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Die Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin behandelt die klinische Praxis und deren angrenzende Felder im Sinne translationaler Forschung, die den Einfluss von körperlicher Aktivität, Bewegung, Training und Sport sowie Bewegungsmangel von gesunden Personen und Patienten aller Altersgruppen erforscht. Dies umfasst die Auswirkungen von Prävention, Diagnose, Therapie, Rehabilitation und körperlichem Training sowie das gesamte Feld der Sportmedizin und sportwissenschaftliche, physiologische und biomechanische Forschung.

Die Zeitschrift ist die führende und meistgelesene deutsche Zeitschrift für die gesamte Sportmedizin. Sie richtet sich an alle Ärzte, Physiologen und sportmedizinisch/sportwissenschaftlich interessierte Wissenschaftler aller Disziplinen sowie an Physiotherapeuten, Trainer, Praktiker und Sportler. Die Zeitschrift ermöglicht allen Wissenschaftlern online Open Access zu allen wissenschaftlichen Inhalten und viele Kommunikationsmöglichkeiten.

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Sportmedizin
EDITORIAL

Die „Spezialtherapie“ des Sportlers

"Special Therapy" for the Athlete

Gerade  im  Bereich  des  Leistungs-  und  Hochleistungssportes werden die behandelnden Ärzte mit der Situation konfrontiert, möglichst frühzeitig nach einer Verletzung eine Rückführung zum Sport zu ermöglichen. Die Erwartung des Sportlers und seines Umfeldes an den betreuenden Sportmediziner ist hoch. Es wird davon ausgegangen,  dass  diejenigen  Therapiemaßnahmen  eingesetzt werden,  die  eine  schnellstmögliche  Heilung  gewährleisten.  Neben  den  konventionellen  bzw.  schulmedizinischen  Therapiemaßnahmen (1) werden auch Alternativmethoden eingesetzt und von vielen Sportlern auch erwartet bzw. akzeptiert, da durch derartige zusätzliche Therapieformen eine beschleunigte Wiederherstellung der  sportlichen  Leistungsfähigkeit  vorausgesetzt  wird.  Als  erfolgreicher und guter Sportarzt wird häufig derjenige eingeschätzt, der zusätzlich zu den „bekannten“ Therapiemethoden noch eine „Geheimwaffe“  im  Repertoire  hat,  um  die  Heilung  zu  beschleunigen. Der Sportler fühlt sich bevorzugt behandelt, was natürlich auch zu einem noch intensiveren Arzt-Patienten-Verhältnis führt.

Betrachtet man allerdings die Studienlage, so findet man in den meisten  Fällen  zwar  einen  den  konventionellen  Methoden  gleichwertigen  Erfolg  alternativer  Therapiemethoden  (4, 5),  eine  Überlegenheit  kann  in  wissenschaftlich  haltbaren  Studien  jedoch  nur  in einzelnen  Publikationen  nachgewiesen  werden  (2).  Probleme  in der  Durchführung  derartiger  Studien  finden  sich  in  mehreren  Bereichen. Patientenkollektive, die sich nach einer  Sportverletzung für konservative Therapiemaßnahmen anbieten, werden  üblicherweise nicht  in  universitären  oder  anderen  wissenschaftlichen  Einrichtungen dauerhaft behandelt. Sie werden in den meisten Fällen nach der Akutbehandlung im nahegelegenen Krankenhaus von niedergelassenen  Kollegen  weiterbehandelt.  Die  Überlegung,  durch  Multicenterstudien wissenschaftliche Einrichtungen mit praktizierenden niedergelassenen Kollegen zu verbinden, ist geeignet, derartige Studien durchzuführen, lässt sich aber doch häufig nur schwer umsetzen. Das Hauptproblem liegt jedoch sicherlich in der Tatsache, dass die in den Studien festgelegten Zielgrößen wie Schwellung, Schmerz oder auch Zeitpunkt der Rückkehr zum Sport von zahlreichen teilweise  individuell  sehr  unterschiedlich  ausgeprägten  Faktoren  abhängen und der zu erwartende Einfluß der zu untersuchenden Intervention so gering wird, dass er auf Signifikanzniveau statistisch fast  nicht  mehr  nachzuweisen  ist.  Daneben  ist  es  auch  schwierig, Kontrollkollektive zu gewinnen, die den wissenschaftlichen Ansprüchen  genügen.  Auch  die  Meßinstrumente,  die  uns  zur  Verfügung stehen, sind in vielen Fällen nicht in der Lage, die zu erwartenden Veränderungen exakt genug bestimmen zu können.

