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Die Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin behandelt die klinische Praxis und deren angrenzende Felder im Sinne translationaler Forschung, die den Einfluss von körperlicher Aktivität, Bewegung, Training und Sport sowie Bewegungsmangel von gesunden Personen und Patienten aller Altersgruppen erforscht. Dies umfasst die Auswirkungen von Prävention, Diagnose, Therapie, Rehabilitation und körperlichem Training sowie das gesamte Feld der Sportmedizin und sportwissenschaftliche, physiologische und biomechanische Forschung.

Die Zeitschrift ist die führende und meistgelesene deutsche Zeitschrift für die gesamte Sportmedizin. Sie richtet sich an alle Ärzte, Physiologen und sportmedizinisch/sportwissenschaftlich interessierte Wissenschaftler aller Disziplinen sowie an Physiotherapeuten, Trainer, Praktiker und Sportler. Die Zeitschrift ermöglicht allen Wissenschaftlern online Open Access zu allen wissenschaftlichen Inhalten und viele Kommunikationsmöglichkeiten.

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Sportmedizin
ORIGINALIA
MAXIMALE SAUERSTOFFAUFNAHME IM HANDBALL

Entwicklung der maximalen Sauerstoffaufnahme bei den Spielern der deutschen Männer-Handball-Nationalmannschaft

Development of Maximum Oxygen Uptake in the Members of the National German Men’s Handball Team

ZUSAMMENFASSUNG

Die Belastungsintensität im Handball auf internationalem Niveau hat sich in den letzten Jahren u.a. aufgrund von Regeländerungen deutlich erhöht. Wenige Daten liegen jedoch zur aeroben Leistungsfähigkeit bei Handballspielern dieser Leistungsklasse vor. In der vorliegenden Untersuchung wurden die maximale Sauerstoffaufnahme (VO2max) und die Sauerstoffaufnahme an der anaeroben Schwelle (AT-VO2) des Kaders der deutschen Männer HandballNationalmannschaft vom Jahr 2003 bis 2006 erfasst. Alle Untersuchungen wurden auf einem Laufband durchgeführt. Im Jahr 2006 lag die VO2max bei 64,9+5,75 ml.kg-1.min-1 und die AT-VO2 bei 55,45+6,13 ml.kg-1.min-1. Das entspricht im Vergleich zum Jahr 2003 einer Steigerung von 22% bzw. 29%. Die Leistungsverbesserungen waren sowohl durch individuelle Steigerungen von Spielern im Längsschnitt als auch durch die Neuaufnahme ausdauerleistungsfähiger Spieler in den Kader zurückzuführen

Schlüsselwörter: Handball, maximale Sauerstoffaufnahme

SUMMARY

The physiological demands of handball players on the international stage has increased during the last years. Unfortunately, few data are available concerning the endurance capacity of such players. In the present investigation, we analysed the maximum oxygen uptake (VO2max) as well as oxygen uptake at the anaerobic threshold (AT-VO2). All subjects were members of the national German Handball team between the years 2003 and 2006. All tests were performed as treadmill exercise. In 2006, VO2max amounted to 64.9+5.75 ml.kg-1.min-1 and AT-VO2 to 55.45+ 6.13 ml.kg-1.min-1. Compared to 2003, a 22% and 29% increase could be achieved, respectively. This mean increase in endurance capacity originated from both individual improvements of players throughout the time of observation and the entry of well-trained players into the team.

Key words: handball, maximum orxgen uptake

EINLEITUNG

Die physische Belastung im Spitzenhandball hat in den letzten Jahren ständig zugenommen. Wesentlich dazu beigetragen hat die „schnelle Mitte“, eine Regeländerung in den 90er Jahren, die aber erst vor kurzer Zeit zum Konzept aller Bundesliga-Spitzenmannschaften übernommen wurde. Aus konditioneller Sicht hat sie zwei wesentliche Konsequenzen: 1. Die spielfreie Phase nach einem erfolgreichen Torwurf ist extrem gering und kann nicht mehr zur Kurzzeit-Regeneration eingesetzt werden und 2. das Auswechseln von Angriffs- gegen Abwehrspezialisten ist aus taktischen Gründen auf ein bis zwei Spieler begrenzt. Beides führt zu einer deutlichen Erhöhung der individuellen Belastung.
Daten zur Ausdauerleistungsfähigkeit im Handball, insbesondere unter Berücksichtigung der Sauerstoffaufnahme, liegen in der Literatur kaum vor. Bei einem Vergleich von Spitzenspielern der französischen Liga mit Langstreckenläufern und Sprintern lag die aerobe Kapazität zwischen beiden Gruppen (7). Während des Spiels gemessene Laktatkonzentrationen zwischen 4 mmol/l und 9 mmol/l (2) deuten auf die hohe metabolische Belastung während des Spiels hin.
Die vorliegende Studie verfolgte zwei Ziele, die deskriptive Erfassung der aktuellen maximalen Sauerstoffaufnahme und die Sauerstoffaufnahme an der anaeroben Schwelle im deutschen HandballSpitzenbereich und deren Entwicklung innerhalb der letzten Jahre. Hierzu wurden die Daten der Kaderuntersuchungen der Herren-Nationalmannschaft aus den Jahren 2003 bis 2006 ausgewertet.

