darauf, dass Angiotensin-Inhibitoren zur Ergebnisoptimierung nach Ablation beitragen (1, 12).
Zusammenfassend formulieren Mont et al. (14), dass das Einstellen der sportlichen Aktivität in Kombination mit medikamentöser Therapie die initiale Maßnahme sein sollte.
Aus  Sicht  der  Rezensenten  ist  in  Einzelfällen  die  Katheterablation  durchaus  eine  sinnvolle  therapeutische  Maßnahme  bei Sportlern. So hatten wir in Ulm schon 1992 einen Ruderer mit rezidierenden supraventrikulären Tachykardien abladieren lassen, der praktisch vorher nicht mehr belastbar war, und dann auf der Olympiade den 4. Platz belegte.
Weiterführend sei auf die Arbeit der Gruppe von Heidbüchel (5) verwiesen, die sich mit den Auswirkungen von Ausdauersport auf ventrikuläre Arrhythmien und der rechtsventrikulären Hypertrophie  befasst  und  Gegenstand  eines  Hauptvortrages  auf  dem Deutschen Sportärztekongress war. Es bleibt festzuhalten, dass die zugehörigen Mechanismen des beschriebenen Krankheitsbildes nicht aufgeklärt sind und erheblicher Bedarf an prospektiven Untersuchungen größerer Studienkollektive besteht.
Bisher ist nicht gezeigt worden, dass diese Rhythmusstörungen mit einer erhöhten Mortalität einhergehen. Sicher ergeben sich jedoch Einschränkungen für besonders gefährliche Sportarten mit Fremd- und Selbstgefährdung. Zu nennen sind unter anderem Motorrennsportdisziplinen, Klettern, Tauchen und Fliegen.
Ein erhöhtes Mortalitätsrisiko besteht bei Kardiomyopathien, wie auch bei Ionenkanal-Mutationen, wie dem eingangs angesprochenen Brugada-Syndrom. Daher erscheint ein kardiovaskuläres Screening entsprechend der Leitlinien als notwendig. Als Beispiel können die Leitlinien zur Voruntersuchung junger Athleten der American Heart Association angeführt werden (4).
Gemäß dieser Leitlinien sollten Untersuchungsprotokolle von einem Sportmediziner durchgeführt werden, Eigen -und Familienanamnese, körperliche Untersuchung, Blutdruckmessung und ein 12-Kanal-EKG, welches auch von ESC und IOC empfohlen wird, umfassen. Mit der Echokardiographie steht eine weitere geeignete Methode zur Detektion relevanter Abnormalitäten wie der dilatativen Kardiomyopathie und anderer Formen der linksventrikulären Dysfunktion zur Verfügung (13), die in Italien erfolgreich zum Screening im Wettkampfsport eingesetzt wird (4).
In Deutschland wird von der DGSP zusätzlich das BelastungsEKG bei Wettkampfsportlern routinemäßig empfohlen.
Die hier diskutierten Ergebnisse und Beobachtungen aus der Literatur sollten keineswegs die Bedeutung des erheblichen gesundheitlichen Nutzen des Ausdauersports, insbesonders für die Volksgesundheit, einschränken.
Insbesondere ist dem professionellen Leistungssport per se kein schädliche Komponente zu zuweisen, denn wie Kindermann et al. in ihrem Handbuch der Sportkardiologie betonen, wird das internistische Risiko der einzelnen Sportarten in erster Linie vom Gesundheitszustand der Sporttreibenden bestimmt.

