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Die Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin behandelt die klinische Praxis und deren angrenzende Felder im Sinne translationaler Forschung, die den Einfluss von körperlicher Aktivität, Bewegung, Training und Sport sowie Bewegungsmangel von gesunden Personen und Patienten aller Altersgruppen erforscht. Dies umfasst die Auswirkungen von Prävention, Diagnose, Therapie, Rehabilitation und körperlichem Training sowie das gesamte Feld der Sportmedizin und sportwissenschaftliche, physiologische und biomechanische Forschung.

Die Zeitschrift ist die führende und meistgelesene deutsche Zeitschrift für die gesamte Sportmedizin. Sie richtet sich an alle Ärzte, Physiologen und sportmedizinisch/sportwissenschaftlich interessierte Wissenschaftler aller Disziplinen sowie an Physiotherapeuten, Trainer, Praktiker und Sportler. Die Zeitschrift ermöglicht allen Wissenschaftlern online Open Access zu allen wissenschaftlichen Inhalten und viele Kommunikationsmöglichkeiten.

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Sportmedizin
EDITORIAL

Cerebrologie - ein neues Fachgebiet

Cerebrology – A New Subject

Bis in die 1980er Jahre hinein ließ sich Gehirnforschung von der Verbindung mit peripherer neurologischer Betrachtungsweise kaum trennen. Die Neurologie stellte eine Einheit dar, die – als Ausdruck der Gehirnfunktion – neben sich die Psychiatrie sah. Die Situation änderte sich jedoch mit der Einführung der bildgebenden Verfahren des Gehirns in den 1970er/80er Jahren. Die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) und die funktionelle Magnet-Resonanz-Tomographie (fMRT) schufen völlig neue Einblicke in das Gehirn, welches zu neuen Fragen und forscherischen Möglichkeiten führte.
Nunmehr aber waren die Möglichkeiten der selektiven Neurologie überschritten. Verschiedene andere medizinische Disziplinen sahen sich in der Lage, mittels der bildgebenden Verfahren Forschungen über das Gehirn durchzuführen, die altgehegte Fragen des betreffenden anderen Fachgebietes zur Grundlage hatten. So war es z.B. die Sportmedizin, welche 1985 begann, Untersuchungen regionaler Gehirnabschnitte auf Durchblutung und Stoffwechsel in Verbindung mit unterschiedlich dosierter Ergometerarbeit durchzuführen. Die erste diesbezügliche Publikation erschien 1987 (Herholz et al.). Mit der Ausrufung des „Jahrzehnts des Gehirns“ durch den US-amerikanischen Präsidenten Bush sen. 1991 setzte eine Fülle von Untersuchungen aus den verschiedensten medizinischen Fachrichtungen ein, die jeweils das Organ „Gehirn“ in den Mittelpunkt stellten. Anatomie und Physiologie waren schon von jeher am Gehirn interessiert – nun kamen die Innere Medizin, die Pädiatrie, die Gerontologie und Geriatrie, die Kardiologie, die Biochemie, die Pharmakologie, die Gynäkologie u.a. hinzu, welche aus der Sicht ihrer Fachgebiete Verhaltensweisen des Gehirns mit bildgebenden Verfahren unterschiedlicher Art beurteilten. Aus einer ursprünglichen Monodisziplin war nun eine Multidisziplin geworden. Alles kreiste um das Organ Gehirn, welches vornehmlich mit der Erzeugung des sogenannten „Seiner-Selbst-Bewussten-Geistes“ eine Sonderstellung unter den menschlichen Organen einnimmt. Jahrhunderte alte Wunschvorstellungen von Philosophie und später der Psychiatrie fanden nun Ansätze zur Erfüllung.
Betrachtet man die heutige internationale Publikationsquelle zum Gehirn, so lässt sich kaum noch die Dominanz einer bestimmten klassischen medizinischen Fachrichtung feststellen. Eine neue multidisziplinäre Struktur ist entstanden, an der Physiker und Chemiker ebenso beteiligt sind wie die genannten oder noch ungenannten medizinischen Fachgebiete. Damit ist ein Stand der Entwicklung erreicht, der in Bezug auf Vorgängerorgane zur Prägung eines spezifischen Namens neuer Art geführt hatte. Das sei nur an einem Beispiel erläutert. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bezeichnete man Internisten, die sich schwerpunktmäßig mit dem Herzen befassten, als „Herzspezialisten“. Der Begriff „Kardiologie“ entwickelte sich erst zögernd ab Ende der 1950er, Anfang der 60er Jahre. 1965 war mein Lehrstuhl der erste deutsche Lehrstuhl, welcher in der Bezeichnung das Wort „Kardiologie“ führte.
Angesichts des wachsenden Interesses am Einfluss körperlicher Bewegung auf das Gehirn prägten wir 1997 die Bezeichnung „BewegungsNeurowissenschaft“ (Exercise Neuroscience). Mittlerweile haben sich die Ruhe- und Arbeitsuntersuchungen des Gehirns in vielfältigen Richtungen erweitert. Darum sollte man auch die Bewegungs-Neurowissenschaften einem übergeordneten Begriff zuordnen, wobei sich der Name „Cerebrologie“ anbietet. Die Wortschöpfung ist hier analog den Begriffen Biologie, Pulmologie, Hepatologie, Nephrologie u.a. vorgenommen. Die Cerebrologie wird ein bedeutendes neues medizinisches Fachgebiet werden, welches Gesichtspunkte der Physik, Chemie, Anatomie, Physiologie, klinischer Disziplinen, Psychologie und Philosophie in sich vereinigt. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis sich cerebrologische Institutionen und Lehrstühle installieren werden.

 
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