METHODEN

Testpersonen
An den Untersuchungen nahmen insgesamt 41 Kaderspieler teil. Tab. 1 zeigt Alter, Körpergröße und -gewicht der Spieler zu den jeweiligen Messzeitpunkten. Der mittlere Body-Mass-Index schwankte im Beobachtungszeitraum nicht signifikant (p>0.05) zwischen 24,84 kg.m-2 und 25,06 kg.m-2.
Zum Zeitpunkt der Untersuchung waren alle Spieler austrainiert, d. h. sie absolvierten 4 bis 5 mal pro Woche das Training in ihren Vereinen und waren voll in den laufenden Spielbetrieb der Handball-Bundesliga integriert. Die Untersuchungen fanden jeweils ca. 6 Wochen vor den EM-, WM-Turnieren bzw. dem Olympia-Turnier statt.

Versuchsablauf und Geräte
Alle Untersuchungen wurden auf einem Laufband (h/p/cosmos quasar 4.0) durchgeführt. Gelaufen wurde mit einem Steigungswinkel von 1,5%. Nach einer dreiminütigen Erfassung der Ruhephase im Stehen wurde bei 3 km/h zunächst für drei Minuten gegangen. Anschließend wurde das Band auf 10 km/h gestellt und die Belastung alle drei Minuten um 2 km/h bis zur subjektiven Ausbelastung gesteigert.
Die Herzfrequenz und die Sauerstoffaufnahme wurden mit einem Ergospirometrie-Messplatz der Firma ZAN (Ergotest 680) erfasst. Vor jeder Untersuchung wurden die Ventilation mit einem geeichten Kolben und die Gaskonzentrationsmessung mit einem Eichgas und mit Raumluft kalibriert.


Als maximale Sauerstoffaufnahme (VO2max) wurde die über 15 Sekunden gemittelte Sauerstoffaufnahme vor Belastungsabbruch gewertet. Des Weiteren wurde die Sauerstoffaufnahme an der anaeroben Schwelle (AT-VO2) nach Wasserman et al. (10) erfasst.

STATISTIK

Im Text werden das arithmetische Mittel und die Standardabweichung und in den Abbildungen das arithmetische Mittel mit Standardfehler angegeben. Die Signifikanz der Unterschiede zwischen den Messzeitpunkten wurde mit Hilfe der einfaktoriellen Varianzanalyse (SPSS Version 5.0) berechnet.

ERGEBNISSE

Seit 2003 ist ein kontinuierlicher Anstieg der VO2max von 53,2±5,77 ml.kg-1.min-1 auf 64,9±5,75 ml.kg-1.min-1 zu verzeichnen (Abb.1). Dies entspricht einer Verbesserung von 21,67%. Der Anstieg pro Jahr ist jeweils hoch signifikant (p<0.0001), ausgenommen zwischen den Zeitpunkten 2003 und 2004. Aus der individuellen Betrachtung der VO2max ist zu erkennen, dass an der Verbesserung der VO2max im Längsschnitt sowohl die individuelle Steigerung der Spieler im Längsschnitt als auch die Neuaufnahme von gut ausdauertrainierten Spielern in den Kader verantwortlich ist.
Die Sauerstoffaufnahme an der anaeroben Schwelle stieg von 43,0±5,06 ml.kg-1.min-1 auf 55,5±6,13 ml.kg-1.min-1 an (Abb.2), entsprechend einer Steigerung von 28,47%. Auch der ATVO2 Anstieg war für jedes Jahr hochsignifikant (p<0.0001) mit Ausnahme des Übergangs der Jahre 2005 und 2006.
Die Herzfrequenz in Ruhe (70±11/min) als auch unter maximaler Belastung (181±10/min) zeigten im Beobachtungszeitraum keinen signifikanten Unterschied.

