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Die Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin behandelt die klinische Praxis und deren angrenzende Felder im Sinne translationaler Forschung, die den Einfluss von körperlicher Aktivität, Bewegung, Training und Sport sowie Bewegungsmangel von gesunden Personen und Patienten aller Altersgruppen erforscht. Dies umfasst die Auswirkungen von Prävention, Diagnose, Therapie, Rehabilitation und körperlichem Training sowie das gesamte Feld der Sportmedizin und sportwissenschaftliche, physiologische und biomechanische Forschung.

Die Zeitschrift ist die führende und meistgelesene deutsche Zeitschrift für die gesamte Sportmedizin. Sie richtet sich an alle Ärzte, Physiologen und sportmedizinisch/sportwissenschaftlich interessierte Wissenschaftler aller Disziplinen sowie an Physiotherapeuten, Trainer, Praktiker und Sportler. Die Zeitschrift ermöglicht allen Wissenschaftlern online Open Access zu allen wissenschaftlichen Inhalten und viele Kommunikationsmöglichkeiten.

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SPORTMEDIZIN
ORIGINALIA
DOPINGPRÄVENTION

Doping und Dopingprävention: Kenntnisse, Einstellungen und Erwartungen von Athleten und Trainern

Doping and Doping Prevention: Knowledge, Attitudes and Expectations of Athletes and Coaches

Technische Universität München, Lehrstuhl für Sport und Gesundheitsförderung

ZUSAMMENFASSUNG

Für einen wirksamen Anti-Doping-Kampf sind nicht nur primär repressive, sondern auch primär präventive Maßnahmen notwendig, um Einstellungen gegen Doping frühzeitig zu festigen. Dabei stehen der Athlet und sein sportliches Umfeld im Mittelpunkt. In dieser Studie wurden 1757 Leistungssportler (Rücklauf 45,5%) sowie 620 Trainer (Rücklauf 40,7%) zu Kenntnissen und Einstellungen über Doping sowie Präventionsmaßnahmen befragt.
89,9% der Trainer haben bereits über Doping nachgedacht. Bei 52% gehören Gespräche hierzu mit Athleten zum Trainingsalltag. Viele Trainer fühlen sich nur „eher gut“ (27,8%) bis „eher schlecht“ (33,9%) informiert, insbesondere in niedrigeren Ausbildungsstufen. 66,4% wünschen sich nähere Informationen. Sportler sollten ihrer Ansicht nach bereits im Alter von 10-15 Jahren (40,2%) informiert werden. 21 der antwortenden Trainer waren zur aktiven Sportlerzeit selber in Versuchung zu dopen.
Für 25% der Sportler ist der Trainer Ansprechpartner für dopingsensible Themen. 88,8% der Athleten wurden bereits über Doping informiert, bewerten ihr diesbezügliches Wissen trotzdem meist als schwach. Speziell für Athleten entwickelte Informationsbroschüren sind nur wenig bekannt. Nur 24,6% der Sportler bemühen sich aktiv um Informationen, hauptsächlich im Internet (42,1%). Handlungsbedarf für eine verstärkte Aufklärung sehen Sportler bei sich selbst, sowie bei Trainern und Medizinern. 1,9% der antwortenden Sportler gaben einen Dopingmissbrauch zu.
Die Ergebnisse zeigen großen Handlungsbedarf im Kampf gegen Doping. Die Erstellung von Informationsbroschüren reicht demnach nicht aus. Daher werden eine aktive thematische Auseinandersetzung bei Lehrgängen sowie informative Internetportale von Athleten und Trainern gewünscht.

Schlüsselwörter: Dopingprävention, Meinungen über Doping, Kenntnisstand, Leistungssport