Was  bleibt  sind  Therapieempfehlungen,  die  im  wesentlichen auf den Erfahrungswerten der behandelnden Sportärzte basieren. Für den behandelnden Sportarzt ergibt sich nun das Problem, aus der  Fülle  der  möglichen  Therapieverfahren  das  geeignete  auszuwählen.  Ohne  den  wissenschaftlichen  Nachweis  einer  therapeutischen Wirksamkeit ist hier Zurückhaltung empfehlenswert. Daneben besteht natürlich auch die Gefahr, dass durch das die Heilung beschleunigende  „Therapieangebot“  eine  Dopingmentalität  des  Sportlers gefördert  werden  kann. Auch unter diesem Aspekt sollten  die  empfohlenen und  eingesetzten  Methoden überdacht werden.
Derartige  Empfehlungen  gelten  selbstverständlich  auch  für operative  Therapiemaßnahmen.  Bei  vielen  „neu entwickelten“  operativen Methoden  finden  wir  zu Beginn eine relativ rasche Ausweitung  des  Spektrums  der  Operationsindikationen,  bevor  nach Vorliegen wissenschaftlicher Studien, die zur Beurteilung der Wirksamkeit operativer Prozeduren eingesetzt werden, ein „gut geeignetes“ Patientenkollektiv definiert werden kann.

Ein Artikel des vorliegenden Heftes beschäftigt sich mit Ergebnissen der Hüftarthroskopie, einem Verfahren, das in den letzten Jahren  eine  zunehmende  Verbreitung  in  der  operativen  Orthopädie  und  Unfallchirurgie  gefunden  hat.  Auch  bei  dieser  Operationsmethode, die auch gerade bei sportlich aktiven Menschen zur Reparatur  von  Labrumschäden  oder  knöchernen  Impingementproblemen (Femoroacetabuläres Impingement – FAI) zum Einsatz kommt, wird durch Studien belegt, dass die Erfolgsquoten limitiert sein können. Insbesondere das Ausmaß der zum Zeitpunkt der Arthroskopie  vorliegenden  Knorpelschädigung  ist  entscheidend  für das Ergebnis. Je ausgeprägter Knorpelschäden am Hüftgelenk vorliegen, desto schlechter sind die Resultate (3). Sicherlich hat sich die Hüftarthroskopie als eine operative Methode entwickelt, die bei einer intraartikulären Pathologie mit relativ geringem Gelenktrauma eingesetzt werden kann und bei guter Indikation auch zu guten Ergebnissen führt.

Sowohl konservative als auch operative Therapiemaßnahmen, deren  Wirksamkeit  fraglich  ist  oder  noch  nicht  in  Studien  belegt ist, sollten auch bei der Behandlung von Leistungs- oder Hochleistungssportlern  mit  Zurückhaltung  eingesetzt  werden.  Ein  „etwas weniger“ ist in vielen Fällen besser als „ein zuviel“.

LITERATUR

  1. BLeakley CM, McDonough SM, MacAuley DC: Some conservative strategies are effective when added to controlled mobilization with external support after acute ankle sprain: a systematic review. Aust J Physioter. 54 (2008) 7 - 20.
  2. Kassab S, Cummings M, Berkovitz S, van Haselen R, Fisher P: Homeopathic medicines for adverse effects of cancer treatment. Cochrane Database Syst Rev 2009 Apr 15; CD004845.
  3. Mc Carthy JC, Jarrett BT, Ojeifo O, Lee JA, Bragdon CR: What factors influence long-term survivorship after hip arthroscopy? Clin Orthop Relat Res 2010 Sep 25.
  4. Schneider C, Klein P, Stolt P, Oberbaum M: A homeopathic ointment preparation compared with 1 % diclofenac gel for acute symptomatic treatment of tendinopathy. Explore (NY) 1 (2005) 446 – 452.
  5. Schneider C, Schneider B, Hanisch J, van Haselen R: The role of a homeopathic preparation compared with conventional therapy in the treatment of injuries: an observational cohort study. Complement Ther Med 16 (2008) 22 – 27.
 
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