LITERATUR

  1. Anne W, Willems R, Van der MN, Van de WF, Ector H, Heidbüchel H: Atrial fibrillation after radiofrequency ablation of atrial flutter: preventive effect of angiotensin converting enzyme inhibitors, angio- tensin II receptor blockers, and diuretics. Heart 90 (2204) 1025-1030.
  2. Baldesberger S, Bauersfeld U, Candinas R, Seifert B, Zuber M, Ritter M: Sinus node disease and arrhythmias in the long-term follow-up of former professional cyclists. Eur Heart J 29 (2008) 71-78.
  3. Corrado D, Basso C, Schiavon M, Thiene G: Screening for hypertrophic cardiomyopathy in young athletes. New Engl J Med 339 (1998) 364-369.
  4. Corrado D, Pelliccia A, Bjornstad HH, Vanhees L, Biffi A, Borjesson M, Panhuyzen-Goedkoop N, Deligiannis A, Solberg E, Dugmore D, Mellwig KP, Assanelli D, Delise P, van Buuren F, Anastasakis A, Heidbuchel H, Hoffmann E, Fagard R, Priori SG, Basso C, Arbustini E, Blomstrom-Lundqvist C, McKenna WJ, Thiene G: Cardiovascular pre-participation screening of young competetive athletes for prevention of sudden death: proposal for a common European protocol. Eur Heart J 26 (2005) 516-524.
  5. Heidbüchel H, Anne W, Willems R, Adriaenssens B, Van de WF, Ector H: Endurance sports is a risk factor for atrial fibrillation after ablation for atrial flutter. Int J Cardiol 107 (2006) 67-72.
  6. Furlanello F, Bertoldi A, Dallago M, Galassi A, Fernando F, Biffi A: Atrial fibrillation in elite athletes. J Cardivasc Electrophysiol 9 (1998) 63-68.
  7. Kindermann W: Physiologische Anpassungen des Herz-Kreislauf- Systems an körperliche Belastung, in: Kindermann W, Dickhuth HH, Niess A, Röcker K, Urhausen A (Hrsg): Sportkardiologie. Körperliche Aktivität bei Herzerkrankungen. Steinkopff Verlag, Darmstadt, 2007, 1-21.
  8. Kindermann W: Plötzlicher Herztod beim Sport. Dtsch Z Spomed. 56 (2005)
  9. König D, Zehender M, Mewis C, dickhuth HH: Herzrhthymusstörungen, in: Kindermann W, Dickhuth HH, Niess A, Röcker K, Urhausen A (Hrsg): Sportkardiologie. Körperliche Aktivität bei Herzerkrankungen. Steinkopff Verlag, Darmstadt, 2007, 241-257.
  10. Kühlkamp V, Stöckel H: Brugada-Syndrom-seltene Ursache plötzlicher Todesfälle bei Sportlern. Dtsch Z Spomed 56 (2005) 131- 135.
  11. Laurer M, Froelicher ES, Williams M, Kligfield P: Exercise Testing in asymptomatic adults: a atatement for professionals from the American heart Association Council on clinical cardiology, subcommittee on exercise, cardiac rehabilitation, and prevention. Circulation 112 (2005) 771-776.
  12. Madrid AH, Bueno MG, Rebollo JM, Marin I, Pena G, Bernal E: Use of irbesartan to maintain sinus rhythm in patients with long-lasting persistant atrial fibrillation: a prospective and randomized study. Circulation 106 (2002) 331-336.
  13. Maron BJ, Thompson PD, Ackermann MJ, Balady G, Berger S, Cohen D, Hutter AM, Krauss MD, Maron MS, Mitten MJ, Roberts WO, Puffer JC: recommendations and considerations related to preparticipation screening for cardiovascular abnormalities in competeitive Athletes. Circulation 115 (2007) 1643-1655.
  14. Mont L, Elosua R, Brugada J: Endurance sport practice as risk factor for atrial fibrillation and atrial flutter. Europace 11 (2009) 11-17.
  15. Swanson DR: Atrial fibrillation in athletes: implicit literature-based connections suggest that overtraining and subsequent inflammation may be a contributory mechanism. Med Hypotheses 66 (2006) 1085-1092.
  16. Urhausen A, Scharhag S, Kindermann W: Plötzlicher Herztod beim Sport und kardiovaskuläres Screening, in: Kindermann W, Dickhuth HH, Niess A, Röcker K, Urhausen A (Hrsg): Sportkardiologie. Körperliche Aktivität bei Herzerkrankungen. Steinkopff Verlag, Darmstadt, 2007, 21-39.
Korrespondenzadresse:
Prof. Dr. med. Jürgen Steinacker
Sektion Sport- und Rehabilitationsmedizin
Universitätsklinikum Ulm
Steinhövelstr. 9
89070 Ulm
E-Mail: juergen.steinacker@uniklinikum-ulm.de
 
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