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Die Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin behandelt die klinische Praxis und deren angrenzende Felder im Sinne translationaler Forschung, die den Einfluss von körperlicher Aktivität, Bewegung, Training und Sport sowie Bewegungsmangel von gesunden Personen und Patienten aller Altersgruppen erforscht. Dies umfasst die Auswirkungen von Prävention, Diagnose, Therapie, Rehabilitation und körperlichem Training sowie das gesamte Feld der Sportmedizin und sportwissenschaftliche, physiologische und biomechanische Forschung.

Die Zeitschrift ist die führende und meistgelesene deutsche Zeitschrift für die gesamte Sportmedizin. Sie richtet sich an alle Ärzte, Physiologen und sportmedizinisch/sportwissenschaftlich interessierte Wissenschaftler aller Disziplinen sowie an Physiotherapeuten, Trainer, Praktiker und Sportler. Die Zeitschrift ermöglicht allen Wissenschaftlern online Open Access zu allen wissenschaftlichen Inhalten und viele Kommunikationsmöglichkeiten.

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Sportmedizin
EDITORIAL

Einsatz der Sportpsychologie in Australien

Application of Sport Psychology in Australia

Die Erfolge ihrer Athleten im Wettkampf erfüllen jede sportbegeisterte Nation mit Stolz. Je besser Athleten betreut werden, desto bessere Chancen haben sie, Erfolge zu erzielen. Doch Muskelkraft und Ausdauer allein machen noch keine Siegertypen. Was brauchen Athleten, die ihr Leben dem Sport verschrieben haben, um erfolgreich zu sein? Und welche Nation hat das beste Modell für ihre Hochleistungssportler?
Mit der räumlichen Distanz verändert sich der Blick auf die deutsche Sportlandschaft. Seit zwei Jahren lebe und arbeite ich in Australien. Dabei konnte ich viel über die Sichtweise und Begeisterung der Australier für Sport und Sportereignisse erfahren und lernen. So war die Berichterstattung z. B. über die Olympischen Spiele 2008 in Peking überwiegend den australischen Sportlern gewidmet. Sämtliche Fernsehkanäle übertrugen die Spiele mit dem Focus auf ihre Landsleute. Das verdeutlicht auch den Stolz der Australier und ihre Unterstützung für ihre Leistungsträger im Sport. Es scheint daher keine Überraschung zu sein, dass Sportler in Australien eine allumfassende Betreuung erhalten.
In einem Land, wo Sport auch im Alltag der Menschen eine große Rolle spielt, gehört die sportpsychologische Betreuung von Athleten selbstverständlich zur Tagesordnung. Am Australian Institute of Sport (AIS) in Canberra, sowie den Landesinstituten und Sportakademien (SIS/SAS-Netzwerk; State Institute oder Academies of Sport) ist die Zusammenarbeit der Trainer, Athleten und Sportverbände mit Sportpsychologen fester Bestandteil der Athletenbetreuung. Die Struktur des SIS/SAS-Netzwerks ist im Ansatz mit der sportpsychologischen Betreuung an den Olympiastützpunkten, den Betreuungsprojekten, die von den Spitzenverbänden im Rahmen der sportpsychologischen Betreuung der sogenannten TOP-Teams über den DOSB/zks (Zentrale Koordinierungsstelle Sportpsychologie des DOSB) koordiniert sowie den wissenschaftlichen Betreuungsprojekten des Bundesinstituts für Sportwissenschaft vergleichbar. Beide Betreuungssysteme haben das Ziel, Athleten bestmöglich vorzubereiten und im Idealfall „Sieger“ hervorzubringen.