SUMMARY

In the fight against doping, not only primary repressive but also primary preventive measures are necessary to establish and fortify attitudes towards doping at an early stage. Because measures should focus on athletes and their sporting environment 1757 competitive athletes (45.5% return) and 620 coaches (40.7% return) were interviewed, in the present study about their doping related knowledge, their attitudes towards doping and their opinion of actual prevention measures.
89.9% of all coaches had already given some thoughts to doping. Conversations with their athletes referring to doping are part of everyday training (52%). Many coaches feel only “rather well” (27.8%) or ”rather badly“ (33.9%) informed, especially in lower educational coaching levels. 66.4% want more detailed information. In the coaches´ opinion, doping-related information of athletes should start at an age of 10 to 15 years (40.2%). 21 of the responding coaches had been tempted to dope during their own sporting career.
25% of the athletes confirmed the coach to be their first contact person for dopingsensitive issues. 88.8% were already informed about doping but rated their respective knowledge as poor. Information material, especially developed for athletes, is little-known. Only 24.6% of the athletes actively try to get information, especially in the world wide web (42.1%). Athletes consider need for action regarding increased enlightenment measures for themselves, but also for coaches and physicians. 1.9% of the responding athletes confessed abuse of doping substances.
The results revealed an urgent need for action in the fight against doping. Development of information material does not seem to be enough. Therefore, an active doping-related discussion during courses as well as informative internet platforms would be very welcome for athletes and coaches.

Key words: Doping prevention, attitudes towards doping, state of knowledge, elite sports

EINLEITUNG

In unserer leistungsorientierten Gesellschaft sind Höchstleistungen von Topathleten regelmäßiger Bestandteil der täglichen Sportnachrichten und die Anzahl von Medaillen und Rekorden bestimmt das Geschehen. Erfolgreiche Sportler werden dabei durch die medienwirksame Darstellung zu Idolen, denen jugendlich ambitionierte Nachwuchssportler nacheifern. Dabei erfordern die erbrachten Leistungen in der Weltelite über Jahre ein asketisches Sportlerleben mit extremsten Trainingsbelastungen, die den menschlichen Körper nahe an den Rand seiner biologischen Möglichkeiten bringen.
Umso erschreckender ist es für die Sportwelt, wenn eines dieser Idole des Dopings überführt wird. Dabei zeigen im Hochleistungssport überführte Dopingsünder nur die Spitze des Eisberges, denn Medikamente werden auch im Freizeit- und Fitnesssport missbraucht (5, 19, 22). Stehen im Hochleistungssport der sportliche Erfolg, übersteigerte Erfolgsorientierung und finanzielle Aspekte im Vordergrund, sind die individuelle Leistungssteigerung, das Erreichen von schnelleren Trainingserfolgen oder die Verbesserung des äußeren Erscheinungsbildes vorherrschende Dopingmotive im Freizeit- und Fitnesssport (2, 5). Die Dopingprävalenz wird bei Kindern auf 3- 5% und bei Erwachsenen auch 5 - 15% geschätzt, wobei Männer häufiger zum Missbrauch dopingrelevanter Medikamente tendieren als Frauen (22).

Am häufigsten betroffen scheinen Sportarten, bei denen Schnelligkeit oder Kraft im Vordergrund stehen (1). Jedoch handelt der einzelne Sportler immer weniger selbst bestimmt, sondern ist häufig Teil einer Konstellation verschiedener Akteure im Spitzensport (3, 29).
Der Kenntnisstand von Sportlern über Doping ist jedoch vergleichsweise niedrig (15, 23) und die mit Dopingmissbrauch verbundenen gesundheitlichen Risiken (24) werden häufig unterschätzt (17). Mit steigendem Leistungsniveau scheint das Wissen über und die Auseinandersetzung der Athleten mit der Dopingproblematik jedoch zu steigen (7).
Auf der Suche nach Informationen werden Trainer im Trainingsalltag von ihren Athleten sowohl um ihre Einstellung und Meinung als auch um sachliche Informationen zum Thema Doping gebeten (18). Viele Trainer betrachten die Leistungsentwicklung in manchen Disziplinen im Spitzensport mit Skepsis und vermuten hinter einzelnen Rekorden in spezifischen Disziplinen Dopingmissbrauch (18). Zielsetzung der vorliegenden Studie war es, die Erfahrungen und Meinung von Athleten und Trainern über die Dopingproblematik näher zu untersuchen.

