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Die Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin behandelt die klinische Praxis und deren angrenzende Felder im Sinne translationaler Forschung, die den Einfluss von körperlicher Aktivität, Bewegung, Training und Sport sowie Bewegungsmangel von gesunden Personen und Patienten aller Altersgruppen erforscht. Dies umfasst die Auswirkungen von Prävention, Diagnose, Therapie, Rehabilitation und körperlichem Training sowie das gesamte Feld der Sportmedizin und sportwissenschaftliche, physiologische und biomechanische Forschung.

Die Zeitschrift ist die führende und meistgelesene deutsche Zeitschrift für die gesamte Sportmedizin. Sie richtet sich an alle Ärzte, Physiologen und sportmedizinisch/sportwissenschaftlich interessierte Wissenschaftler aller Disziplinen sowie an Physiotherapeuten, Trainer, Praktiker und Sportler. Die Zeitschrift ermöglicht allen Wissenschaftlern online Open Access zu allen wissenschaftlichen Inhalten und viele Kommunikationsmöglichkeiten.

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Sportmedizin
EDITORIAL

Sportliche Erfolge - durch Innovation und Gründlichkeit

Athletic Achievements – through Innovation and Diligence

Die olympischen Spiele sind mit ihren beeindruckenden Bildern und der Begeisterung und Freude, die sie vermittelt haben, vorübergegangen. Zurück bleibt für den deutschen Sport das bange Gefühl, einerseits noch recht gut weg gekommen zu sein, aber auch Blessuren erlitten zu haben. Einige Sportarten konnten ihre Position halten, einige ausbauen, letztendlich aber ist der Kuchen nicht größer geworden und die Konkurrenz wird zunehmend stärker. Traditionelle Sportarten haben massive Probleme und sehen ihre gesamten Konzepte und auch die Zukunft der Förderung in Gefahr. Allenthalben wird analysiert und bewertet und es werden personelle Konsequenzen gezogen, teilweise auch inhaltlich diskutiert. Auch die Politik reagiert auf die Problematik, der Bundestagssportausschuss hat mehrfach über die Probleme beraten, es wurden Mittel für die Trainerqualifizierung und -bezahlung bereitgestellt und auch die Leistungssportmittel im nacholympischen Jahr sind weitgehend gesichert.
Leistungssport findet immer mit Konkurrenten statt und bei der Analyse darf nicht vergessen werden, dass leistungssportlicher Erfolg auch eine Frage von Innovation und Ideen ist. Auch der Sport muss um die besten Köpfe werben, das sind die besten Trainer und die besten Wissenschaftler. Nur mit einer guten Verwaltung und einer guten Organisation wird man ehrbare Arbeit leisten und geachtet werden, kann aber nicht unbedingt die innovatorische Kraft aufbringen, die notwendig ist, um im internationalen Konkurrenzkampf zu bestehen. Innovation wird immer gefolgt von einem Leistungssprung und anschließend von organisatorischen Bemühungen, diese Innovation breit zu sichern und den Vorsprung zu verteidigen. Man darf also postulieren, dass es immer einen „Schweinezyklus“ von Innovation und Gründlichkeit gibt, in dem es nach einer Phase der Progression zu einer gewissen Stagnation kommt. Wir Deutschen neigen mit unserer Perfektion sicher dazu, diese zweite Phase sehr gründlich zu gestalten.
Beispiele für Innovationen aus Deutschland sind die biomechanisch-technische Innovation, die Karl Adam mit dem Deutschlandachter Ende der 50er Jahre durchgesetzt hat und die einen Vorsprung für lange Zeit begründete. Eine Gegeninnovation zum Intervalltraining, das die 50er Jahre dominierte, war die breite Einführung des Ausdauertrainings durch die DDR. Man hatte erkannt, dass man mit der Durchführung der bisherigen Traininingsmethoden keine Chance gegen die anderen Sportnationen, insbesondere gegen die Bundesrepublik, hatte und hat in einer innovatorischen Anstrengung das extensive umfangbetonte Ausdauertraining methodisch erprobt, entwickelt und auf breiter Front eingeführt. Es war die Basis für große Erfolge in den Mittelzeitausdauersportarten der DDR. Das Doping war dann erst sozusagen richtig „notwendig“, nachdem der innovatorische Vorsprung nach etwa 10- 15 Jahren aufgebraucht war, weil andere Nationen die Methoden ebenfalls sich aneigneten und beherrschten und man mit Perfektion nichts mehr erreichen konnte.
Das Paradigma des Ausdauertrainings dominiert aber immer noch viele bundesdeutsche Verbände und die Ausbildungsschemata. Als Dieter Baumann ein tempoorientiertes Training durchführte und zu Medaillenruhm kam, haben viele gar nicht bemerkt, was die trainingsmethodische Änderung war, die damals in Süddeutschland ersonnen wurde. So hat man weiter brav Ausdauerintensitäten mit Laktat kontrolliert und vergessen, dass nur mit Geschwindigkeit ein Rennen zu absolvieren und zu gewinnen ist.
Wir haben offenkundig teilweise den Anschluss an die internationalen Innovationszyklen verloren. In vielen Sportarten lässt sich belegen, dass viel mehr Qualität im Training und in der Bewegungsausführung und ein in Deutschland nicht antizipierter Aufwand an intellektueller Unterstützung betrieben wird, um die Sportler zum Erfolg zu bringen. Dass andere dopen, ist vielleicht nur eine Entschuldigung für mangelnde eigene Innovationskraft. Man kann postulieren, dass auch mit besserem Doping ein deutscher Rennstall nicht die Tour de France gewonnen hätte, sondern nur mit besserem Training.
Die Deutsche Hochschulsportmedizin mit ihren Instituten und Abteilungen für Sportmedizin stellt Innovationskraft zur Verfügung, der deutsche Sport nutzt diese Innovationskraft viel zu wenig. Hier wurde schon vor zehn Jahren über die Muskelanpassung geforscht, hier wurde hochintensives Training in Trainingsversuchen getestet. Viele Sportverbände haben dies missachtet und müssen jetzt feststellen, dass die Welt sich geändert hat.

 
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