Der Wunsch nach so genannten „Siegertypen“ wird häufig von Trainern geäußert, die um die psychologische Komponente wissen, die Gegner schon alleine durch das selbstbewusste verbale und nonverbale Auftreten zu beeindrucken („Erscheinungsbild beim Betreten der Wettkampfstätte“). Diese, auch nach außen kommunizierte deutliche „Mentale Stärke“ des Athleten (im Englischen noch ausdrucksstärker als „Mental Toughness“ bezeichnet (1, 2, 3, 4), wird in Australien zunehmend in die Betreuung von Athleten integriert.
Wie Mallet, Hanrahan und Kellmann (5) ausführen, findet die Unterstützung des AIS/SIS/SAS-Netzwerkes in drei Bereichen statt: (a) Leistungsoptimierung (Performance enhancement), (b) Laufbahnberatung (athlete career and education), und (c) Klinisch relevante Themen (clinical issues). Wie in Deutschland auch, liegt das Hauptaugenmerk australischer Sportpsychologen im Bereich der Leistungsoptimierung durch mentale Fertigkeiten sowie Betreuung im Vorfeld der Wettkämpfe. Während die meisten Sportpsychologen auf Berater- und Honorarbasis beschäftigt werden, sind einige Sportpsychologen integraler Bestandteil eines Teams einer bestimmten Sportart (z. B. Basketball), wodurch sie Trainer und Athleten regelmäßige Unterstützung anbieten können. Insbesondere Trainer, deren Athleten mit Leistungsbezogenen Problemen zu kämpfen haben und Trainer, die ihre eigenen Fertigkeiten im Umgang mit solchen Problemen verbessern möchten, nutzen dieses Angebot.
Ein weiterer Aufgabenbereich der Sportpsychologen in Australien ist die Laufbahnberatung zur Unterstützung der Athleten bei der persönlichen und beruflichen Lebensgestaltung nach der sportlichen Karriere. Ein besonderer Nutzen ergibt sich durch die gut entwickelten Karriere- und Bildungsprogramme innerhalb des AIS/SIS/SAS-Netzwerkes für Athleten.
Während die beschriebenen Komponenten mit der deutschen Vorangehensweise vergleichbar sind, liegt ein struktureller und substantieller Unterschied darin, dass australische Sportpsychologen zur Krisenintervention voll akkreditiert zu internationalen Wettkämpfen mitfahren. Bei Großereignissen wie den Olympischen Spielen ist dies zwar nicht in jeder Sportart möglich bzw. sinnvoll (auch die australischen Akkreditierungen sind begrenzt), jedoch fahren durch das AIS entsendete voll akkreditierte Sportpsychologen zur Krisenintervention der „Clinical issues“ (z. B. bei Verletzungen, Verpassen von Qualifikationen oder schlechten Leistungen) mit, um diese mitunter für einige Athleten traumatischen Erlebnisse akut bearbeiten zu können. Somit steht bei der Vorort Betreuung nicht der Gesichtspunkt der Leistungsoptimierung, sondern der Krisenbewältigung im Vordergrund. Übrigens auch ein Ansatz, den das United States Olympic Committe seit vielen Jahren teilt und der deutschen Athleten nicht vorenthalten werden sollte.

LITERATUR

  1. Gucciardi D, Gordon S., Dimmock, JA: Towards an understanding of mental toughness in Australian football. J Appl. Sport Psych, 20 (2008) 261-281.
  2. Connaughton D, Wadey R., Hanton S., Jones G: The development and maintenance of mental toughness: perceptions of elite performers. J Sport Sci, 26 (2008) 83-95.
  3. Gucciardi DF, Gordon S: Personal construct psychology and the research interview: The example of mental toughness in sport. Personal Construct Theory & Practice, 5 (2008) 119-130.
  4. Nicholls AR, Polman R, Levy, AR, Backhouse SH: Mental toughness, optimism, pessimism, and coping among athletes. Personality and Individual Differences, 44 (2008), 1182-1192.
  5. Mallett C, Hanrahan S, Kellmann M: Sportpsychologie in Australien: Forschung, Praxis und Ausbildung. Z f Sportpsychologie, 14 (2008) 129-133.
 
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