MATERIAL UND METHODEN

In der vorliegenden Studie wurden Befragungen von Trainern und Leistungssportlern zum Thema „Doping im Sport“ durchgeführt. Mit einem Begleitschreiben wurde 620 Trainern und 1757 Athleten ein Fragebogen in Heftformat (DIN A5) postalisch zugesandt. Die Konzeption des Fragebogens orientierte sich an Inhalten, die bereits in vergleichbaren Studien (12, 16, 18) beschriebenen wurden. Neben Fakten wurden Fragen zur persönlichen Meinung bzw. Einschätzung sowie zum eigenen Verhalten gestellt (siehe Tab. 1). Die vorwiegend mit geschlossener Antwortmöglichkeit formulierten Fragen umfassten neben Ja-/Nein-Fragen auch Filterfragen, Multiple-Choice Fragen, ordinalskalierte Fragen bzw. Fragen mit Likert-Skala. Vereinzelt waren auch Mehrfachnennungen möglich. Die Anzahl der offenen Fragen wurde auf Zahlenangaben reduziert.

Einschlägige Empfehlungen zum Aufbau eines Fragebogens, zur Fragenformulierung sowie zur Durchführung schriftlicher Befragungen wurden berücksichtigt (8, 20, 21, 26). Durch einen Pretest mit einem fachkundigen und befragungserprobten Trainer sowie einer Athletin erfolgte ein abschließender Qualitätscheck.
Die Bearbeitungszeit umfasste ca. 20 Minuten. Zur Sicherstellung der Anonymität wurde auf personenspezifische Daten verzichtet, ein adressierter Freiumschlag beigelegt und eine nur allgemeine Auswertung ohne Nachverfolgung zugesichert. Nach Ablauf einer dreimonatigen Rücklauffrist erfolgte die computergestützte Auswertung (SPSS: Mittelwerte, Häufigkeiten, Chi-Quadrat-Test).
Die Gesamtstichprobe der Trainer stammte aus den Sportarten Basketball, Eisschnelllauf, Handball, Judo, Leichtathletik, Nordische Kombination, Radsport, Ringen, Rudern, Schwimmen, Ski alpin, Ski Langlauf, Triathlon, Turnen und Volleyball. Sie beinhaltete bayerische Kader- und Landestrainer, einzelne Bundestrainer, angehende Diplomtrainer sowie im Deutschen Behinderten Sportverband aktive Trainer.
Die Sportlerstichprobe umfasste Athletinnen/Athleten ohne Behinderung (n=1484) verschiedener Kaderniveaus aus den Sportarten Boxen, Gewichtheben, Leichtathletik, Rudern, Radfahren, Ski alpin, Turnen sowie Leistungssportlerinnen und -sportler mit Behinderung (n=273).

ERGEBNISSE

Aus der Trainerbefragung konnten 252 Fragebögen in die Auswertung einbezogen werden (Rücklaufquote 40,7%). Bei den Athleten betrug der Rücklauf 45,5% (n=800). Der größere Anteil war männlich (55,7%; 44,3% weiblich) sowie nicht behindert (84,6%; 15,4% mit Behinderung).

Ergebnisse der Trainerbefragung
Die Trainer waren im Mittel seit 16 Jahren aktiv und verteilten sich gleichmäßig auf alle Ausbildungsstufen (siehe Tab. 2). Sie übten ihre Trainertätigkeit größtenteils auf Vereinsebene (49,7%), als Landes- (21,7 %), Verbands- (15,7%) oder Bundestrainer (13%) aus und betreuten im Mittel 24,6 (±30,2) Athleten, in der Mehrheit ohne Behinderung (89,6%). Viele ihrer Athleten (81,8%) gehörten einem Kader an.