DISKUSSION

Die gemessenen VO2max der Handball-Nationalmannschaft sind vergleichbar mit denen von internationalen professionellen männlichen Fußballspielern, die zwischen 55 und 68 ml.kg-1.min-1 liegen (1, 3, 4, 5). Im Vergleich zu Spitzensportler in Ausdauersportarten, bei denen Werte bis zu 90 ml.kg-1.min-1 gemessen wurden (6), sind sie allerdings deutlich niedriger.
Der im Beobachtungszeitraum kontinuierliche Anstieg der VO2max reflektiert einerseits die intensivierten Trainingsmethoden zur Verbesserung der VO2max, andererseits die zunehmende Dynamik des Spiels durch Änderung der Spielgestaltung (”schnelle Mitte“). Ein aktives Doping ist weitestgehend ausgeschlossen.
Helgerud et al. (4) zeigten bei Fußballspielern, dass eine Verbesserung der maximalen Sauerstoffaufnahme mit einer größeren zurückgelegten Laufstrecke während eines Spiels einherging. In einer prospektiv angelegten Studie konnte in der gleichen Sportart ein Zusammenhang zwischen der vor der Saison ermittelten VO2max und der saisonalen Spielleistung festgestellt werden (5).
Dass die in der vorliegenden Untersuchung der Anstieg der VO2max nicht oder zumindest nicht wesentlich durch eine psychogene Komponente im Sinne einer höheren Ausbelastungstoleranz hervorgerufen wurde, zeigt die vergleichbare Tendenz der AT-VO2, die im Gegensatz zur VO2max nicht von motivationalen Faktoren beeinflusst wird.
Der Anstieg der VO2max ist sowohl auf die wechselnde Spieler-Zusammensetzung der Handball-Nationalmannschaft als auch auf eine individuelle Steigerung der Spieler zurückzuführen, die über den Beobachtungszeitraum im Team waren. Dies deutet darauf hin, dass die Berücksichtigung eines systematischen Ausdauertrainings mit Verbesserung der VO2max zumindest bei den Spitzenmannschaften der Bundesliga eine größere Beachtung erfährt. Die Vorteile einer gut entwickelten Ausdauerleistungsfähigkeit sind vielfältig: Die Erholungsfähigkeit ist erhöht, was bei Spitzenmannschaften besonders im Hinblick auf die hohe Spieldichte während der Saison notwendig erscheint (7). Außerdem ist bei gleichen Intensitäten der Anteil des Fettstoffwechsels erhöht, so dass die Glykogenreserven im submaximalen Belastungsbereich stärker geschont und für die intensivsten Belastungen genutzt werden können (8). Dadurch ist eine höhere und längere Leistungsfähigkeit gewährleistet, so dass technische und taktische Elemente effektiver umgesetzt werden können.
Insgesamt stellt Hallenhandball in der modernen Spielweise eine Sportart dar, die neben technisch-taktischen Fähigkeiten ein hohes Maß an konditionellen Voraussetzungen benötigt. Von den Letztgenannten hat die Ausdauerleistungsfähigkeit unter Beachtung der Sauerstoffaufnahme in den letzten Jahren eine zunehmend stärkere Gewichtung erfahren, die im Training entsprechend berücksichtigt werden muss. Damit ist natürlich keine Erfolgsgarantie gekoppelt, da die Einflüsse auf das Spielergebnis vielfältig und komplex sind. Aus diesem Grunde wäre es unzulässig, die vorliegenden Befunde mit den Turnierergebnissen der Nationalmannschaft monokausal zu korrelieren.

Angaben zu finanziellen Interessen und Beziehungen, wie Patente, Honorare oder Unterstützung durch Firmen: Keine.

LITERATUR

  1. Davis JA, Brewer J, Atkin D.: Pre-season physiological characteristics of English first and second division soccer players. J Sports Sci 10 (1992) 541-547.
  2. Delamarche P, Gratas A, Beillot J, Dassonville J, Rochcongar P, Lessard Y: Extent of lactic anaerobic metabolism in handballers. Int J Sports Med 8 (1987) 55-59.
  3. Ekblom B: Applied physiology of soccer. Sports Med 3 (1986) 50-60.
  4. Helgerud J, Engen LC, Wisloff U, Hoff J: Aerobic endurance training improves soccer performance. Med Sci Sports Exerc 33 (2001) 1925-193.
  5. Hoff J: Training and testing physical capacities for elite soccer players. J Sports Sci 23 (2005) 573-582.
  6. Jensen J, Jacobsen ST, Hetland S, Tveit P: Effect of combined endurance, strength and sprint training on maximal oxygen uptake, isometric strength and sprint performance in female elite handball players during a season. Int J Sports Med 18 (1997) 354-358.
  7. Rannou F, Prioux J, Zouhal H, Gratas-Delamarche A, Delamarche P: Physiological profile of handball players. J Sports Med Phys Fitness 41 (2001) 349-353.
  8. Tumilty D: Physiological characteristics of elite soccer players. Sports Med 16 (1993) 80-96.
  9. Wisloff U, Helgerud J, Hoff J: Strength and endurance of elite soccer players. Med Sci Sports Exerc 30 (1998) 462-467.
  10. Wasserman K, Beaver WL, Whipp BJ: Gas exchange theory and the lactic acidosis (anaerobic) threshold. Circulation 81 (1990) 14-30.
Korrespondenzadresse:
Dr. Klaus-Peter Mellwig
Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen
Ruhr-Universität Bochum
Kardiologische Klinik
Georgstr. 11
32545 Bad Oeynhausen
Fax: 05731-972194
E-Mail: kpmellwig@hdz-nrw.de
 
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