Die meisten Trainer (89,9%) haben sich bereits Gedanken über Doping gemacht, etwas seltener jedoch in den niedrigeren Ausbildungsstufen (siehe Tab. 2). Dabei standen insbesondere Gesundheitsschädigungen (16,6%), Nebenwirkungen (11,5%), eine Gefährdung der Fairness im Sport (14,5%) sowie Dopingkontrollen (12,5%) thematisch im Vordergrund.
Fast alle Trainer sind gegen Doping (98,8%) und vielen ist es sehr wichtig Doping zu stoppen (74,4%). Ein Gespräch mit Sportlern über Doping gehört bei 52% von ihnen zum Trainingsalltag. Die Mehrheit dieser Trainer (60,8%) übernimmt dabei selber die Initiative. Bezug nehmen sie dabei auf gesundheitsschädigende Auswirkungen (15,4%), Nahrungsergänzungsmittel (16,1%), Dopingkontrollen (12,3%) und Fairness (12,1 %).
Die Mehrzahl der Trainer fühlt sich nur eher gut (27,8%) bis eher schlecht (33,9%) informiert. Bei 54,5% der Befragten wurde Doping in der Ausbildung behandelt, jedoch meist nur in geringem Umfang. Nähere Informationen zu Doping und Möglichkeiten der Prävention wünschen sich 66,4% der Trainer, meist über ihren Verband (31,7%). Doping als regelmäßiges Thema bei Lizenzverlängerungen/Fortbildungen (31,8%) oder Informationsportale im Internet werden favorisiert (27,0%). Auch eine bessere Information und Aufklärung der Sportler (17,2%) sollte aus Trainersicht erfolgen, und das bereits in jungem Alter (40,2%: mit 10- 15 Jahren; 36,3%: mit 16- 18 Jahren). Außerdem werden eine Übermittlung der aktuellen Informationsbroschüre an alle Kadermitglieder (14,3%) sowie eine Einbindung der Dopingthematik als festen Bestandteil der Trainerausbildung (16,7%) empfohlen.
Betrachtet man die Ergebnisse unter Berücksichtigung der Trainerqualifikation, so fühlen sich Diplomtrainer überwiegend „gut“ und Diplomsportwissenschaftler überwiegend „eher gut“ über Doping informiert, C-Trainer, Übungsleiter bzw. Fachübungsleiter (FÜL) jedoch „eher schlecht“ und wünschen daher häufiger nähere Informationen (siehe Tab. 2). Wurde bei Diplomtrainern das Thema Doping mehrheitlich mit hohem Stundenumfang in der Ausbildung besprochen (87,5%), erfolgte dies bei allen übrigen Trainergruppen seltener und mit geringerem Stundenumfang.
Die Mehrheit der befragten Trainer betrieb selber auf nationalem (41,4%) oder internationalem (30,5%) Niveau aktiv Sport. 21 dieser Trainer (9,5%) waren in ihrer aktiven Zeit selber in Versuchung Dopingsubstanzen/-methoden zu nehmen. Vier Trainer gaben dieser Versuchung nach.

Ergebnisse der Athletenbefragung
Die antwortenden Sportler waren im Mittel 21 Jahre alt und betrieben seit ca. 8 Jahren Wettkampfsport mit einem wöchentlichen Trainingsumfang von mehr als 14 Stunden. Dies erfolgte auf internationaler (53,8%), nationaler (43,1%) und regionaler Ebene (4,9%). 93,4% der Befragten waren Kadersportler (A-Kader: 9,9%; B-Kader: 8,3%; C-Kader: 47,9%; D-Kader: 33,8%).

75,3% aller Sportler haben sich schon einmal Gedanken über Doping gemacht. Dies trifft für alle Sportler unabhängig vom Kaderniveau und dem Vorhandensein einer Behinderung zu (siehe Tab. 3). Für die Mehrheit der Athleten (25,8%) ist der Trainer erster Ansprechpartner für dopingsensible Themen. Weitere Ansprechpartner sind andere Sportler (14,1%), die Familie (12,7%), der Allgemeinmediziner (10,4%) und der Verbandsarzt (9,1%). Die meisten Sportler (88,8%) wurden bereits über Doping informiert; 52% von ihnen haben auf Kaderlehrgängen über Doping gesprochen. Dies erfolgte mit steigendem Kaderniveau sowie im Behindertensport signifikant häufiger (siehe Tab. 3) und meist (45,3%) durch den Trainer initiiert. Im Kampf gegen Doping speziell für Athleten entwickelte Informationsbroschüren, z.B. „Ich werde kontrolliert“, sind vielen unbekannt (41,3%). Auch Informationsportale im Internet sowie der World-Anti-Doping-Code sind nahezu unbekannt (70%). In der Schule wurde das Thema Doping fast nie angesprochen (75,6%).
Nur jeder vierte Sportler (24,6%) bemüht sich aktiv um Informationen, signifikant häufiger mit höherem Kaderstatus (siehe Tab. 3). Hierzu wird das Internet (42,1%) am häufigsten genutzt. Ihr aktuelles Wissen zu Doping bewerten die Sportler überwiegend als mittel bis schwach (siehe Tab. 4). Weitere Informationen zur Aufklärung wünschen sich 59,3% der Befragten, z.B. durch Versenden von aktuellen Infobroschüren an alle Kadermitglieder (23,9%) oder Gespräche über Doping bei Kaderlehrgängen (22,3%). Die Verantwortung für Maßnahmen der Dopingprävention wird hauptsächlich dem Verband (24,8%), dem Olympiastützpunkt (16,8%) und dem Trainer (15,8%) zugeschrieben.
83,4% der Athleten sprechen die Einnahme von Medikamenten mit dem Arzt ab, jedoch signifikant seltener im Behindertensport. 48,3% der Befragten haben mit dem behandelnden Arzt bereits über Doping gesprochen, ein Bedürfnis, das mit höherem Kaderstatus tendenziell steigt (siehe Tab. 3). Ein großer Anteil der Befragten ist sich der gesundheitlichen Gefährdung von Doping bewusst und würde es trotz leichter, reversibler Nebenwirkungen nie in Erwägung ziehen (84%). Jedoch selbst gravierende irreversible Nebenwirkungen würden 1,6% der Athleten nicht davon halten.
45,9% der Sportler ergänzen ihre Ernährung zur gesundheitlichen Unterstützung durch Nahrungsergänzungsmittel oder auch um den vermehrten Bedarf durch Sport auszugleichen. Diese Einnahme wird meist mit dem Trainer (81,8%) besprochen. Sie beziehen die Produkte meist aus der Apotheke (42,2%) und der Drogerie (23,5%), wenige aus dem Internet (3,9%). Die Angst vor Verunreinigungen ist unterschiedlich (48,4% gering/mäßig, 40,5% groß/sehr groß).
Viele Sportler (81,2%) sind mit dem Ablauf einer Dopingkontrolle vertraut, signifikant besser bei höherem Kaderstatus. Im letzten Jahr wurden 34,6% der Befragten kontrolliert, tendenziell häufiger im A/B-Kader (siehe Tab. 3).
4% der befragten Sportler gaben an bereits mit Dopingsubstanzen Kontakt gehabt zu haben, 1,9% bestätigten eine bewusste Einnahme von Dopingsubstanzen. Dies war tendenziell (n.s.) häufiger der Fall bei höherem Kaderniveau sowie im Behindertensport (siehe Tab. 3).
Handlungsbedarf im Sinne einer verstärkten Dopingprävention sehen die Sportler im Leistungssport (68,2% hoch/sehr hoch) und dort bei Trainern (57,5% hoch/sehr hoch) und Medizinern (55,0% hoch/sehr hoch). Jeder zweite Sportler (51,2%) ist der Meinung, dass die eigene Aufklärung wichtig ist und zwischen 10 und 15 Jahren beginnen sollte.

Diskussion
Die Tatsache, dass viele Athleten und Trainer sich bereits Gedanken über Doping gemacht haben, zeigt, dass dieses Thema aus dem Trainingsalltag des Leistungssports kaum mehr wegzudenken ist. Seine häufige öffentliche Diskussion könnte die über den Erwartungen liegende Rücklaufquote der beiden Teilstichproben der aktuellen Studie erklären, die im Vergleich zum durchschnittlichen Rücklauf anonymer, postalischer Befragungen (8) sowie einer Vergleichsstudie (18) überdurchschnittlich war.
Die gedankliche Auseinandersetzung der Trainer mit Doping findet jedoch in größerem Umfang in den höheren Ausbildungsstufen statt. Dort wird Doping häufiger thematisiert, was möglicherweise dazu beigetragen hat, dass A-Trainer, Diplomtrainer und Diplomsportlehrer sich besser informiert fühlen. Trotzdem wird das vorhandene Wissen seitens der Trainer insgesamt eher mäßig bis schwach bewertet, insbesondere bei niedrigerem Ausbildungsniveau. Um Diskussionen zu vermeiden, die auf Vermutungen und Gerüchten beruhen, sondern wissensbasiert und informativ sind, müssten Trainer sich jedoch aktiv mit Dopingprävention befassen. Denn nur ein aufgeklärter Trainer kann eine kompetente Anti-Doping-Haltung einnehmen und diese an seine Schützlinge vermitteln. Nicht überraschend ist daher der allgemein hohe Wunsch nach mehr Informationen und spezifischen Maßnahmen zur Dopingprävention, den auch französische Trainer bekunden (18).
Während die Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention ihre Bemühungen aufgrund der aktuellen Entwicklungen des Dopings intensiviert hat und Änderungen der Liste der verbotenen Substanzen und Methoden in einschlägigen Fachzeitschriften regelmäßig publiziert (13), sind vergleichbare Maßnahmen in der Trainerausbildung nicht durchgängig zu finden. So wurde Doping dort oft gar nicht oder zu knapp behandelt. Regelmäßige und aktuelle Fortbildungen zur Dopingprävention sind daher für Trainer dringend erforderlich, zudem sollte Doping verbindlich in die Ausbildungscurricula eingebunden werden.
Viele Sportler nennen den Trainer als ersten Ansprechpartner für dopingsensible Themen. Erfreulich ist daher, dass die Einnahme verbotener Substanzen zur Leistungssteigerung von diesen nahezu übereinstimmend abgelehnt wird. Häufig wird die Initiative für Gespräche über Doping vom Trainer übernommen und richtet sich auf gesundheitliche Nebenwirkungen, Fairness im Sport, Dopingkontrollen oder Nahrungsergänzungsmittel. Der Trainer ist die wichtigste Bezugsperson eines Sportlers und dient bei jungen Athleten häufig als Vorbild. Einerseits soll er die ganzheitliche Entwicklung der Athleten fördern, die schulische oder berufliche Ausbildung seiner Schützlinge aber nicht vernachlässigen (27). Diese Doppelaufgabe hat meist einen Schwerpunkt auf der sportlichen Entwicklung, da die Qualität seiner Trainerarbeit am Erfolg gemessen wird (6). So kann die Arbeit eines Trainers noch so gut sein, „nur wenn der von ihm betreute Sportler Erfolge aufweist, wird seine Leistung als Trainer positiv sichtbar“ (4). Das ist auch ein Grund, warum der Erfolg des Sportlers für den Coach genauso wichtig ist wie für den Sportler selbst. Die Erfolgsorientierung ist dem Trainer normativ vorgegeben (4). Seine deutliche Ablehnung gegenüber verbotener Leistungssteigerung könnte jedoch einen bedeutenden Beitrag zur Dopingbekämpfung und –prävention von jungen Sportlern leisten. Singler und Treutlein (27) glauben sogar, dass es ohne die befürwortende Haltung der Trainer viele Dopingfälle nicht geben würde. Vor diesem Hintergrund müssen daher die Rahmenbedingungen des Leistungssports kritisch überprüft und neben Sportmedizinern, Verbänden und Trainern auch Sponsoren, Medien und Zuschauer in die Diskussion einbezogen werden (20). Dies erscheint umso notwendiger, da nicht nur Athleten, sondern auch Trainer Dopingmissbrauch zugaben.
Auch Sportler machen sich häufig Gedanken über Doping. Sie bewerten ihr diesbezügliches Wissen jedoch ebenfalls überwiegend als schwach, obwohl sie bereits informiert wurden und Doping bei Lehrgangsmaßnahmen häufig besprochen wurde. Viele Informationsbroschüren sind jedoch unbekannt, insbesondere bei A/BKadern und Behindertenleistungssportlern. Daher kann vermutet werden, dass diese Broschüren eher im Nachwuchsleistungssport nicht behinderter Athleten eingesetzt werden. Überraschend ist auch, dass Doping in der Schule nur selten besprochen wurde. Dies wäre jedoch ein sinnvoller Ansatz, da der Missbrauch von Medikamenten und Drogen sich nicht auf den leistungsorientierten Sport beschränkt, sondern mittlerweile ein gesamtgesellschaftliches Problem des heutigen Lifestyle vieler Jugendlicher ist, z.B. zur Verbesserung des äußeren Erscheinungsbildes oder zur Erlangung sozialer Anerkennung (2). Durch die curriculare Einbindung dieses Themas könnte die Auseinandersetzung mit der Dopingproblematik in der Schule nicht nur eine breite Gruppe vollständig erfassen, sondern auch den sozialen Druck einzelner Jugendlicher im Rahmen ihres sozialen Netzes reduzieren (9, 11).
Nach Aussage der Sportler ist der behandelnde Arzt mehrheitlich über die leistungssportliche Aktivität informiert. Die Einnahme notwendiger Medikamente wird mit ihm abgestimmt, signifikant häufiger bei Sportlern ohne Behinderung. Da Menschen mit Behinderung ohnehin häufiger medikamentös eingestellt werden, könnten sie im Umgang mit Standardmedikamenten sowohl mehr Erfahrung als auch eine geringere Hemmschwelle haben. Dies muss in der Dopingprävention mehr berücksichtigt werden. Jeder zweite Sportler hat mit dem behandelnden Arzt schon über Doping gesprochen, häufig auch über die gesundheitlichen Gefahren. Viele Sportler sind sich der gesundheitlichen Risiken des Medikamentenmissbrauchs bewusst. Diesbezügliche Informationsnachfragen werden auch von Seiten der Sportmedizin bestätigt (23). Diese geht zudem davon aus, dass die Erläuterungen der gesundheitlichen Nebenwirkungen die effektivste Methode zur Verhinderung eines Missbrauchs von Dopingsubstanzen darstellt.
Um den durch Sport vermehrten Bedarf des Körpers auszugleichen, werden vielfach Nahrungsergänzungsmittel eingenommen, meist in Abstimmung mit dem Trainer. Aufgrund der damit verbundenen Kontaminationsgefahr (10) sollten Ärzte Sportler vermehrt die Gefahr der Verunreinigung erläutern (28) und auf die Nutzung der Produkte der „Kölner Liste“ hinweisen (14).
Mit steigendem Kaderniveau sind die meisten Athleten mit dem Ablauf einer Dopingkontrolle vertraut. Dies ist nachvollziehbar, denn Dopingkontrollen werden vermehrt im Spitzensport und nur im geringeren Maße im Nachwuchsleistungssport durchgeführt. Viele Sportler wurden bereits kontrolliert, halten die Anzahl der Kontrollen jedoch in Übereinstimmung mit den Ergebnissen einer italienischen Umfrage (25) für nicht ausreichend.
Unterstützende Maßnahmen der Dopingprävention und gezielte Aufklärung erwarten sowohl Trainer als auch Athleten insbesondere von ihrem eigenen Fachverband. Die reine Verfügbarkeit von Aufklärungsmaterialien reicht ihrer Ansicht nach jedoch im Kampf gegen Doping nicht aus. Neben einer von beiden Zielgruppen geforderten interaktiven Website zur Selbstinformation scheint es nach dem Vorbild der amerikanischen Konzepte ATLAS und ATHENA (9, 11) stattdessen notwendig zu sein, didaktisch und methodisch aufbereitete Arbeitsmaterialien zielgruppengerecht zu entwickeln und Multiplikatoren im Sport (Trainer, Therapeuten, Ärzte, Lehrer, etc.) aktiv in ihrer Nutzung zu schulen. In Workshops mit Sportlern und Schülern könnten diese regelmäßig eingesetzt und Handlungsalternativen erarbeitet werden.
Insgesamt zeigt sich, dass insbesondere Trainer auf den niedrigeren Ausbildungsebenen aber auch Athleten Defizite bzgl. dopingspezifischer Kenntnisse aufweisen und daher vermehrt Informationsbedarf bekunden. Da die Gefahr des Dopings im Behindertensport deutlich wird, vorhandene Informationsbroschüren signifikant seltener bekannt sind und der Wunsch nach Aufklärung besonders groß ist, sollte auch in diesem leistungssportlichen Sektor die Dopingprävention verstärkt werden.

DANKSAGUNG

Das Forschungsvorhaben (VF 0407/03/41/2003-2004) wurde vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft unterstützt.

Angaben zu finanziellen Interessen und Beziehungen, wie Patente, Honorare oder Unterstützung durch Firmen: Keine.

LITERATUR

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Korrespondenzadresse:
Dr. Christiane Peters
Lehrstuhl für Sport und Gesundheitsförderung
Technische Universität München
Connollystraße 32
80809 München
E-Mail: peters@sp.tum.de
 
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